„Baudenkmäler prägen unsere Heimat“

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Eines seiner Herzensprojekte: Kreisbaumeister Christian Boiger beim Richtfest des Forsthauses Valepp. © Thomas Plettenberg

Die Liste der Baudenkmäler im Landkreis Miesbach ist lang, ihre Vielfalt groß. Warum die schmucken Bauten nicht nur optisch erhalten, sondern auch genutzt und somit lebendig gehalten werden sollten, erklärt Kreisbaumeister Christian Boiger (53) im Interview.

Herr Boiger, das Forsthaus Valepp und der Gasthof Zur Post in Bad Wiessee sind Baudenkmäler, die zuletzt durch ihre Sanierungen ins Licht der Öffentlichkeit gerückt sind. Aber das Landkreis hat noch viel mehr zu bieten, oder?

Das ist richtig. Wir haben im Landkreis Miesbach eine Denkmallandschaft, die Baudenkmäler in allen Nutzungsarten, in allen Lagen und in allen Gemeinden zu bieten hat: von der kleinen Kapelle über alte Bauernhäuser und Troadkästen bis hin zu Leuchttürmen wie großen Gaststätten oder sakralen Bauten. Das prägt das Bild unserer Heimat, und darauf können wir stolz sein.

Welche Baudenkmäler liegen Ihnen persönlich besonders am Herzen?

Mir liegt die gesamte Denkmallandschaft mit ihrer ganz eigenen Haustypologie am Herzen. Aber es gibt einige Objekte, die ich sehr intensiv betreut habe. Das Forsthaus Valepp ist so ein Beispiel. Gerade angesichts der kontroversen Diskussion war es mir ein großes Anliegen, dass das Gebäude ein Forst- und Gasthaus bleibt und nicht eine völlig untypische Nutzung bekommt.

Aber es gibt ja sicher noch andere Kleinode, die nicht so bekannt sind.

Natürlich. Wir haben beispielsweise kleine Troadkästen, die aus dem 16. Jahrhundert stammen. Überhaupt gibt es einige nichtsakrale Bauten die in der Zeit vor dem Dreißigjährigem Krieg entstanden sind. Darauf legen wir ein besonders Augenmerk – und es macht Freude, solche Objekte zu begleiten. In der Regel sind auch die Eigentümer stolz darauf.

Sie sprechen es an: Es gibt viele private Anwesen unter den Denkmälern. Was bedeutet es für die Eigentümer, in einem solch geschützten Gebäude zu leben?

Zunächst einmal ist es ein Privileg. Ich denke, für die meisten Eigentümer ist es ein gutes Gefühl, in einem Haus zu leben, das vor Jahrhunderten Generationen gebaut und gepflegt haben. Es gibt ein öffentliches Interesse am Erhalt solcher Bauwerke, im Gegenzug haben die Eigentümer laut Denkmalschutzgesetz bei geplanten Maßnahmen steuerliche Vorteile. Dazu versuchen wir auch, Fördergelder zu vermitteln. Das kann durchaus erklecklich sein. Für den Eigentümer bedeutet das Beantragen zwar einen gewissen bürokratischen Aufwand, am Ende ist es aber erwartbar, dass es eine Unterstützung gibt.

Das klingt erstmal gut. Allerdings gibt es für Eigentümer von Denkmälern auch Einschränkungen und Auflagen, wenn sie eine Maßnahme planen.

Es ist ja so, dass auch bei Nicht-Denkmälern die Bauherren nicht alles machen dürfen. Es gibt Bauordnungen, Vorschriften und Gesetze, die das Bauen regeln. Ein Teil davon ist eben auch das Bayerische Denkmalschutzgesetz. Mein klares Ziel ist es aber, die Denkmäler lebendig zu halten und in ihrer Geschichte fortzuschreiben – wir wollen keine Käseglocke darüber stülpen.

Man darf also zum Beispiel auch eine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach montieren?

Ganz klar: Denkmalschutz und Nachhaltigkeit sollen sich nicht ausschließen. Wir haben Denkmäler bei uns, die bereits eine PV-Anlage haben. Dafür gibt es ein paar wenige, recht einfache Regeln. So sind zum Beispiel keine vieleckigen, sondern nur rechteckige Flächen gewünscht, und die Flächen dürfen nicht unterbrochen sind. Diese Regeln sind aber problemlos anzuwenden.

Bekommen Sie es oft mit Vorbehalten seitens der Eigentümer zu tun?

Es gibt schon Vorbehalte und Klischees. Die versuche ich nach Kräften auszuräumen. Wir haben im Landkreis 17 Gemeinden, mein Ziel ist es, zu jedem Objekt rauszufahren und die Eigentümer als Denkmalschützer, aber auch als Architekt zu beraten und aufzuzeigen, was machbar ist. Es gibt immer einen gangbaren Weg.

Was sind die häufigsten Anliegen der Eigentümer?

Oft geht es um die Frage, ob sie ihr Dachgeschoss oder ihren Speicher ausbauen dürfen. In aller Regel dürfen sie das. Dann gibt es Fälle, in denen die Eigentümer ihre Fenster austauschen oder eine Zentralheizung einbauen möchten. Normalerweise gibt es in Wohndenkmälern immer Lösungen für solche Anliegen.

Gibt es im Landkreis auch Denkmalschutz-Objekte, die Ihnen Sorge bereiten, weil sich nicht darum gekümmert wird und sie daher in keinem guten Zustand sind?

Wir haben das Glück, dass wir mit unserem Landkreis zwischen München und den Bergen eine sehr attraktive Gegend darstellen. Daher finden sich meist Bauherren und auch Investoren, die leer stehende Denkmäler erwerben und wiederbeleben. Es gibt andere Regierungsbezirke in Bayern, wo dies weniger der Fall ist und Baudenkmäler nicht diese Aufmerksamkeit bekommen. Bei uns gibt es nur wenige Sorgenkinder, und die kenne ich ganz genau. Ich versuche dann, darauf hinzuwirken, dass der Leerstand durch eine belebte Nutzung ersetzt wird. Nutzungsänderungen sind ja nicht ausgeschlossen. Ein gutes Beispiel dafür ist das ehemalige Schulhaus in Miesbach. Das ist ist zum Kindergarten geworden, obwohl es zunächst hieß: Das geht nicht. Es ging aber doch.

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