Das Penzberger Familienzentrum Arche Noah wird 35 Jahre alt. Am 15. Juni wird gefeiert. Die Rundschau spricht mit der Leiterin über die Anfänge.
Penzberg – Am Anfang war der Leiterwagen. Den gibt es noch immer, nur rollt dieser nicht mehr mit Kindern herum. Vor 35 Jahren passten fast alle Buben und Mädchen der ersten Kindergruppe in das Gefährt. Das wäre heute unvorstellbar. Denn was einst als Kindergruppe mit zehn kleinen Köpfen begann, ist heute ein integratives Familienzentrum.
In 35 Jahren wuchs und wuchs die Vision einer Elterninitiative immer weiter. Mehrmals wurde der Platz zu eng. Nach mehreren Umzügen ist das Familienzentrum Arche Noah inzwischen Im Thal 6 in Penzberg zuhause. Und auch da genügen die räumlichen Kapazitäten eigentlich nicht mehr. An Platz sollte es am 15. Juni, bei der Jubiläumsfeier, dank einem Festzelt aber nicht mangeln.
Feier im Familienzentrum
Am Samstag (15. Juni) feiert das Familienzentrum Arche Noah (Im Thal 6) sein 35-jähriges Bestehen von 14 bis 18 Uhr – und alle Familien sind eingeladen. Gefeiert wird mit kreativen Angeboten wie Filzen und Holzarbeiten, ein Barfußpfad lädt zum Beschreiten ein, es geht auf Schatzsuche und auch einen offiziellen Festakt ist geplant. Zudem wird ein Festzelt vor den Türen der Einrichtung aufgebaut.
Wer das Familienzentrum Arche Noah unterstützen möchte, kann Spenden auf folgendes Konto überweisen: Sparkasse Oberland, IBAN: DE71 7035 1030 0000 3244 00, BIC: BYLADEM1WHM. Weitere Informationen gibt es online unter www.familienzentrum-arche-noah.de.
Kindern Raum geben, damit diese seelisch, körperlich und geistig gesund wachsen können. Raum, in dem sie möglichst viel selber machen und die Welt mit allen Sinnen entdecken können. Raum, in dem sie viel in der Natur sind, denn wer diese lieben lernt, schütze sie auch, sagt Annelies Plep, Geschäftsführerin des Familienzentrums Arche Noah. All das war das Ansinnen einer Elterninitiative um Plep vor 35 Jahren.
Das Penzberger Familienzentrum Arche Noah feiert seinen 35. Geburtstag
1989 habe man eigentlich einen Kindergarten gründen wollen, verrät die Familientherapeutin. Doch das sei damals „ganz schwierig“ gewesen. Also begann man mit einer Kindergruppe, zuhause in der Dachstube und im Garten von Plep, mit Elternabenden im Wohnzimmer.
Ein Jahr später dann der Umzug in einen Nebenraum der Adventgemeinde. Weitere Tapetenwechsel sollten folgen: Fischhaberstraße, Grube, Philippstraße und schließlich Im Thal. „Wir sind immer wieder umgezogen“, erzählt die Familientherapeutin. Denn mit jedem Wachsen wurden die vorhandenen Räumlichkeiten beengter.
Vor 22 Jahren wurde der Kindergarten, „den wir uns von Anfang an gewünscht haben“, gegründet. Heute besuchen rund 40 Kinder die integrative Stätte. Vor 20 Jahren kam die Lernwerkstatt hinzu, vor 15 Jahren die Berufsorientierung. Damit nicht genug: Zahlreiche weitere Angebote hat das Zentrum im Repertoire, darunter eine Koordinationsstelle für Ukrainehilfe und eine Selbsthilfegruppe für seelische Gesundheit.
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Beratungen und Therapien, ob für Einzelpersonen, Paare oder Familien, und Kindergruppen für Buben und Mädchen ab eineinhalb Jahren werden geboten. „Wir fangen ab der Geburt an“, sagt Plep mit Blick auf Angebote wie Babymassagen. Das Zentrum ist aber nicht allein auf Kinder ausgelegt. Die zweite Säule sei die Begleitung von Eltern.
Schon 35 Jahre gibt es in Penzberg das Familienzentrum Arche Noah. Am 15. Juni wird gefeiert
Heute arbeiten 24 qualifizierte Mitarbeiter und viele Ehrenamtliche in dem Familienzentrum. Alle seien mit viel Herzblut dabei. Das Besondere an der Einrichtung, die seit 2021 eine gemeinnützige GmbH ist, sei die Flexibilität und Kreativität. Soll heißen: „Es entsteht ein Bedarf – und dann machen wir was“, erklärt Plep. Man sei immer dabei, sich weiterzuentwickeln, und „wir sind sehr gut vernetzt“.
Arche Noah ist Teil des Familiennetzwerks. Und mit dem Mütterzentrum und dem Seniorenbeirat hat es sich vernetzt, um ältere Generationen einzubinden, etwa als Leih-Omas und Leih-Opas. „Das wollen wir weiter ausbauen“, verrät Plep.
Kindergarten und Einstiegsgruppen werden öffentlich finanziert. Nicht so alle anderen Bereiche. Ein großer Teil der finanziellen Mittel muss über Stiftungen, Partnerschaften und Spenden aufgebracht werden. Mit den Aktivitäten schließe man „Lücken im sozialen Netz“, erklärt Plep. Nicht selten sei das Team dabei in Bereichen tätig, für die es keine öffentliche Regelfinanzierung gebe, trotz gesellschaftlicher Bewandtnis und Dringlichkeit.
Mit einem solchen Wachstum innerhalb von 35 Jahren gerechnet hat Plep nicht. Sie habe einfach etwas für kleine Kinder schaffen wollen. Mehrmals sei sie an einen Punkt angelangt, an dem sie glaubte, dass es nicht weitergehe. Aber „es gingen dann immer irgendwelche Türen auf“, sagt die Leiterin.
Weitere Türen sollten in Zukunft aufgehen, auch im wahrsten Sinne des Wortes. Denn inzwischen ist es am aktuellen Standort schon wieder eng geworden. „Wir machen erstaunlich viel mit wenig Raum“, sagt die Geschäftsführerin. Weitergehen soll es aber auf jeden Fall. Rund 500 Familien würden jährlich in irgendeiner Form Angebote des Hauses in Anspruch nehmen. „Ich denke, Penzberg braucht das Familienzentrum“, meint Plep. Das ständige Wachsen, das ständige Herauswachsen dürfte diese Einschätzung untermauern.
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