Sommer plus Wind ergibt mehr Fluglärm in Dachau

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Das Gefühl, dass der Fluglärm zugenommen hat, ist dem Sommer geschuldet - und dem Wind. © Boris Roessler, dpa

In Dachau haben viele Bürger den Eindruck, dass der Fluglärm über dem Landkreis stark zugenommen habe. Die Deutsche Flugsicherung widerspricht.

Dachau – So schlimm die Coronazeit auch gewesen sein mag: Für Martina Purkhardt, stellvertretende Landrätin und stellvertretendes Mitglied in der Fluglärmkommission am Flughafen München (FLK-Muc), hatten die tristen Pandemiejahre auch ihr Gutes: „Es war himmlisch ruhig.“

Viele Bürger auch im Hinterland klagen

Denn wie viele andere Bürger in ihrer Heimatgemeinde Schwabhausen sowie im ganzen Landkreis Dachau hat Purkhardt dieser Tage wieder das Gefühl, dass es am Himmel richtig laut ist. „Alle zwei Minuten“ komme ein Flieger. „Die fliegen einen Bogen und gehen dann runter.“ Auch über der Großen Kreisstadt, so klagen Leser der Heimatzeitung, sei der Flugverkehr gerade „sehr intensiv und beginnt schon um 5 Uhr morgens“.

Die Deutsche Flugsicherung aber widerspricht. Vielmehr nennt Sprecherin Sandra Teleki die Wahrnehmung der Anwohner „ein subjektives Gefühl“, das jedes Frühjahr zu Beschwerden führe wie: „So schlimm war‘s noch nie!“ Objektiv und „gesamtheitlich betrachtet“ habe sich aber am Himmel über Dachau nichts geändert. „Wir überfliegen das Gebiet seit 1992.“ Die Flughöhen und Flugzeiten der Maschinen seien gesetzlich geregelt, und die Regelungen würden eingehalten.

Was Teleki aber zugibt: Die Belastung durch den Flugverkehr falle im Frühjahr und im Sommer mehr auf. Die Menschen seien mehr draußen, hätten die Fenster geöffnet, könnten die Flugzeuge daher hören und sehen. Zudem hänge es vom Wind ab, aus welcher Richtung – Ost oder West – der Münchner Flughafen angeflogen werde. Bei Ostwind, der vor allem im Sommer weht, würden die Piloten auf die Flugroute über Dachau geschickt. Die Flughöhe dabei liegt Teleki zufolge in der Regel bei „1500 Meter über dem Meeresspiegel“; da Dachau auf 482 Metern Höhe liegt, fliegen die Jets also in rund 1000 Metern Höhe über die Häuser hinweg.

Fluggastzahlen gehen weiter nach oben

Das Einzige, was sich in den vergangenen Jahren geändert hat, das räumt auch Teleki ein, sind die Fluggastzahlen. „Corona hat zu einem massiven Einbruch geführt“, so die Sprecherin der Flugsicherung. Die Pandemiefolgen, wie die Schwabhauserin Purkhardt sie kurzzeitig genießen durfte, seien mittlerweile aber so gut wie überwunden. Täglich gut 1200 Starts und Landungen habe es 2019, im letzten Vor-Corona-Jahr, am Münchner Flughafen gegeben. Mittlerweile nähere man sich dieser Zahl wieder an. „Im Schnitt liegen wir aktuell bei 900 bis 1050 am Tag“, so Teleki.

Dass diese Zahlen von manchen Anwohnern als belastend empfunden werden können, sei den Betreibern des Flughafens und der Flugsicherung durchaus bewusst: „Wir wissen, dass am Boden Menschen leben“, die dichte „Besiedlungsstruktur“ im Großraum München mache es den Verantwortlichen schwer. „Wir haben nun mal keine Freiflächen wie in Russland oder USA.“ Dennoch, so Teleki, werde auf die Nöte und Wünsche der Bürger eingegangen – „sofern dies unsere betrieblichen Abläufe nicht konterkariert“.

Zwei Vertreter in der Fluglärmkommission

Die Schwabhauser Kreisrätin Purkhardt, die mit dem Haimhauser Bürgermeister Peter Felbermeier den Landkreis Dachau in der Fluglärmkommission vertritt, bestätigt dies. In der Kommission, die sich mindestens zwei Mal im Jahr trifft und der Vertreter der anliegenden Landkreise, Kommunen, Behörden und der Flughafenbetreibergesellschaft angehören, würde gut zusammengearbeitet: „Das ist ein wichtiger Austausch, da sitzen alle an einem Tisch!“ Purkhardt hält die Treffen der Kommission daher für „absolut notwendig“. Flugsicherungs-Sprecherin Teleki betont zudem, dass die Münchner Fluglärmkommission eine der wenigen in Deutschland sei, bei denen die Presse dabei sein dürfe. „Das ist absolut transparent“, so Teleki. Auch der Münchner Merkur und seine Heimatzeitungen berichten regelmäßig.

Auf die ketzerische Frage, ob die FLK-Muc nicht eigentlich ein ziemlich zahnloser Tiger ist und keinerlei Einfluss auf den tatsächlichen Flugverkehr über der Region hat, antwortet Purkhardt dennoch eindeutig uneindeutig. Es sei eben „ein Geben und ein Nehmen. Ein Kompromiss.“ Und sie gibt zu Protokoll: „Ich bin immer noch gegen die dritte Startbahn!“

Nach dem Eindruck der Landkreis-Vertreterin „schwebt“ das Thema dritte Startbahn nämlich nach wie vor durch die Sitzungen der Kommission. Die Flughafen-Vertreter würden regelmäßig darauf verweisen, dass sie bereits Millionen in die Planung einer zusätzlichen Startbahn gesteckt hätten. „Sie wollen es nach wie vor“, glaubt Purkhardt daher.

Umso wichtiger sei es, dass der Landkreis Dachau mit den anderen Kommunen in diesem einen Punkt zusammenstehe: „Wir müssen weiter sagen: Wir wollen das nicht!“ Denn bis der Flughafen München wieder seine Zahlen von 2019 beziehungsweise von vor Corona erreiche, sei es nur eine Frage der Zeit.

Die Deutsche Bahn ist nach Ansicht Purkhardts zumindest mittelfristig keine Alternative zum Flugzeug. Als regelmäßige S-Bahn- und Zugfahrerin weiß sie nämlich: „Auf die Deutsche Bahn ist nur Verlass, wenn es um Verspätungen geht.“

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