Job in 6 Minuten: Trump rekrutiert sein ICE-Abschiebeheer ohne Sicherheitschecks

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Trumps ICE-Truppe rekrutiert offenbar Personal, ohne dies einer Sicherheitsprüfung zu unterziehen. Eine Journalistin hat es gecheckt – und sich beworben.

Washington, D.C./Minneapolis – Die Einwanderungspolizei ICE von US-Präsident Donald Trump zeigt bei ihren Einsätzen immer wieder extreme Gewaltbereitschaft. Kritiker werfen den Beamten vor, dass sie Freude an brutalen Methoden haben: Einwanderer werden von ihnen wie Menschen ohne Rechte behandelt; Aufnahmen von verletzten Personen aller Altersgruppen sowie maskierten und gewalttätigen Trump-Beamten verbreiten sich seit zwölf Monaten über die Medien und sorgen für internationale Entrüstung.

US-amerikanischen ICE-Agenten in Minneapolis: Ihnen gegenüber stehen Protestierende.
US-amerikanischen ICE-Agenten in Minneapolis: Ihnen gegenüber stehen Protestierende. © Dave Decker/dpa

Kürzlich spitzte sich die Lage wieder zu, nachdem ein ICE-Beamter die 37 Jahre alte amerikanische Staatsbürgerin Renée Good in ihrem Geländewagen tötete, was zu Demonstrationen im ganzen Land führte. Trump stellte sich hinter seinen Mitarbeiter, wohingegen Tim Walz, der Gouverneur des Bundesstaates Minnesota, von einer „Kampagne organisierter Brutalität“ seitens der Trump-Administration sprach. Inzwischen fragen sich jedoch viele Menschen: Wer sind diese Personen mit derartiger Neigung zur Gewalt und woher rekrutiert Trump sie überhaupt?

Journalistin Jedeed: ICE-Bewerbungsgespräch umfasste lediglich grundlegende Fragen

Diese Frage wollte die Reporterin Laura Jedeed klären. Wie der Guardian meldet, hat Jedeed im August 2025 an einer ICE-Jobmesse in der Nähe von Dallas, Texas, teilgenommen, wo Recruiter für direkte Beschäftigungschancen für Deportationsbeamte warben. Ursprünglich wollte sie lediglich herausfinden, „wie es ist, sich als ICE-Agentin zu bewerben“. Trotzdem stellte die Behörde sie am Ende ein – obwohl sie alle Sicherheitsprüfungen entweder nicht bestanden, oder entsprechende Unterlagen nicht eingereicht hatte.

Nachdem sie einen Termin mit einem Recruiter vereinbarte, bestand ihr etwa sechsminütiges ICE-Bewerbungsgespräch nur aus grundlegenden Fragen: ihrem Namen, ihrem Geburtsdatum und ihrem Alter, ob sie Erfahrung beim Militär oder bei der Strafverfolgung hatte und den Gründen für ihren Austritt aus den Streitkräften. Jedeed war nach Ende der High School in die US-Armee eingetreten und wurde nach Afghanistan entsandt, bevor sie später als zivile Analystin arbeitete.

Trumps ICE möchte „möglichst viele Waffen und Dienstausweise“

In einer E-Mail am 3. September wurde ihr dann ein „vorläufiges Angebot“ unterbreitet: Sie solle sich bei einem staatlichen Jobportal anmelden und mehrere beigefügte Formulare ausfüllen. In diesen Dokumenten wurden Angaben zu ihrem Führerschein, etwaigen früheren Verurteilungen wegen häuslicher Gewalt und die Erlaubnis zur Durchführung einer Hintergrundüberprüfung verlangt.

Obwohl sie ihren Angaben zufolge keinen der erforderlichen Schritte abgeschlossen hatte, erreichte sie drei Wochen später eine weitere E-Mail, in der man ihr für ihr Engagement dankte und sie bat, einen Termin für einen Drogentest zu vereinbaren. Trotz Cannabis-Konsums nahm sie an dem Test teil – und bekam ein offizielles Stellenangebot von der ICE. Sie lehnte das Angebot ab, da es sich nur um einen technischen Fehler handeln könne oder „ICE bei der Personalbeschaffung extrem undicht“ sei.

