Landessprache im Urlaub lernen: Dozent gibt Tipps und erklärt Effekt im Ausland

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Wer im Urlaub die Landessprache lernen will, hat bereits einen Vorteil: Vor Ort geht das Lernen leichter von der Hand, sagt Experte Mario Parisi (Symbolbild). © imago-images

Im Ausland sind Sprachkenntnisse oft nützlich. Mario Parisi gibt Tipps für schnelles Lernen. Auch ohne Sprachreise kann man Fortschritte machen.

Landkreis – Ob es die Bestellung im Restaurant, die Frage nach dem Weg oder der Einkauf ist: Wer seinen Urlaub im Ausland verbringt, kann Grundkenntnisse in der Landessprache gut gebrauchen. Tipps fürs schnelle Lernen gibt dazu Mario Parisi. Der gebürtige Italiener, der in der Nähe von Rom aufgewachsen ist und jahrelang in eigenen Sprachschulen unterrichtet hat, bietet mit der vhs Oberland selbst eine einwöchige Sprachreise nach Kalabrien im Spätsommer an. Doch auch ohne solche „vacanze intelligenti“ können Urlauber die Sprache auf eigene Faust erlernen, erklärt der Dozent (71) im Interview.

Herr Parisi, wie viel Fremdsprache kann man in einer Woche tatsächlich lernen?

Das kann man nicht pauschal sagen, weil die Geschwindigkeit individuell abhängig von den Vorkenntnissen ist. Wer fünf Stunden täglich lernt, schafft natürlich mehr als in zwei Stunden pro Woche. Der Urlaub ist grundsätzlich aber eine gute Gelegenheit, weil die Bereitschaft hier viel höher ist, sich mit der Sprache auseinanderzusetzen. Wer dann auch noch einheimische Lehrer hat, die die Sprache mit regionalen Charakteristika und Anekdoten verknüpfen, kann in einer Woche viel erreichen.

Welche realistischen Ziele dürfen sich Teilnehmer setzen?

Die meisten wollen nicht nur im Restaurant bestellen können, sondern ein Allgemeinverständnis für die Sprache entwickeln. Dieses Ziel ist durchaus realistisch, vor allem, weil die meisten Teilnehmer mit beneidenswerter Energie, Einsatz und Kontinuität ans Werk gehen.

Welche konkreten Vorteile bietet das Lernen im Ausland gegenüber dem Unterricht zu Hause?

Es macht einen großen psychologischen Unterschied. Man hört, liest und beobachtet die Sprache und ihre Gesten im Alltag. Dadurch stellt sich ein passives, lebendiges Lernen ein. Im Ausland kann man außerdem mit anderen Sachen arbeiten: Die Lehrer beziehen lokale und soziale Kenntnisse ein. So wird beispielsweise Italien näher präsentiert – Informationen können die Teilnehmer direkt sehen, riechen und schmecken. Dort zu sein, ist eine echte Erweiterung.

Viele Urlauber möchten ihre Sprachkenntnisse selbstständig auffrischen. Haben Sie Tipps fürs eigenständige Lernen?

Es hilft viel, sich auf Gespräche mit Einheimischen einzulassen. Das müssen keine philosophischen Themen sein. Schon normale, alltägliche Gespräche machen das Lernen echter und authentischer. Um Sprechen zu lernen, muss man sprechen – das ist das Wichtigste.

Wie helfen Sie Ihren Kursteilnehmern, die Angst vor dem Sprechen zu überwinden?

Tatsächlich haben viele Angst, etwas falsch zu machen oder sich lächerlich zu machen. Aber auch ich musste lernen, dass es viel besser ist, vermeintlich gut zurechtgelegte Sätze schneller auszusprechen. Dann erfährt man viel früher, ob der Satz richtig war. In Kursen hilft es, eine gelöste, harmonische Atmosphäre zu erzeugen, damit nicht dieselben Hemmungen wie in der Schule auftreten. Stress und Spannung sind kontraproduktiv. Oft sind Hemmungen auch unbegründet. Italiener beispielsweise sind sehr kontaktfreudig und improvisieren gerne als Lehrer, ohne das besserwisserisch zu meinen. Ich glaube, das kommt auch daher, dass viele Ältere selbst keine Fremdsprachen sprechen. Wenn sich jemand bemüht, freuen sie sich – vielleicht auch aus schlechtem Gewissen (lacht).

Können digitale Apps das Sprachenlernen im Urlaub sinnvoll unterstützen?

Ob Bücher oder Apps: Alles, was einem selbst hilft, ist nützlich. Wichtig ist nur, dass das Lernen damit Spaß macht. Die Qualität ist zwar mit Sorgfalt zu genießen, in den letzten Jahren hat sich das Angebot aber deutlich verbessert. Ergänzen kann man die Materialien auch durch didaktische Spiele, Filme mit Untertiteln oder Nachrichten in der Fremdsprache. Ideal zum selbstständigen Lernen ist auch ein Tandemsystem: Ein Deutscher, der Italienisch lernt, sollte sich möglichst mit einem Italiener austauschen, der Deutsch lernt. nap

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