So ging das früher: Ein weiteres Highlight im 1275. Deanga Jubiläumsjahr war die historische Kartoffel- und Getreideernte in Oberding. 4000 Besucher kamen vorbei.
Wie früher ohne große Maschinen Kartoffeln und Getreide geerntet wurde, wissen heute nur noch wenige. Mit alten Geräten, Viehkraft und Handarbeit gewährten die Ober- und Niederdinger anlässlich ihres 1275. Jubiläums einen Blick in die historische Ernte, beginnend im Jahr 1900. Zahlreiche Schaulustige versammelten sich rundherum am Feld unweit des Oberdinger Seniorenzentrums, um einen Blick erhaschen zu können. Auch die kleinen Zuschauer waren begeistert von Tieren und Maschinen – und schnappten sich übrige Kartoffeln.
1930 weichen Ochsen den Traktoren
Von 1900 bis 1930 wurden die Kartoffeln mit einem Pferdegespann gerodet und auf einen Holzleiterwagen aufgeladen. Das Einsammeln der Erdäpfel übernahmen die Klauberinnen mit ihren Kindern. Dabei mussten sie schnell die Ernte auf den Anhänger befördern. Ochsen zogen den Wagen, bis sie ab 1930 den Traktoren wichen.
Mit seinem 19er Eicher fuhr der Oberdinger Robert Lechner den Acker entlang, damit die Klauberinnen die Ernte auf den Anhänger befördern konnten. Mit einem alten Siebkettenroder waren zuvor die Kartoffeln aus der Erde befördert worden.
Landwirt Andreas Rötzer aus Notzingermoos erklärte seinen Kartoffelvollernter Hassia, der ab 1960 für die Ernte benutzt wurde: Gezogen von einem 16er Eicher, befördere die Maschine die Ernte über ein Rohrband nach oben, hinein in den Bunker. Das funktioniere mit einer Scharre, die in den Boden fahre. Die gesammelten Kartoffeln würden in den Anhänger abgeladen.
Je fünf Landwirte aus Ober- und Niederding hatten sich zusammengeschlossen, um das historische Fest zu organisieren, berichtete Vize-Bürgermeister Anton Nußrainer. Jeder habe daheim alte Geräte aufgetrieben und zur Verfügung gestellt. Wie die Ernte früher lief, hatten sich die Landwirte selbst zusammengetragen, meist mit Unterstützung der Großeltern. Mehr als ein Jahr Planung mit vielen Arbeitsstunden habe man gebraucht, erklärte Georg Stemmer. „Zwischen den beiden Ortschaften besteht eine tolle Zusammenarbeit“, betonte der Niederdinger Landwirt und Gemeinderat. Rund 4000 Besucher seien gekommen.
Dreschschlegel und Mähbinder
Ein Stück weiter am Feld zeigten Landwirte, wie von 1900 bis 1920 mit einer Sense gemäht wurde. Da kannte sich auch Landwirt Florian Maier aus Niederding aus. Die trockene, gebundene Ernte wurde ihm zufolge auf Holzleiterwagen mit einem Pferdegespann aufgeladen, danach aus der Ähre das Korn mit einem Dreschschlegel gedroschen. Im Anschluss reinigten die Landwirte das Getreide mit der Windmühle. Maier erzählte, dass er sich das Wissen von seinem Opa angeeignet habe.
Von 1930 bis 1955 kam ein Mähbinder zum Einsatz. Dreschen musste nicht mehr per Hand erledigt werden, sondern es gab eine Dreschmaschine. Dabei machte die Trommel alles klein, das Sieb trennte Korn und Weizen. Das Stroh blieb übrig. Im Anschluss präsentierten die Landwirte den Erntevorgang von 1955 bis 1980 – gezogene und alte, selbst fahrende Mähdrescher inklusive.
Während weiter Kartoffeln geerntet wurden, machten sich fleißige Helfer ans Sortieren und Dämpfen. Mit einer Sortiermaschine aus dem 19. Jahrhundert schleuderte Pius Viechter die Kartoffeln im Gitter umher, sodass sich der gröbste Dreck löste. Daneben stand eine Sortiermaschine von 1923, die bereits die Kartoffeln selbst schüttelte und vom Dreck befreite. Die Feldfrüchte wurden sogleich verpackt und kostenlos an die Besucher verteilt. „Eine super Ernte. Nur schöne und große Kartoffeln, das ist wirklich ein goldenes Jahr“, lautete Viechters Urteil.
230 Laib Brot aus dem Steinofen
Daneben lockten Köstlichkeiten von der Knolle. Die Bäuerinnen boten zudem Schmalzgebäck an, auch Gegrilltes und Käseraclette sorgten für lange Schlangen. Brotbäckerin Alexandra Lex aus Oberding bot 230 Laib Steinofenbrot an, gebacken am Vortag. Am Festtag selbst sorgte sie für ofenfrische Semmeln. Sie verwende lediglich Biomehl und selbst angesetzten Sauerteig. „Natürlich und handgemacht“, sagte Lex stolz. Der Erlös geht an wohltätige Zwecke.