Fünf Konzepte für die Zukunft der Huber-Häuser in Dießen

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Der jetzt noch marode Lichthof der Huber-Häuser in Dießen soll bald als zentraler Mittelpunkt belebt werden. © Roettig

In die von der Marktgemeinde Dießen geerbte Industriebrache Huber-­Häuser kommt langsam Bewegung. Vom Problemfall zum Vorzeigeobjekt soll sie sich entwickeln. In der voll besetzten Aula der Carl-Orff-Schule wurden die fünf im Rahmen einer Ideenwerkstatt eingereichten Konzepte vorgestellt.

Dießen - Wie Bürgermeisterin Sandra Perzul in ihrer Begrüßung betonte, diene die Präsentation zur Information der Bürger und sei nur der erste Schritt im Findungsprozess. Der Gemeinderat werde noch oft tagen müssen, um eine finale Entscheidung zu treffen, die von der Mehrheit der Dießener getragen werde.

Drei Gruppierungen aus der Bau- und Immobilienbranche und zwei örtliche Vereine, die sich der Kunst und Kultur verschrieben haben, stellten ihre Konzepte vor, souverän moderiert von Architektin Sarin Rudolph vom Dießener Bauamt. Sie musste nur Steff Sanktjohanser von der „Freien Kunstanstalt“ etwas ausbremsen, die ins Gesellschaftspolitische abwich, der Gemeinde Vorwürfe machte und zudem der „Kulturwerkstatt – Ideen für Dießen“ vorwarf, sich als „Abweichler“ aus ihrem Verein heraus gegründet zu haben.

Huber-Häuser Dießen - Podium
Über den Zuspruch der Besucher freuen sich hier Michael Haag, Annette Rießner und Anni Sandner von der „Kulturwerkstatt“ sowie Sarin Rudolph vom gemeindlichen Bauamt (von links). © Roettig

Genau diese „Kulturwerkstatt“ erhielt nach ihrer Vorstellung Standing Ovations und den meisten Applaus. Anni Sander, Annette Rießner und Michael Haag vom Kompetenzteam hatten als „As im Ärmel“ Christian Skrodzki mitgebracht, der in seinem Heimatort Leutkirch bereits mehrere längst tote Objekte wieder quicklebendig gemacht hat und dafür mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wurde. Er empfahl für die denkmalgeschützten Huber-Häuser die Gründung einer Genossenschaft als basisdemokratische Rechtsform, bei der „der Mensch regiert und nicht das Kapital“. Außerdem sei sie am wenigsten konkursanfällig, weil kaum alle Mitglieder gleichzeitig aussteigen würden. Die Idee, sich an den Huber-Häusern schon mit einer Einlage von 1.000 Euro beteiligen zu können, zündete beim Publikum.

Wie Annette Rießner und Anni Sander ausführten, sollen die fünf Huber-Häuser als „das neue Herz von Dießen ein lebendiger Treffpunkt für Alle“ werden, für Kunst und Kultur, Vereine, lokale Institutionen und Gewerbe. Mit Veranstaltungsräumen, Maker Space, Co-Working und Co-Living, Ateliers, Schulungsbereich, Jugendtreff, Musikschule, Bücherei, Läden, einem Café und natürlich den „sanft sanierten“ bestehenden Wohnungen.

Im Dachgeschoss könne man zudem neuen Wohnraum schaffen. All das setze natürlich ein Erbpacht-Verhältnis mit der Gemeinde voraus. Die von zwei Bauplanern unabhängig voneinander ermittelten Gesamtkosten inklusive Altlastenbeseitigung und Reserve würden sich auf knapp 21 Millionen Euro belaufen. Über die Städtebauförderung und das Programm „Innen statt außen“ könnten davon 80 bis 90 Prozent gefördert werden. Entscheidend dabei sei, dass die Gemeinde zehn Prozent der Kosten übernehme.

Von der Gruppe „Willy, Knopp, Wassmer und Reiter Architekten“ wurde ein ähnlicher Nutzungsmix vorgestellt, wobei die Finanzierung aber vornehmlich auf privatem Kapital beruht. Weil unter anderem steuerliche Abschreibungen von Denkmalprojekten für Investoren interessant seien. „Asböck Architekten und EBM München“ bewarben sich als Generalplaner und möchten zum geforderten Mix viel zusätzlichen Wohnraum schaffen, auch mit einem neuen Gebäude im Westteil des Grundstücks. Immobilienmaklerin Irina Aigner hatte neben einem kleineren Anteil von Veranstaltungsflächen, Gewerbe und Gastronomie vor allem Eigentumswohnungen im Blick. Was beim Publikum nicht so gut ankam.

Huber-Häuser Dießen - Steff Sanktjohanser
Steff Sanktjohanser von der „Freien Kunstanstalt“ bei ihrem Vortrag in der vollbesetzten Aula der Carl-Orff-Schule. © Roettig

Steff Sanktjohanser, die sich vor Jahren schon als erste für Huber-Häuser beworben und mit ihrem Team bereits viel Arbeit und Herzblut investiert hat, wiederholte ihre bereits hinlänglich bekannte Präsentation. Ihr aktuelles Problem: Die „Freie Kunstanstalt“ muss in diesen Tagen ihr Zwischendomizil in der alten Schreinerei Graf räumen und würde gerne Lager-Räume in den Huber-Häusern anmieten. Zumindest solange sich mit der Sanierung nichts tue. Von der Gemeinde sei ihr Ersuchen bereits zweimal abgelehnt worden.

Mit einem imposanten Überblick über das Kunst- und Kulturgeschehen der letzten Jahre in der „Freien Kunstanstalt“ stellte Sanktjohanser klar, dass ihr Konzept schlüssig sei, der Bedarf da ist und sie keinesfalls aufgeben werde.

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