ICE im Fokus: „Wie viele verurteilte Täter häuslicher Gewalt bekommen Waffen?“

Hinzu kommt, dass Jedeed für ihre Anti-Trump-Artikel bekannt ist, aber auch dies scheint der Einheit durchgerutscht zu sein: „Wenn sie übersehen haben, dass ich eine Anti-ICE-Journalistin bin, die ihre Unterlagen nicht ausgefüllt hat, was übersehen sie dann noch? Wie viele verurteilte häusliche Gewalttäter erhalten Waffen und werden in die Häuser anderer Menschen geschickt? Wie viele Menschen mit Verbindungen zu rassistischen Organisationen greifen aus Prinzip wahllos Minderheiten an, unabhängig von ihrem Einwanderungsstatus?“, fragt sie.

Das US-Heimatschutzministerium wies den Bericht von sich und beschuldigte die Journalistin der Lüge: „Das ist eine faule Lüge. Dieser Person wurde NIEMALS eine Stelle bei der ICE angeboten. Bewerber können nach ihrer ersten Bewerbung und ihrem Vorstellungsgespräch ein vorläufiges Auswahlschreiben erhalten, das kein Stellenangebot ist. Es bedeutet lediglich, dass sie aufgefordert werden, Informationen zur Prüfung einzureichen, ähnlich wie jeder andere Bewerber auch.“

220.000 Bewerbungen für Trumps ICE-Einheit

Jedeed ihrerseits antwortete mit der Frage: „Sind Sie sich da sicher?“ Dazu fügte sie ein Video bei, das ihre Bewerbung zu zeigen scheint, die bereits die Phase des finalen Angebots erreicht hatte. „Das Screenshot-Video, das ich als Antwort gepostet habe, zeigt eindeutig ein endgültiges Angebot und ein Einstellungsdatum, was ich als endgültiges Angebot und Einstellungsdatum interpretiert habe. Vielleicht hat es eine andere geheime Bedeutung, aber ich habe nicht erfahren, welche das sein könnte – ICE hat auf eine Anfrage um Stellungnahme nicht reagiert.“

Wie die Berliner taz dazu recherchierte, wurden seit Beginn der zweiten Amtszeit von Trump im Januar 2025 neben den 10.000 bereits bestehenden etwa 12.000 zusätzliche ICE-Beamte rekrutiert. Außerdem sollen weitere mehr als 220.000 Bewerbungen eingegangen sein.

US-Bürgerin von ICE aus Fahrzeug geholt und in Abschiebezentrum verschleppt

Währenddessen häufen sich die Meldungen von Gewalt durch die ICE-Einheiten. Die Zeitung Die Welt berichtet von einer US-Bürgerin, die auf dem Weg zu einem Arzt in Minneapolis von Beamten der ICE aus ihrem Auto gezerrt und festgenommen wurde. Die Frau veröffentlichte am Donnerstag (15. Januar) eine Erklärung, nachdem ein Video der Festnahme viral gegangen war. Die Betroffene Aliya Rahman wurde in ein Abschiebezentrum gebracht, wo ihr medizinische Versorgung verweigert worden sei und sie das Bewusstsein verloren habe.

In dem Video zerschlägt ein Maskierter Rahmans Beifahrerfenster, während andere sie durch die Fahrertür aus dem Auto zerren. Anschließend wird sie an Armen und Beinen zu einem ICE-Fahrzeug getragen: „Ich bin behindert und wollte zum Arzt, deshalb habe ich mich nicht bewegt“, erklärte Rahman, während Beamte ihre Arme auf den Rücken drehten.

ICE-Beamter prahlt mit seiner Arbeit: „Ich würde das auch umsonst machen.“

Ein anderes, viral gegangenes Video zeigt beispielhaft die Haltung jener, die für die Brutalität verantwortlich sind. Dort prahlt ein ICE-Beamter mit seinem Job und seinem Gehalt. Zuvor hatten Demonstranten ihn gefragt, ob er als Kind etwa Probleme gehabt hätte: „Sie hatten als Kind Probleme mit Ihrer Wut, nicht wahr? Waren Ihre Eltern dabei? Sie sollten sich schämen, Mann.“ Daraufhin der ICE-Beamte: „Ich liebe meinen Job. Ich kann kaum glauben, dass ich dafür bezahlt werde. Ich würde das auch umsonst machen.“ (Quellen: The Guardian, taz, Die Welt, eigene Recherche) (ktho)

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