„Am Ende wieder auf Level Neubau“: Sanierung des Seniorenheims ist höchst kompliziert – Küche muss raus

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Auch die Großküche musste aufgrund des Unwetterschadens komplett zurückgebaut werden. © sw

Nach den Unwetterschäden muss das Seniorenheim in Höhenkirchen-Siegertsbrunn saniert werden. Die Bauarbeiten sind höchst kompliziert und teuer. Ein Besuch auf der ewigen Baustelle.

Im Foyer des Seniorenzentrums „Wohnen am Schlossanger“ in Höhenkirchen-Siegertsbrunn sitzen die Bewohner gerade gesellig zur „Kreativen Stunde“ zusammen, eine Etage tiefer verputzen Handwerker Wände und verlegen Kabel. In einem der Kellerräume informiert Matthias Röck, Geschäftsführer des auf Großschäden spezialisierten Ingenieurbüros REG GmbH, über den Stand der Sanierungsarbeiten im Untergeschoss des von der Gemeinde betriebenen Alten- und Pflegeheims: Willkommen auf der ewigen Baustelle von Höhenkirchen-Siegertsbrunn!

In dem großen Gebäude an der Bahnhofstraße geben sich seit Jahren die Bauarbeiter die Klinke in die Hand: Erst zog sich der komplizierte Einbau des zweiten Aufzugs, dann lief plötzlich Wasser über das Dach ins Gebäude. Noch bevor im Herbst vergangenen Jahres die umfangreiche Flach-Dachsanierung startete, setzte ein Unwetter mit Sturm, Starkregen und Hagel am Leonhardi-Wochenende das Untergeschoss des Seniorenzentrums völlig unter Wasser.

Experten schlagen Alarm

Betroffen ist auch die benachbarte Sigoho-Marchwart-Schule. Dort können mit Sofortmaßnahmen und der Hilfe einer Fachfirma für Bodentrocknung die Schäden über die Sommerferien beseitigt werden. So geht man anfangs laut Bürgermeisterin Mindy Konwitschny auch beim Alten- und Pflegeheim vor. Doch beim Bohren der Löcher für die Bodentrocknung schlagen die Experten Alarm. Sie befürchten, dass das Wasser hier deutlich höheren Schaden angerichtet hat.

In welchem Ausmaß zeigt sich erst am Jahresende. Umfangreiche Untersuchungen und Beprobungen von Chemikern und anderen Sachverständigen lassen letztlich nur einen Schluss zu: Das komplette Untergeschoss mit einer Grundfläche von rund 2000 Quadratmetern muss zurück in den Zustand des Rohbaus versetzt werden. Denn das Wasser ist unter den Estrich und selbst in Rohrleitungen gedrungen, mehrere Stellen sind verkeimt. Eine ernstzunehmende Gefahr in so einer sensiblen Einrichtung wie einem Altenheim.

Höhenkirchen-Siegertsbrunn: Seniorenheim: So gut wie im Rohbauzustand: So präsentieren sich derzeit noch die Toiletten im Keller des Alten- und Pflegeheims.
So gut wie im Rohbauzustand: So präsentieren sich derzeit noch die Toiletten im Keller des Alten- und Pflegeheims. © sw

Röck spricht von einem Großschaden in Millionenhöhe. „Das ist die höchste Kategorie bei Gebäudeschäden“, betont er. Der Aufwand ist enorm, zumal die Arbeiten bei laufendem Betrieb durchgeführt werden müssen. „Allein die Mengen an Bauschutt waren der Wahnsinn“, sagt Konwitschny. So mussten 280 Tonnen Estrich entsorgt werden, 150 Kubikmeter an Isolierung und Gipsputz. Bis zu 17 Leute wurden für die Demontage und die anschließenden Reinigungsarbeiten eingesetzt, wie Markus Schneider von der Polygon Deutschland GmbH, eine Spezialfirma für Trocknungs- und Sanierungstechnik, erzählt. Gearbeitet wurde mit Ausnahmegenehmigung auch samstags und sonntags, teilweise im Schichtbetrieb.

