Fotograf Ludwig Noack macht kostenlos Porträtaufnahmen von Baierbrunnern. Einen Baierbrunner würde er besonders gern vor die Kamera bekommen.
Ein sehr besonderes Projekt läuft gerade in Baierbrunn. Ludwig Noack (46), freier Fotograf und Webdesigner, der in Buchenhain sein Studio hat, hat damit begonnen, Baierbrunner zu fotografieren. Umsonst. Und einfach so. Das Ganze war eine Idee des rührigen Vereins „Mittendrin in Baierbrunn“, der damit einen Beitrag leisten will zu einem „Wir-Gefühl“ im Dorf.
Fotostudio in Garage am Rathaus
Noack hat sich deshalb in einer Garage beim Rathaus provisorisch ein kleines Fotostudio eingerichtet. Mit Hohlkehle und zwei Scheinwerfern. Dort war er schon beim Christkindlmarkt anzutreffen, vielleicht 250 Bilder von 100 Leuten habe er an dem Wochenende im vergangenen Dezember gemacht, sagt er. Manchmal trommelten Protagonisten die ganze Familie zusammen, manche ließen sich allein ablichten. Bürgermeister Patrick Ott (ÜWG) mit Hut, andere mit Schal, wieder andere hatten die Kapuze auf, ein Mädchen machte ein Victory-Zeichen. Noack hat ein Geschick dafür, dass die Menschen, die er in den Blick nimmt, sich entspannen.
500 Porträtaufnahmen sind sein Ziel
Man trifft ihn an einem Mittwoch vor Ort, es ist Markttag in der Gemeinde, einer der Standleute, Steffen Gritze, der Burger verkauft, lässt sich fotografieren. Mit der Grillzange in der Hand, seinem Werbe-T-Shirt. Gritze ist guter Laune, Noack sagt ihm: „Bisschen eindrehen, bitte.“ Dann: „Genau so! Und jetzt noch einmal in die Linse lächeln.“
500 Leute, ist sein Ziel, würde er am Ende gern mit seiner Kamera festgehalten haben. In einem kurzen Moment ihres Lebens, in Baierbrunn. „Dann hätten wir ein Sechstel der Einwohner erwischt.“ Auf die Vereine will er auf jeden Fall zugehen, beim Sonnwendfest an diesem Wochenende oben auf dem Hügel bei der Kirche, will er die Scheinwerfer ebenfalls aufbauen – im Hof zwischen Pfarramt und Gotteshaus. Zum Feuer in der Jahresmitte kommen immer unheimlich viele Besucher.
Menschen jedes Alters kommen vor seine Kamera
Er sagt, manchmal ergeben sich kleine private Momente während des Fotografierens. Protagonisten erzählen ihm dies oder das, Teenager posen, wie das Teenager heute ja gut können. Menschen jedes Alters seien schon in sein provisorisches Zweit-Studio gekommen, auch Kinder hat er abgelichtet – freilich nur mit Erlaubnis der Eltern. Überhaupt, jeder der fotografiert wird, muss bestätigen, dass das Bild verwendet werden darf.
Ausstellungen geplant
Wie genau gezeigt wird, was jetzt übers Jahr an Bildern entsteht, ist noch nicht ganz klar. Sicher kann man die Fotos, alle schwarzweiß übrigens, auf einer Webseite ansehen. Aber es sind auch mehrere Ausstellungen geplant. Einzelne Arbeiten, sagt Noack, könnte man im Feuerwehrhaus zeigen. Verschiedene Portraits, zusammengestellt zu einer Collage, würden sich sicher auch auf den Plakatwänden, die es in Baierbrunn gibt, gut machen. Ludwig Noack überlegt auch, ein Wimmelbild nach Klassenfoto-Manier zusammenzustellen – so wie die Arbeiten, für die der französische Fotokünstler JR bekannt ist.
Harry Kane wäre ein Wunschporträt
Stefan Erbacher, „Mittendrin“-Miterfinder, ist auch in die Garage gekommen. Die beiden überlegen, die Belegschaft im Rathaus vor die Kamera zu bitten. „Ich würde auch unheimlich gern“, sagt der sympathische Fotograf, „Harry Kane fotografieren.“ Der Bayern-Star ist ja schließlich auch Baierbrunner und damit Teil der Dorfgemeinschaft. Infos über nächste Fototermine gibt es online.