Rätselhafte Invasion in Südtirol: Bunte Tiere trotzen der eisigen Kälte

  1. Startseite
  2. Welt

Kommentare

Exotische Halsbandsittiche erobern Bozen: Hunderte grüne Papageien trotzen dem Alpenwinter und verdrängen heimische Vogelarten aus der Stadt.

Bozen – Knallgrüne Flügel flattern durch die eisige Winterluft, schrille Rufe hallen zwischen den verschneiten Dächern wider: Was wie eine Szene aus einem Tropenfilm wirkt, ist längst Alltag in Bozen geworden. Hunderte Halsbandsittiche haben sich in der Südtiroler Landeshauptstadt niedergelassen und trotzen erfolgreich den alpinen Temperaturen.

Halsbandsittiche
Knallgrüne Vögel flattern durch Bozens verschneite Straßen und sorgen für tropisches Flair. (Symbolbild) © IMAGO/imageBROKER/Erhard Nerger

Die Geschichte beginnt Anfang der 2000er Jahre, berichtet Corriere, als die ersten Exemplare gesichtet wurden. 2012 sprach man noch von wenigen Dutzend Tieren, heute sind es etwa hundert Halsbandsittiche, die hauptsächlich entlang der Etsch zwischen Via Genova, Via Torino und den südlichen Stadtvierteln leben. Auch in deutschen Städten breiten sich Halsbandsittiche aus.

Grüne Eroberer im Schneeparadies: Wie exotische Papageien Südtirol kolonisieren

Der Ornithologe Roberto Maistri erklärt gegenüber bznews24 die wahrscheinlichste Entstehung der Kolonie: „Die wahrscheinlichste Erklärung ist, dass sie als exotische Art regulär gekauft wurden und die Besitzer begannen, ihnen zu vertrauen und den Käfig offen zu lassen.“ Einige der Vögel kehrten schlicht nicht mehr zurück und fanden draußen bessere Lebensbedingungen.

Entgegen aller Erwartungen haben die ursprünglich aus Afrika und Asien stammenden Vögel die Südtiroler Winter problemlos überstanden. Sie sind kälteresistent, werden bis zu 30 Jahre alt und haben sich perfekt an die städtische Umgebung angepasst. Die Tierärztin Federica Ardizzone von der Klinik Südtirol Exotica Vets korrigiert einen weitverbreiteten Irrtum: „Die in Bozen lebenden sind Halsbandsittiche, und es ist ein Fehler zu denken, dass sie in Wäldern mit besonders warmem Klima leben“, erklärt sie altoadige.it.

Invasion Südtirol: Bunte Vögel erobern Bozen trotz Alpenwinter

Die Vögel nisten in natürlichen und künstlichen Höhlen: in Baumstämmen, unter Dächern, in Mauerrissen und sogar in technischen Strukturen. Ein Nest wurde sogar in einem Ampelkasten in der Drususstraße entdeckt. Die Weibchen legen zwischen zwei und sechs Eier, und die Jungvögel versuchen ihre ersten Flüge im Alter von sechs bis sieben Wochen. Die Männchen sind an ihrem ausgeprägteren Halsband und einem dünnen schwarzen Band am Hals erkennbar.

Luigi Spagnolli, Direktor des Amtes für Jagd und Fischerei der Provinz Bozen, sieht die Lage entspannt: „Da sie in einer sehr künstlichen Umgebung wie der Stadt leben, schaffen sie keine besonderen Probleme“, sagt er bznews24. Anders sieht es Tierärztin Ardizzone: „Spechte und Sperlingsvögel sieht man immer weniger, weil die Anwesenheit der Papageien ihre ökologische Nische eingeschränkt und ihnen die Baumhöhlen für die Nester weggenommen hat“, erklärt sie die Verdrängung heimischer Arten durch die invasiven Vögel. Südtirol hat nicht nur mit Papageien zu kämpfen: Südamerikanische Nager haben sich zur Plage entwickelt.

Die Einschätzung der tatsächlichen Anzahl wird durch das Verhalten der Tiere erschwert. Ornithologe Maistri warnt bei Corriere: „Die Wahrnehmung ist oft durch ihr stimmliches Verhalten verzerrt: wenige Individuen können viel mehr erscheinen.“ Die lauten Rufe der Vögel lassen zehn Tiere wie fünfzig erscheinen. (Quellen: Corriere.it, bznews24.it, altoadige.it) (kiba)

Информация на этой странице взята из источника: https://www.merkur.de/welt/raetselhafte-invasion-in-suedtirol-bunte-tiere-trotzen-der-eisigen-kaelte-94119948.html