Schnäppchenjäger: Deutsches Nachbarland rüstet Ukraine gegen Putins Shahed-Drohnen auf

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Kleiner Kampfjet, große Hoffnung. Russlands Drohnen-Armada schrumpft stark und bekommt auch einen neuen Gegner – aber ist das eine geeignete Waffe?

Prag – „Die Tschechische Republik kann in relativ kurzer Zeit mehrere mittlere Kampfflugzeuge bereitstellen, die im Kampf gegen Drohnen sehr effektiv sind, und ich glaube, dass es uns gelingen wird, dieses Problem schnell und erfolgreich zu lösen“, zitiert Reuters Petr Pavel – die Nachrichtenagentur berichtet, dass der Präsident des NATO-Landes die Ukraine weiter aufmunitionieren wolle: gegen Wladimir Putins Shahed-Drohnen. Pavel schürt Hoffnung – auch weil Putin seine Drohnen auszugehen drohen. Scheinbar hat es sich für ihn demnächst „ausgeschwärmt“.

Eine L-159 des Irak auf dem Rollfeld.
Der kommende Drohnenkiller? Eine L-159 des Irak im September 2025. Die Tschechische Republik will jetzt Maschinen dieses Typs in die Ukraine transferieren; als mittlere Kampfjets gegen Putins Drohnenschwärme. © Ahmad Al-Rubaye/ AFP

Allerdings ist die Ukraine über das Versuchsstadium gegen Russlands Drohnen-Armada kaum hinausgekommen. Der Aggressor verfolgt weiterhin das Prinzip Masse statt Klasse, um die Luftverteidigung der Ukraine zu erschöpfen. Wissenschaftler fordern seit Beginn des Drohnenkrieges einen Mix aus verschiedenen Waffen, die vor allem eines zu bieten haben sollen: den Schnäppchenpreis. „Der intensive Einsatz dieser kostengünstigen Drohnen unterstreicht die Notwendigkeit, die Ukraine bei der Entwicklung weiterer kostengünstiger Gegenmaßnahmen zu unterstützen, die die Wirksamkeit der russischen Vergeltungskampagne einschränken“, schreiben Benjamin Jensen und Yasir Atalan. In ihrer Studie für den US-Thinktank Center for Strategic and International Studies (CSIS) stellen sie klar, dass Russlands Gefahr über den Preis kommt.

Schnäppchen-Jäger gegen Putin: Die Lösung aus Tschechien hat in diesem Punkt das Zeug zum großen Wurf

Die Lösung aus Tschechien hat in diesem Punkt das Zeug zum großen Wurf – auf Stückkosten von 800.000 Dollar taxiert Forces News die Maschinen. Wie das Magazin Militarnyj berichtet, sei sie dennoch von zweifelhaftem Wert. Pavel hat damit eine Aussage von vor zwei Jahren untermauert: Demnach plane Tschechien, im eigenen Land hergestellte Unterschall-Kampfjets vom Typ L-159 abzugeben. Menge und Zeitpunkt bleiben ungewiss. Nach dem „World Forces Index“ verfügt Tschechien über 24 Maschinen dieses Typs in unterschiedlicher Ausführung. Allerdings scheinen die Maschinen auch kein Geschenk zu sein – im Gegenteil, wie Militarnyj behauptet.

„Doch selbst mit zusätzlicher Ausrüstung bleiben die Luftverteidigungsfähigkeiten der L-159 begrenzt. Ihre Effektivität gegen Drohnen des Typs Shahed hängt von externer Lenkung, bodengestützter Radarunterstützung und erheblichen Investitionen ab“, schreibt das Magazin. Andere Kommentatoren sehen in der Allzweckwaffe eine wichtige Ergänzung der ukrainischen Fähigkeiten – quasi wie zugeschnitten auf die zur Improvisation gezwungenen Verteidiger: „Ein Pilot der L-159 kann dieses benutzerfreundliche Flugzeug ohne Unterstützung am Boden selbst vorbereiten und fliegen. Die L-159 kann von jeder vorbereiteten oder unbefestigten Landebahn, bei Tag und Nacht und bei jedem Wetter starten, egal ob nass oder trocken, heiß oder kalt, windig oder windstill“, schreibt Defense Industry Daily.

Laut den britischen Forces News sei aber noch fraglich, ob die tschechische Luftwaffe ihre L-159-Flotte schrumpft, weil bereits US-amerikanische F35-Kampfjets bestellt seien; oder ob die Lieferung in die Ukraine aus Neubauten bestehen werde. Die Maschine wurde und wird als Trainer genutzt sowie als mittlerer Kampfjet – bewaffnet mit Zielbehältern, lasergelenkten Bomben, Sindwinder-Luft-Luft-Raketen, Bordkanonen, Raketen, konventionellen Bomben, wie Defense Industry Daily aufzählt. Dem Magazin The National Interest zufolge soll die Tschechische Republik die Maschine „als geeignet beworben“ haben, die Ukraine in der Abwehr der Invasoren zu unterstützen – dafür soll die Maschine mit westlichen Waffensystemen wie der AIM-9 und der AMRAAM (Advanced Medium-Range Air-to-Air Missile)) als bestückbar bezeichnet worden sein.

