CEO telefoniert mit über 600 Arbeitnehmern – und findet heraus, was Firma falsch machte

Nicholas Svensson, Chef des kanadischen Unternehmens Smart Technologies, begann während der Corona-Pandemie, alle mehr als 600 Beschäftigten persönlich anzurufen. Aus Neugier, was sie denken, belastet und motiviert, entwickelte sich ein weltweites Stimmungsbild aus 27 Ländern. 

Die Gespräche liefern ihm Eindrücke, wie Mitarbeitende Wirtschaftslage und Arbeitsalltag erleben und wo Prozesse funktionieren oder scheitern. Svensson erklärt gegenüber dem "Business Insider", dass er die Anrufe auch nutzt, um Wertschätzung auszudrücken und auf konkrete Projekte einzugehen – mit dem Nebeneffekt, dass viele erwarten, er kenne ihren Namen.

Wenn Kommunikation nicht ankommt

Bei Rückfragen nach großen Mitarbeiterversammlungen merkte der CEO, dass viele sich kaum an Inhalte erinnerten. Für ihn war das ein Hinweis, dass die aufwendigen Townhalls "fast keinen Effekt" hatten; die Treffen wurden von monatlich auf quartalsweise reduziert und das Unternehmen stärker auf Zuhören statt nur auf Senden ausgerichtet.

Gleichzeitig wurde klar, wie entscheidend Rückmeldungen für Engagement sind. Eine strategische Mittelumschichtung, die auf Zahlenbasis sinnvoll schien, erwies sich laut Belegschaft als Fehler, weil Bereiche "gerade die Kurve kriegten". Svensson räumte das öffentlich ein und korrigierte die Entscheidung.

Feedback aus persönlichen Gesprächen führt dazu, dass der CEO Kommunikationsformate ändert und Fehlentscheidungen im Unternehmen zurücknimmt. (Symbolfoto)
Feedback aus persönlichen Gesprächen führt dazu, dass der CEO Kommunikationsformate ändert und Fehlentscheidungen im Unternehmen zurücknimmt. (Symbolfoto) Imago Images

Konkrete Änderungen durch direktes Feedback

Laut dem "Business Insider" haben sich die Anrufe zu einem festen Bestandteil seiner Arbeit entwickelt, etwa zehn Prozent seiner Zeit fließen in rund 30-minütige Gespräche. Svensson beschreibt sie als eine Art internes Audit, das ihm ein klares Gespür für die Lage im Unternehmen gibt – und mit dem er Aussagen von Führungskräften gezielt gegenprüfen kann.

Fakten zum CEO

  • Definition: CEO steht für Chief Executive Officer und bezeichnet die höchste Führungskraft eines Unternehmens. Der CEO trägt die Gesamtverantwortung für Strategie, operative Leitung und Außendarstellung; in Deutschland entspricht die Rolle oft dem Geschäftsführer oder Vorstandsvorsitzenden.
  • Aufgaben: Der CEO entwickelt die Unternehmensvision, trifft strategische Entscheidungen, leitet das Management-Team und repräsentiert das Unternehmen gegenüber Investoren, Medien und Öffentlichkeit. Er berichtet meist an den Aufsichtsrat oder Board of Directors.
  • Ursprung des Begriffs: Der Ausdruck "Chief Executive Officer" tauchte erstmals 1782 in den USA auf und wurde im 20. Jahrhundert in Australien (1914) als Abkürzung populär. Heute ist er international Standard für die Top-Position in Konzernen.
  • C-Level-Hierarchie: Der CEO steht über anderen Chief Officers wie CFO (Finanzen), COO (Operatives), CIO (IT) oder CMO (Marketing). Er ist der alleinige Entscheidungsträger an der Spitze.