Selbst die Reinigung und Desinfektion der Räume sind extrem aufwändig. Denn nur wenn im Anschluss der Chemiker keine Keime und Sporen mehr nachweisen kann, können wieder Leitungen, Rohre und Estrich verlegt, Trockenwände eingezogen und die WCs gefliest werden. Dank 3D-Scans kennt man den ursprünglichen Zustand, finden alle ausgelagerten Gegenstände wieder ihren Platz.

Auch Mitglieder des Gemeinderats von Höhenkirchen-Siegertsbrunn haben mit Bürgermeisterin Mindy Konwitschny (l.) und Heimleiter Patrick Kraller-Schlecht die Baustelle im Seniorenzentrum „Wohnen am Schlossanger“ besichtigt.
Mitglieder des Gemeinderats haben erst kürzlich mit Bürgermeisterin Mindy Konwitschny (l.) und Heimleiter Patrick Kraller-Schlecht die Baustelle besichtigt. © sw

Auch wenn die Bewohner des Alten- und Pflegeheims von diesen Arbeiten nur wenig mitbekommen, für die Mitarbeiter im Haus ist es eine große Herausforderung. Das weiß auch Ingenieur Röck, bei dem alle Fäden zusammenlaufen, der die Kommunikation und Zusammenarbeit mit Seniorenzentrum, Gemeinde, der Versicherung und den Handwerkern koordiniert: „Man nimmt dem Betrieb 2000 Quadratmeter Nutzfläche weg. Das betrifft jeden Mitarbeiter und ist für sie eine enorme Belastung.“ Denn für die Pflege der Heimbewohner benötigtes Material, Ersatzbetten, Reinigungsmittel, aber auch Archivordner – alle im Untergeschoss gelagerten Gegenstände mussten ausgelagert werden.

Wir sind schon froh, wenn hier wieder die Normalität einkehrt.

Zudem wurde die Großküche zur Versorgung der Bewohner komplett abgebaut. Seitdem muss das Küchenpersonal unter erschwerten Bedingungen in den kleinen Küchen der Stuben Frühstück, Brotzeit und Abendessen zubereiten. Das Mittagessen wird von einer Cateringfirma geliefert. Anders geht es nicht. „Wir sind schon froh, wenn hier wieder die Normalität einkehrt“, gibt Heimleiter Patrick Kraller-Schlecht unumwunden zu.

Doch bis die Arbeiten komplett abgeschlossen sein werden, werden noch Monate vergehen. Laut Röck soll die Sanierung bis Jahresende abgeschlossen sein. Zwar wird in einigen Bereichen bereits die Dämmung für den Estrich verlegt und Trockenwände neu eingezogen. Doch andere Bereiche wie die Großküche befinden sich noch im Rohbau-Zustand. Kritikern, die lange Sanierungszeit bemängeln, entgegnet er: „Wir sind in Summe eigentlich wahnsinnig schnell.“ Denn jede Entscheidung, jeder Arbeitsschritt müsse mit der Versicherung abgestimmt werden, damit am Ende die schwarze Null steht. Und die Mühe wird sich lohnen, verspricht Röck: „Wir sind am Ende wieder auf Level Neubau.“

Mittagsbetreuung und VHS betroffen

Aufgrund der Sanierungsarbeiten sind sämtliche Räume im Untergeschoss des Seniorenzentrums seit Monaten nicht nutzbar. Das betrifft nicht nur das Alten- und Pflegeheim. Denn im Keller werden laut Bürgermeisterin Mindy Konwitschny auch Räume zur Kinderbetreuung, von der Volkshochschule und Vereinen wie der SpVgg Höhenkirchen genutzt. „Die mussten alle für die Sanierungszeit ein neues Zuhause finden“, erzählt die Rathaus㈠chefin. Weil die Mittagsbetreuung nicht länger ausgelagert werden kann und zum Beginn des neuen Schuljahres die Räume wieder braucht, werden diese als erstes komplett instandgesetzt.

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