Niederlage vor dem Derby: SC Riessersee entfacht Feuer zu spät

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Da sind sie endlich, die Emotionen: Tobias Echtler und Jannick Stein liefern sich mit den Passauern ein Handgemenge. © Peter VOLK

Der SC Riessersee kommt gegen Passau spät zurück. Ein Fehler in der Verlängerung bringt ihn allerdings um den Sieg.

Es hätte wohl keine bessere Vorbereitung für den SC Riessersee auf das anstehende Derby geben können. Die Passauer brachten all jene Attribute mit in das Olympia-Eissportzentrum, die die weiß-blauen Eishockeyspieler auch gegen die Tölzer Löwen erwarten dürften: Emotionen, Zweikampfstärke und Wille. Nach der 5:6-Niederlage nach Verlängerung lässt sich festhalten: Die Profis sind für die Hölle gewappnet – allerdings nur, wenn sie das Feuer von der ersten Minute an aufs Eis bringen.

Zunächst ließen sie sich vom Oberliga-Kontrahenten den Schneid abkaufen. An den Passauer Schränken zerschellte so mancher Körper am Freitagabend. Gerade die Paradereihe um Carl Larsson machte der Riesserseer Defensive das Leben schwer: Der beinahe zwei Meter große schwedische Stürmer gewann meist die Zweikämpfe – auch, weil dem Team von Hunor Marton der letzte durchschlagende Mut fehlte. „Ich weiß nicht, warum wir erst in der letzten Viertelstunde präsent sind und nicht gleich von Beginn an“, monierte der Coach.

Einzig der Neuling warf sich ohne Rücksicht auf Verluste in jedes Duell. Jannik Stein durfte sich als Förderlizenzspieler bereits im vergangenen Jahr zweimal zeigen. Nun gab Heimatverein Rosenheim den 20-Jährigen erneut frei. Der Stürmer stellte sich mit zwei harten Checks sofort eindrucksvoll vor, auch wenn ihm die fehlende Eiszeit noch anzumerken war. Für die DEL2-Leihgabe galt das Gleiche wie für alle anderen Weiß-Blauen auf dem Eis. Nach vorne fehlten 30 Minuten lang die Ideen. Bestes Anschauungsmaterial lieferte Thomas Schmid. Der Kapitän trieb den Puck nach vorn, hob den Kopf und musste feststellen, dass er auf sich allein gestellt war. Einziger Ausweg: Kopf wieder nach unten und durch drei Gegner hindurch.

So schnell wie die eher schmeichelhafte 2:1-Führung zu Beginn des zweiten Abschnitts entstanden war, so schnell war sie auch wieder hinfort. Mit dem direkten Gegenangriff glichen die Passauer aus. Was man den Werdenfelsern zugutehalten musste: Sie gaben sich nicht auf. Arbeiteten sich langsam in die Partie. Mit Fleiß und einfachen Aktionen. Denn Wunderdinge gelangen den Profis an diesem Abend keine. Immer wieder schlichen sich kleine Leichtsinnsfehler ein. Einer dieser – ein Scheibenverlust von Tobias Echtler im Aufbau – sorgte für den erneuten Rückstand. Da skandierte die Kurve: „Wir wollen euch kämpfen sehen!“ Das nahm Schmid zunächst wörtlich, packte Zachary Nazzarett am Krawattl und rüttelte damit seine eigene Mannschaft förmlich wach. Den Nackenschlag zum 3:5 steckte der SCR weg, Quirin Glas-Bader brachte sein Team heran.

Dann bot sich die Chance zum Ausgleich. Keine zwei Minuten vor dem Ende präsentierten die Passauer dem SCR diesen auf dem Präsentierteller. Gleich zwei Spieler wanderten auf die Strafbank. Marton zog die Auszeit. Ausgerechnet das gefürchtete Powerplay, das dem Oberligisten in dieser Spielzeit so schwerfällt. Nur einen von 19 Versuchen hatte er bisher im Tor untergebracht. Doch siehe da: Das Extratraining unter der Woche hatte sich bezahlt gemacht. Lubor Dibelka schob die Scheibe zu Robin Soudek, der legte vor dem Tor nochmals quer und Parker Colley hielt nur die Kelle rein. Der Kanadier ballte die Faust, und die 1180 Zuschauer flippten aus. Der späte und hart erarbeitete Ausgleich. Andrew Schembri kochte auf der Strafbank vor Wut: „Das ist ein Weg, das Spiel zu ruinieren“, rief er in Richtung der Schiedsrichter. Verzaubert von diesem Spielverlauf zeigte sich hingegen sein Trainer: „Für die Zuschauer war es ein Spektakel“, betonte Petr Bares.

Klar, der Passauer Coach hatte leicht reden. Denn dass die Partie in der Verlängerung doch noch auf die Seite der Gäste kippte, lag erneut an einem leichtfertigen Fehler in der Riesserseer Defensive. Jesse Roach ließ sich zu einem Foul hinreißen, Schembri kam zurück aufs Eis und Passau schob zum Sieg ein. Marton ärgerte sich hinterher über die mehr als unnötige Strafzeit: „Diese in der letzten Sekunde der regulären Spielzeit zu bekommen, ist nicht clever.“