Schwimmbad-Sterben in Seefeld: Mittenwald lässt grüßen

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Geballtes Zuschauer-Interesse: Über 500 Zuhörer strömen in das Seefelder Kongresszentrum. © Kathrin Ebenhoch

Geschichte wiederholt sich: Was vor acht Jahren Mittenwald entzweite, droht nun auch im Tiroler Nachbarort Seefeld. Und das alles wegen des defizitären Schwimmbads.

Seefeld/Mittenwald – Als in Mittenwald im September 2015 das Schicksal des Karwendelbads besiegelt wurde, galten die Tiroler Nachbarn Seefeld und Leutasch als Paradebeispiel, wie man solche Freizeitanlagen ordentlich führt und erhält. Gut acht Jahre später taugt nur mehr das Alpenbad Leutasch als Vorbild. Denn dem Seefelder Olympiabad droht das Aus.

Die Beteiligungs-und-Infrastrukur-GmbH Seefeld (BIG) hatte unlängst in einer internen Sitzung entschieden, Ende März das Wasser dort abzulassen. Was die Emotionen ähnlich hochkochen lässt wie seinerzeit in Mittenwald. Bestes Indiz dafür: eine denkwürdige Bürgerversammlung, zu der über 500 Einheimische ins Sport- und Kongresszentrum strömten. Eine weitere Parallele zum bayerischen Nachbarort: Viele machten dabei deutlich, dass sie keineswegs hinter dem Plan von Interimsbürgermeister Andreas Steiner stehen.

Das Forum war einberufen worden, um den Gerüchten, die seit dem BIG-Beschluss kursierten, entgegenzutreten und über den Gemeindehaushalt aufzuklären. Doch die Probleme und Zahlen, die Andreas Steiner, der seit Markus Wackerles Rücktritt als Bürgermeister die Geschäfte führt, dürften den wenigsten wirklich neu gewesen sein. Der Jahreshaushalt, der grundsätzlich mit einem Plus von knapp zwei Millionen schließen würde, präsentiert sich aufgrund der Kreditrückzahlungen und operativen Abgänge der WM-Sportanlagen und des SKZ, kurz des Schwimmbads, mit satten zwei Millionen Euro Minus. Zudem besteht ein nicht geringer Investitionsbedarf.

Nur noch Ruine: das Karwendelbad Mittenwald
Irgendwann nur mehr ein Trümmerfeld: Das Mittenwalder Karwendelbad. © Josef Hornsteiner

Für Steiner liegt die Entscheidung daher auf der Hand: „Ich bin gegen den Erhalt des Schwimmbads, denn die Gemeinde muss sich auf ihre ureigenen Aufgaben konzentrieren. Kinderbetreuung und Altenpflege dürfen nicht hinten anstehen.“ Unterstützung hatte sich der Übergangs-Rathauschef von Magnus Gratl, dem Zuständigen für Gemeindeangelegenheiten im Landeshauptmannsbüro, geholt. „Seefelds Problem ist kein Unikum, das ganze Land hat ein Bäderproblem.“ Die operativen Abgänge von knapp einer Million sowie der Investitionsbedarf von wenigstens 10 Millionen seien landauf landab ähnlich.

Nur ein Bad am Plateau ist rentabel zu führen.

Aktuell läuft in Österreich eine landesweite Bäderstudie. Und man muss kein Prophet sein, um zu wissen, dass diese zum selben Ergebnis kommen wird wie jene von 2006: „Nur ein Bad am Plateau ist rentabel zu führen“, betonte Gratl. „Eines müsse schließen.“ Und nach aktuellem Stand – die Leutascher Anlage ist soweit zukunftsfit, das Seefelder hat Sanierungsbedarf – würde Gratl, „salopp gesagt“, Seefeld die Schließung empfehlen. „Die Gemeinde ist finanzstark, aber kann sich eben auch nicht alles leisten.“

Diese Aussage wollte – Mittenwald lässt grüßen – die Bevölkerung nicht so einfach schlucken. Zum einen hängen viele emotional an dem rund 50 Jahre alten Schwimmbad. „Es war immer unser Stolz“, sagt Zuhörer Walter Lohmann. Zum anderen beschäftigen viele ganz pragmatische Fragen: Wohin schicken wir als kleinere Betriebe ohne Schwimmbad unserer Gäste? Was passiert mit dem Gebäude, wird es zu einer Ruine wie manch altes Sterne-Hotel im Ort?

Diese Sorge teilt auch der Tourismusverband, ist die Gegend um Schwimmbad und Seekirchl doch eine der am meist fotografierten. „Touristisches Gold“, wie es Gemeinderätin Dr. Birgit Weihs-Dopfer nennt. „Zudem ist jeder Wegfall einer touristischen Infrastruktur ein Problem für die Region“, gibt Elias Walser, Geschäftsführer vom Tourismusverband (TVB), zu bedenken.

Steiner hatte in seinem Vortrag mehrmals auf den TVB verwiesen, und die Frage aufgeworfen, ob einiges denn nicht eigentlich in dessen Aufgabenbereich falle. Walser stellte hier klar, dass der Verband aktuell bereits beide Bäder auf 20 Jahre unterstütze; das Seefelder mit 245 000 Euro pro Jahr. Er signalisierte zudem die Bereitschaft, an einer Lösung mitzuarbeiten, die sich allerdings innerhalb der vom Land vorgegeben Zuständigkeiten befinden und von den Mitgliedern mitgetragen werden müsse.

Das könnte nicht ganz einfach werden. Denn der Leutascher Bürgermeister Georgios Chrysochoidis erteilte dem Vorschlag einiger Bürger, mit einer Erhöhung der Tourismusabgabe das Seefelder Schwimmbad mitzufinanzieren, sofort eine Absage. „Wenn dann nur, wenn auch Leutasch seinen Anteil erhält. Denn wir zahlen keine Strafe dafür, dass wir unserer Hausaufgaben gemacht haben.“ Mit den Hausaufgaben spielt Chrysochoidis auf den unglücklichen, internationalen Fremdfinanzierungskredit an, den beide Bäder einst aufgenommen hatten. Leutasch reagierte vor einigen Jahren und wird nun 2028 ohne Schulden aus dem Schwimmbadbau von 2007 herausgehen. Seefeld hingegen zahlt aktuell jährlich eine Million, wird aber 2033, wenn der Kredit ausläuft, immer noch circa auf neun Millionen sitzen bleiben.

Auch hier hakte die Kritik der Bevölkerung ein. Der Schnellschuss Schließung reduziere nur einen Teil der Kosten. „Wir zahlen dann weiter für etwas, dass wir nicht einmal mehr haben.“ Auf diesen Vorwurf gingen die Amtsinhaber nie konkret ein. Fakt ist, dass die Kosten dieses internationalen Kredits seit Jahren bekannt sind und auch in der vergangenen zwei Jahren gestiegen sind. Geändert wurde aber nichts.

Dazu passt wohl die Aussage von Gemeinderat Christian Raunigger, der offen zugab: „Gespart haben wir bisher nicht. Das Größte, was wir als Gemeinderat in den vergangenen zwei Jahren erreicht haben, ist wohl diese Versammlung.“ Diese Hilflosigkeit unterstrichen auch die Aussagen auf die im Laufe der Versammlung immer schärfer werdende Kritik.

In Mittenwald hat die Schließung des Karwendelbads einem Bürgermeister das Amt gekostet. In Seefeld wäre man angesichts der dunkelschwarzen Wolken schon froh, wenn man demnächst überhaupt wieder einen hätte. Kathrin Ebenhoch

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