Putin geht die Puste aus: 166 pro Tag – „Trend der Sättigung bei den Starts von Drohnen des Typs Shahed“

Gegen die Flut von Shahed-Drohnen möglicherweise aber alles immer noch zu teuer und zu aufwändig. Allerdings soll Putin den ukrainischen Verteidigern offensichtlich inzwischen entgegenkommen – laut aktuellen Statistiken: „Konkret wurden im Dezember 5131 Drohnen des Typs Shahed gestartet, davon 3065 als Kampfdrohnen und die restlichen als Täuschdrohnen. Dies ist der niedrigste Wert seit Herbstbeginn“, schreibt Igor Anokhin. Der Autor des US-Thinktanks Institute for Science and International Security spricht in seiner Analyse von einem „anhaltenden Trend der Sättigung bei den Starts von Drohnen des Typs Shahed“. Anokhin zählt 166 Drohnenstarts pro Tag und erkennt darin eine rückläufige Tendenz.

Seiner Meinung nach zeigt das klar, dass die Produktion ihren Höchststand erreicht habe; vermutlich aufgrund von fehlenden Teilen beziehungsweise entscheidenden Komponenten. Der Juli 2025 habe noch 6297 Drohnen ausgespuckt, der Sommer und Herbst im Durchschnitt ungefähr 5340 – auf einem gleich bleibenden Niveau. Igor Anokhin spekuliert zudem, dass die geringer werdende Zahl der Starts neben der Knappheit an Nachschub auch durch knapper werdende Piloten auf russischer Seite bedingt sein könne. Allerdings habe diese Zahl auch ihre Kehrseite – und zwar eine ungemein unangenehme, so der Analyst vom Institute for Science and International Security“.

Russlands Drohnen-Flop: Die Shaheds sind noch die am wenigsten zuverlässigen

„Die absolute Anzahl erfolgreicher Treffer lag im Dezember (886) jedoch höher als im November (826) und ist nach Oktober (989) die zweithöchste aller Zeiträume. Die Trefferquote im Dezember betrug 17,27 Prozent und ist damit der dritthöchste monatliche Wert für das gesamte Jahr 2025“, schreibt Anokhin. Seinen Analysen zufolge bleibe die Trefferquote aller Typen von russischen Kamikaze-Drohnen relativ hoch – beispielsweise 72,5 Prozent am 17. Dezember 2025. Die Shaheds sind noch die am wenigsten zuverlässigen mit einem Durchschnitt von zehn Prozent Treffergenauigkeit. Dennoch bliebe die Zahl der Waffen so hoch, dass die ukrainische Luftabwehr relativ schlecht dastehe, so Anokhin.

Von der L-159 ist inzwischen die F/A-259 Striker abgeleitet worden – ein neues Flugzeug mit den Genen des Vorgängermodells. Das sei „weit mehr als nur ein Trainingsflugzeug“, so ein Konstrukteur gegenüber European Defence Online: ein Mehrzweckflugzeug für die Luftnahunterstützung, Aufstandsbekämpfung und Grenzpatrouillen mit Abfangfähigkeiten, so das Magazin. Dennoch wird die Ukraine auf die Drohnenschwärme damit wie mit Kanonen auf Spatzen schießen: Eine moderne AIM-9X Sidewinder-Luft-Luft-Rakete wird auf Kosten von mindestens 350.000 Dollar geschätzt. Eine Shahed soll mit ungefähr 35.000 Dollar ein Zehntel davon kosten.

Ukraine: „Sie brauchen Masse, Geschwindigkeit und die Bereitschaft, kostengünstige Systeme einzusetzen“

Militarnyj sieht zumindest die Notwendigkeit, die Schwächen der Maschine durch ein zweites Besatzungsmitglied der sowohl ein- als auch zweisitzig zu fliegenden Maschine auszugleichen – das wäre die L-159T2. Dort würde sich ein Waffensystemoffizier effektiver auf die Neutralisierung von Drohnen fokussieren können. „Eine weitere Option ist der australische SiNAB Phoenix Pod, der als kostengünstiges Mittel zur Lenkung lasergelenkter Munition positioniert ist und theoretisch auch gegen Drohnen eingesetzt werden könnte“, so das Magazin, das aber insgesamt am Erfolg der tschechischen Gabe zweifelt: Zu wenig Effektoren, zu überholte Technik, zu teure Einsätze, zu geringe Perspektive auf eine erfolgreiche Abwehr über einen langen Zeitraum hinweg.

Davon gehen auch die CSIS-Autoren Benjamin Jensen und Yasir Atalan aus: Sie sehen in den Schwarmangriffen Russlands nicht allein eine Strategie gegen die militärischen Ressourcen der Ukraine. Sie halten Russlands Verbissenheit an der ukrainischen Front für eine Generalprobe eines Kriegs der Zukunft gegen einen im Westen – ihrer Meinung nach sei die Shahed mehr als eine Drohne: Sie sei „ein Zwangsmittel in einer umfassenderen Strafstrategie“. Und ein halber Kampfjet sei da vielleicht ungenügend, wie sie in ihrer Analyse nahelegen, was die Verteidiger nötig hätten:

„Sie brauchen Masse, Geschwindigkeit und die Bereitschaft, kostengünstige Systeme einzusetzen, um teure Verteidigungssysteme zu durchbrechen, sowie den Widerstandswillen der Bevölkerung.“ (Quellen: Center for Strategic and International Studies, Institute for Science and International Security“, World Forces Index, Reuters, Forces News, Militarnyj, Defense Industry Daily, The National Interest, European Defence Online) (hz)

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