Deutsche Gäste meiden Südtirols Hütten – internationale Wanderer füllen die Lücken. Hüttenwirte kämpfen mit Personalmangel und schwachem Tagesgeschäft.
Bozen – Auf 1.700 Metern Höhe, wo der Rosengarten majestätisch in den Himmel ragt, herrscht am Schutzhaus Tschafon noch immer reger Betrieb. Doch Georg Lunger, der Hüttenwirt dieser traditionsreichen Bergunterkunft, blickt mit gemischten Gefühlen auf die vergangene Sommersaison zurück. „Der deutsche Gast ist weniger geworden“, erklärt er bei RaiNews. Dafür kämen jetzt mehr internationale Gäste, fasst Lunger die Veränderungen zusammen.
Während die Übernachtungszahlen auf den Südtiroler Schutzhütten zufriedenstellend ausfielen, kämpften die Betreiber mit einem verhaltenen Tagesgeschäft, heißt es in dem italienischen Medium. Nicht nur Touristen, auch Einheimische hätten sich beim Konsum deutlich zurückgehalten – mutmaßlich eine Folge der gestiegenen Preise. Ein anderer Hüttenwirt hatte sich hingegen über zu hohen Andrang beschwert.
Offizielle Statistiken zeigen den Rückgang der Übernachtungen
Diese Entwicklung bestätigen auch offizielle Tourismusstatistiken: Im August 2025 verzeichnete Südtirol einen Rückgang von 3,1 Prozent bei den Ankünften und 1,9 Prozent bei den Übernachtungen. Besonders dramatisch zeigt sich der Trend bei den deutschen Gästen. Nach Angaben der Südtiroler Wirtschaftszeitung gingen deren Übernachtungen bereits im Juli um 10,4 Prozent zurück. Trotzdem bleiben Deutsche mit 38,1 Prozent aller Übernachtungen der wichtigste Herkunftsmarkt.
Ein strukturelles Problem bereitet den Hüttenbetreibern besondere Sorgen: der Mangel an qualifiziertem Personal. Die Mitarbeitersuche bleibe eine der größten Herausforderungen, betont Lunger gegenüber RaiNews. Er sitzt auch im Ausschuss der Fachgruppe „Schutzhütten“ des Hoteliers- und Gastwirteverbands (HGV). Die Betreiber versuchen, mit finanziellen Anreizen und geregelten Arbeitszeiten zu locken – dennoch bleibt die Personalsuche schwierig.
Betreiber wollen mit ungewöhnlichen Mitteln gegen Absagen vorgehen
Einen pragmatischen Weg haben viele Hüttenbetreiber beim Thema Mehrfachbuchungen eingeschlagen. Um kurzfristige Absagen zu vermeiden, verlangen immer mehr Schutzhütten eine Anzahlung – am Tschafon sind es 30 Euro. Das sei ein gewisser Mehraufwand, bringe aber Planungssicherheit, erklärt Lunger laut dem Bericht die bewährte Regelung.
Trotz aller Herausforderungen zeigt sich ein positiver Trend: Laut Alpenverein Südtirol waren viele Hütten im Sommer nahezu durchgehend ausgebucht – vor allem bei Mehrtagestouren oder anspruchsvollen Gipfelbesteigungen. Die HGV-Fachgruppe „Schutzhütten“ mit ihren knapp 60 Mitgliedern verzeichnete insgesamt eine zufriedenstellende Saison bei den Übernachtungen. (Quellen: RaiNews, Landesinstitut für Statistik ASTAT, HGV, Alpenverein Südtirol, Südtiroler Wirtschaftszeitung) (rd)