Kontrollverlust: SC Riessersee schenkt Füssen den Sieg

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Lassen zu viele Chancen liegen: Der SC Riessersee scheitert gegen Füssen meist an sich selbst. Hier bringt Andreas Schneider (r.) die Scheibe nicht im Kasten unter. © Tamara Rabuser (or)

Der SCR gibt die Punkte in den letzten zwei Minuten aus der Hand und offenbart gegen Füssen massive Schwächen im Powerplay.

Eigentlich bietet das Powerplay für eine Eishockeymannschaft einen einmaligen Vorteil, in numerischer Überzahl einen einfacheren Treffer zu erzielen. Doch heuer haben die Riesserseer Profis damit so ihre Schwierigkeiten. Von 16 Möglichkeiten versenkten sie in dieser Oberligasaison einen Versuch. Zweitschlechtester Wert. Nun trafen sie am frühen Sonntagnachmittag auf den Club mit der schlechtesten Ausbeute: Nur einmal hatten die Füssener zuvor gejubelt – bei 31 Chancen. Immerhin einmal gelang es dem Tabellenletzten, seine Bilanz aufzuhübschen, weil der SC Riessersee erneut zwölf Minuten auf der Strafbank saß. Da er zudem selbst in Überzahl kopflos agierte und dann auch noch die letzten 90 Sekunden die eigene Defensive außer Acht ließ, schenkte er Füssen beim 3:4 den ersten Saisonsieg.

SCR: Powerplay-Training beginnt

Die Allgäuer hatten bereits am Freitagabend auswärts in Deggendorf einen respektablen Punkt ergattert. Gallig kamen sie aus der Kabine, setzten gefährliche Nadelstiche. Das galt jedoch auch für den anderen Altmeister auf dem Eis: Luca Allavena zeigte, dass er den spielfreien Freitag – die Partie in Höchstadt war wegen des Stadionumbaus verlegt worden – gut genutzt hatte: Mit voller Wucht knallte der Verteidiger die Scheibe an den Pfosten.

Dann nahm das Powerplay-Training seinen Anfang: Sofort herrschte pures Chaos vor dem Riesserseer Kasten. Tobias Echtler, Quirin Glas-Bader und Patrik Mühlberger warfen sich auf die Scheibe und verhinderten den Rückstand. Nur Sekunden später war es aber so weit: Der Ex-Riesserseer Felix Linden feuerte einen Schuss ab, Tim Flammann nahm Mühlberger die Sicht und fälschte die Scheibe ab – die Führung für den Außenseiter.

SCR: beste Phase im zweiten Drittel

Auch im Anschluss war kaum eine Mannschaft mit fünf Feldspielern unterwegs. Die beste Chance hatte der SCR – kurioserweise in Unterzahl. Glas-Bader und Tobias Kircher scheiterten im Zwei-gegen-null. Trainer Hunor Marton ärgerte sich maßlos: „Ich habe gedacht, wir sind hungriger. Wir haben zu viele Strafen kassiert, teils 60 Meter von unserem eigenen Tor entfernt.“ Immerhin: Kaum hatte sich Robin Soudek wieder von der Strafbank aufgemacht, schepperte es schon im Kasten. Er beschäftigte die beiden Verteidiger, während sein kongenialer Sturmpartner Lubor Dibelka zum Ausgleich einschob.

Der Beginn der besten Phase der Werdenfelser. Das Problem war nur, dass selbst im Fünf-gegen-drei die zündende Idee fehlte. Glück für sie, dass Füssen es nicht besser machte. Alexander Höller wanderte auf die Strafbank, meckerte dann noch den Schiedsrichter an und kassierte die Extrastrafe. Diese vier Minuten überstand der SCR ohne größere Zwischenfälle und schlug im Anschluss selbst zu. Soudek tänzelte Matyas Stransky und Torwart Benedikt Hötzinger aus – die Führung. Keine zwei Minuten später markierte Johannes Steinhübl aus spitzem Winkel das 3:1. Alles sah am Familientag vor stattlichen 1759 Fans nach einem souveränen Heimsieg aus.

Marton: „Es ist inakzeptabel, so zu verlieren“

Doch dann kam der letzte Abschnitt, über den Trainer Marton nur sagt: „Es ist inakzeptabel, so zu verlieren. Füssen wollte es mehr als wir, weil wir nur im zweiten Drittel hungrig waren. Das ist gegen keinen Gegner genug. Harte Arbeit schlägt immer Talent.“ Zunächst hatten seine Profis Fortuna noch auf ihrer Seite, als sie in Unterzahl in einen Konter liefen. Dann war das Glück aufgebraucht: Bauer Neudecker schob die Scheibe zwischen Luis Jäckle und Mühlberger hindurch und blies damit zur Aufholjagd. Dass es diese überhaupt gab, lag einzig und allein an der Chancenverwertung der Riesserseer. Soudek an die Latte, Neiger über den Kasten, Dibelka – natürlich in Überzahl – neben das Tor: Das 4:2 hätte fallen können, wahrscheinlich müssen. So rächte sich dieser Wucher. Thomas Schmid verlor Julian Straub aus den Augen, der den Nachschuss verwandelte. Und der EVF-Kapitän fügte dem SCR den endgültigen Knock-out zu. 17,9 Sekunden vor dem Ende kam er erneut frei zum Abschluss, Kirchers Blockversuch landete im Lauf des Stürmers und schon war es passiert.