Im Ukraine-Krieg könnten Kiews Truppen die Wende schaffen, meint der US-Präsident jetzt – „und vielleicht noch weiter gehen“, orakelt er.
New York – Donald Trump hat nach einem Gespräch mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj eine überraschende Kehrtwende in seinem Ukraine-Kurs vollzogen. Der US-Präsident verkündete auf Truth Social, er glaube nun, dass die Ukraine den Krieg gegen Russland vollständig gewinnen könne – und bezeichnete Russland als schwach. Das ist neu, denn zuvor hatte Trump auch stets mögliche Gebietsabtretungen der Ukraine ins Spiel gebracht.
Neuer US-Kurs: Selenskyj freut sich über Trumps „Papiertiger“-Aussage
Jetzt aber bezeichnete Trump Russland unter Kremlchef Wladimir Putin als einen „Papiertiger“, der wirtschaftlich in Not sei. Er fügte laut AFP hinzu, dass die Ukraine nicht nur ihr besetztes Land zurückerobern könnte, sondern „wer weiß, vielleicht sogar noch weiter gehen könnte“.
Selenskyj zeigte Freude über Trumps neue Haltung und bedankte sich beim US-Präsidenten für dessen „Entschlossenheit, zur Beendigung dieses Krieges beizutragen“, wie er auf X schrieb. Dem Sender Fox News sagte der Ukrainer, Trumps Post habe ihn überrascht.
Selenskyj kritisiert die UN: „Instrumente funktionieren derzeit nicht“
Zugleich bescheinigte Selenskyj den UN, an Bedeutung zu verlieren. „Wir müssen zugeben, dass die Aufmerksamkeit der Welt für die UN schwindet“, schrieb er auf X. Am Rande der UN-Vollversammlung in New York hatte er Trump getroffen.
Die UN habe weniger Einfluss und oft mangele es an echten Entscheidungen zu grundlegenden Fragen, meinte Selenskyj. „Die Instrumente funktionieren derzeit nicht. Aber sie werden funktionieren, wenn man aktiv ist.“
Trump zu Putins Öl: „Energiekäufe unverzüglich einstellen“
Trumps Rede vor der UN-Vollversammlung hatte für Aufsehen gesorgt. „Sie müssen unverzüglich alle Energiekäufe aus Russland einstellen“, hatte Trump gesagt. „Andernfalls verschwenden wir alle viel Zeit.“ Die NATO-Verbündeten hätten ihren „Verbrauch russischer Energie nicht ausreichend reduziert“, kritisierte der US-Präsident.
Die 27 EU-Staaten hatten 2022 nach der russischen Invasion in der Ukraine die meisten Importe von russischem Öl verboten. Ausnahmen gelten aber für die Slowakei und Ungarn, die weiter Öl aus Russland über die Druschba-Pipeline beziehen. (Quellen: dpa, afp) (frs)