Vesperkirche Memmingen regt mit einem Poverty Slam zum Nachdenken an

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Theresa Hanisch aus Schwabach gewann den Poverty Slam – einen Poetry Slam zum Thema Armut – Mitte März in der Memminger Christuskirche im Rahmen der Vesperkirche 2025. © S.-I. Gunderlach

Ab wann gilt man in Deutschland als arm (bzw. „armutsgefährdet“)? Diese Frage ist zahlentechnisch exakt festgelegt: Wenn man weniger als 60 Prozent des mittleren Durchschnittseinkommens in der Bundesrepublik zur Verfügung hat.

Memmingen - Bei einer alleinlebenden Person war das 2024 der Fall, wenn das monatliche Nettoeinkommen geringer als 1.378 Euro war. Eine Familie mit zwei Kindern unter 14 Jahren war 2024 statistisch gesehen armutsgefährdet, wenn deren Nettohaushaltseinkommen unter 2.893 Euro lag (Quelle: Statistisches Bundesamt). Solche Zahlen und Rahmen sind für eine Einordnung wichtig. Dank dieser klaren Festlegungen lässt sich sagen, dass 2024 insgesamt 15,5 Prozent der Bevölkerung in Deutschland armutsgefährdet waren.

Wichtiges Thema bei Poverty Slam im Rahmen der Memminger Vesperkirche behandelt

Allerdings sagen diese Zahlen gleichzeitig nichts aus. Denn zum einen lässt sich streiten, ob zum Beispiel eine alleinlebende Person, die 2024 1.400 Euro netto pro Monat Einkommen hatte, nicht armutsgefährdet war. Und zum anderen zeigen Statistiken nicht die tatsächlichen Lebensbedingungen der Menschen. 15,5 Prozent der Bevölkerung – das waren 2024 circa 13 Millionen Menschen (Quelle: Statistische Bundesamt). Wie erleben sie „Armutsgefährdung“ in ihrem Alltag? Welche Folgen hat sie für ihre Rolle in der Gesellschaft?

Antworten auf diese Fragen will die Diakonie Bayern sowie die evangelisch-lutherische Landeskirche in Bayern mit ihren Poverty Slams geben. Mitte März war die Reihe im Rahmen der Initiative „Mut gegen Armut“ in der Memminger Vesperkirche zu Gast.

Poetry Slam bei der Vesperkirche Memmingen gegen Armut

Wie der Name bereits andeutet, handelt es sich um eine Form des Poetry Slams – ein literarischer Wettbewerb, bei dem Künstlerinnen und Künstler selbstverfasste Texte vortragen. Das Publikum kürt im Anschluss die Gewinnerin oder den Gewinner. Beim Poverty Slam geht es in den Texten um Armut, Reichtum, (soziale) Gerechtigkeit etc. (ableitend vom englischen Wort „poverty“, das übersetzt „Armut“ bedeutet).

In Memmingen nahmen fünf Künstlerinnen und Künstler an dem Wettbewerb vor rund 80 Gästen in der Christuskirche teil. In der ersten Runde trugen sie nacheinander ihre persönlichen Erfahrungen und Gedanken zu Armut vor. Slamerin Anke Heinroth aus Immenstadt hatte beispielsweise ihre Eindrücke aus der Arbeit in der Flüchtlingshilfe im Text „Hey Du“ verarbeitet. Janina Weiß aus Münsterhausen ging in ihrem Text „Respekt“ darauf ein, dass viele Menschen Respekt als eine Sache von Status und Brieftasche sehen – auf den Punkt gebracht mit dem Satz: „Haste nix, dann biste nix.“

Spannendes Finale beim Poverty Slam im Rahmen der Vesperkirche Memmingen

Drei Slamerinnen und Slamer schafften es ins Finale. Hier stellte jeder einen zweiten Text vor, diesmal in der Themenwahl völlig frei. Zur Siegerin kürte das Publikum mit dem lautesten Applaus Theresa Hanisch aus Schwabach. Nachdem sie in ihrem ersten Text „Manchmal komme ich so ins Grübeln“ den schweren Alltag einer alleinerziehenden Mutter mit drei Kindern beschrieb, ging ihr Finaltext um das Thema Liebe und die Frage, was das eigentlich ist. Mit dem schönen und positiven Text schaffte die junge Künstlerin es, das Publikum trotz des schwierigen Themas am Ende zum Schmunzeln zu bringen und gestaltete einen schönen und angemessenen Abschluss für den Abend.

Die Memminger Vesperkirche ging vom 16. bis 30. März. Unter dem Motto „Frei.Raum.Leben.“ bot sie in der Christuskirche zwei Wochen eine Begegnungsstätte sowie einen Ort für den kulturellen Austausch und zum gemeinsamen Essen.

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