Sie haben Papst Franziskus einst die Hand geschüttelt, ihn bei Audienzen erlebt: Geistliche aus dem Landkreis Freising erinnern sich an ihre Begegnungen mit dem Heiligen Vater. Und sie erläutern auch, was sie sich von seinem Nachfolger erhoffen.
Landkreis – Man spüre, dass sich etwas Außergewöhnliches ereignet habe, beschreibt Pfarrer Stephan Rauscher die Stimmung in Rom. Rauscher weilt seit Montagabend in der Ewigen Stadt, bekommt also hautnah mit, wie sich der Tod von Papst Franziskus auswirkt. An den heiligen Stätten würden viele Kerzen brennen, viele Menschen würden auf dem Petersplatz beten, überall werden bereits jetzt Kameras aufgebaut.
Den Papst beschreibt Rauscher als volksnah, als einen, der die Menschen angesprochen habe. Freilich müsse man auch eingestehen, dass manche der Hoffnungen, die man mit dem Amtsantritt von Franziskus verbunden habe, nicht in Erfüllung gegangen seien. Franziskus sei eben auch wie alle seine Vorgänger in diesem Amt „an seine Grenzen gekommen“. Ein sehr spiritueller Mensch sei der verstorbene Papst gewesen, so die Einschätzung des Leiters des Pfarrverbands Holledau, einer, der die Menschen angesprochen habe, einer, der Reformen angestoßen habe, hinter die es nach Meinung Rauschers auch kein Zurück mehr gebe. Insofern wünsche er sich einen Nachfolger, der den von Franziskus eingeschlagenen Weg „gut weitergeht“.
Pastoralreferent und Flughafenseelsorger Franz Kohlhuber hat den Papst zwei Mal getroffen – 2015 und 2019, jeweils bei Audienzen im Rahmen der Einladung von Flughafenseelsorgern nach Rom. Beide Male sei die Botschaft des Papstes die gewesen, dorthin zu gehen, wo die Menschen sind. Beide Male habe er dem Oberhaupt der katholischen Kirche die Hand schütteln dürfen. „Ich spüre jetzt noch seinen Händedruck“, sagt Kohlhuber. Und auch der Blick von Franziskus sei ihm unvergessen geblieben: „Er sieht dich an, ganz tief und warmherzig.“ Bei beiden Begegnungen habe er zum Schluss eine Bitte geäußert: „Beten Sie bitte für mich.“ Das sei keine Floskel gewesen, betont Kohlhuber, sondern die Bitte um Kraft, die Dinge, die er in seinem Amt zu leisten habe, erfüllen zu können.
Als Nachfolger wünscht sich Kohlhuber einen Papst, der die Themen vorwärts bringe, die ihm wichtig seien: die Lockerung des Zölibats, die wahre Gleichberechtigung von Mann und Frau in der Kirche im Sinne des synodalen Wegs, nicht zu schauen und zu urteilen, wer welche Lebensform gewählt habe, sondern überall dort, wo Liebe besteht, Segen zu spenden. Es brauche also einen mutigen Papst, der es mit den konservativen Kräften aufnehme, einer, der den Menschen auch ins Gewissen reden könne.
Von persönlichen Begegnungen mit Franziskus weiß auch Weihbischof em. Bernhard Haßlberger zu berichten, der zusammen mit deutschen Bischöfen des Öfteren im Vatikan zu Gast war. Begegnungen mit dem Papst bezeichnet Haßlberger als „faszinierend“, beschreibt das Oberhaupt der katholischen Kirche als einfach und bescheiden. In seiner Amtszeit habe Franziskus manches eröffnet, manches davon aber nicht zu Ende geführt – wie das eben so sei bei einer Weltkirche, die träge reagiere wie ein Ozeandampfer. Bescheidenheit habe Franziskus dem Klerus nahegebracht und die Botschaft, „auf die Menschen am Rand zu schauen“. Das hänge sicherlich mit seiner Herkunft zusammen, so Haßlberger über den Mann aus Argentinien. Er selbst habe ja auch einmal die Favelas gesehen, die Armenviertel, in denen es praktisch nichts gebe, während einen Kilometer entfernt die Prunkvillen der Reichen mit Mauern umgeben seien. „Das hat ihn sicher geprägt“, sagt Haßlberger über den verstorbenen Papst. Ein anderes Vermächtnis des Papstes sieht Haßlberger in dessen Enzyklika „Laudatio si“ – eine Mahnung zur Gerechtigkeit gegenüber der Schöpfung und den Menschen. Das alles seien Dinge, hinter die könne der Nachfolger auf dem Heiligen Stuhl nicht mehr zurück, ist sich Haßlberger sicher.
Sein Wunsch wäre, dass der nächste Papst auch den synodalen Weg fortsetze, was gerade in Zeiten, in denen man merke, dass Demokratie nicht selbstverständlich ist, wichtig wäre. Und der neue Heilige Vater sollte auch politisch sein – nicht tagespolitisch, aber die großen Linien und Themen beachtend. Ein Beispiel: Wenn der Ukraine-Krieg einmal ende, dann werde es in dieser Region viel Hass geben. Und da warte dann eine große Aufgabe auf die Kirche.