Lange war ungewiss, wie es mit Schloss Mattsies weitergeht. Es dauerte mehrere Monate, bis die Käuferfrage für das Baudenkmal in Tussenhausen geklärt war. Wie seit einigen Wochen bekannt ist, erhielten Johannes Ebner-Link und sein Geschäftspartner den Zuschlag für das Schloss. Bei einer Führung durch die Gebäude auf dem Areal hat Ebner-Link von ihren Plänen erzählt, wie sie das Schloss aus seinem Dornröschenschlaf erwecken möchten.
Tussenhausen/Mattsies – Wie viel Johannes Ebner-Link an Schloss Mattsies liegt, wird bei der Führung nach wenigen Sekunden klar. Der Familienvater, der zusammen mit seiner Familie in der Ammersee Region wohnt, spricht mit großer Begeisterung von dem Baudenkmal – egal, ob er von den Plänen für einen großen Veranstaltungssaal berichtet oder sich über Details, wie besondere Fenstergriffe, Tapeten oder Türbeschläge im Inneren des Schlosses, freut.
Einblicke in die Besonderheiten von Schloss Mattsies
Auch das große Anliegen seines Geschäftspartners und ihm, das Schloss für die Allgemeinheit zugänglich zu machen, hebt er gleich zu Beginn hervor. Aktuell ist dies zu seinem Bedauern aber noch nicht möglich, denn an zu vielen Ecken müssen zuvor noch Arbeiten erledigt werden, ohne die sich sonst jemand verletzen könnte. Beispielsweise die Turmspitze muss dringend erneuert werden. Geplant ist, die Spitze in einem Stück durch einen Kran abzunehmen und dann das Dach zu erneuern. Die Holzstruktur sei noch erhaltbar, so Ebner-Link. Generell wollen er und sein Geschäftspartner so viel wie möglich am Schloss erhalten. Aktuell würden sie das Geld für ein Kupferdach, das an die Stelle des deutlich mitgenommenen alten Daches treten soll, sammeln.
Den beiden Geschäftspartnern ist klar, dass sie ein Objekt wie Schloss Mattsies nur durch eine Gemeinschaftsleistung mit der Bevölkerung instand setzen können. Dass auch die Menschen großes Interesse an dem Baudenkmal haben, habe sich in den letzten Wochen gezeigt, wie Ebner-Link berichtet. Deutlich mehr Interessierte als vorher, so erzählten es Ebner-Link die Nachbarn, würden nun zu dem Schloss-Areal kommen und versuchen, einen Blick durch das aus Sicherheitsgründen noch verschlossene Holztor zu werfen. „Das freut uns sehr“, sagt Ebner-Link, der beruflich in der Veranstaltungsbranche tätig ist. Vorgesehen ist, sich dem damals „visionären Konzept“ des „offenen Schlosses“ von Gräfin Maria Josepha von Törring–Seefeld zu bedienen. Durch den ökonomischen Druck, der damals auf der Gräfin lastete, entschied sie sich dazu, auf dem Areal eine Brauerei und ein „Braustüberl“ – das laut Ebner-Link florierte – einzurichten. Die neuen „Schlossherren“ wollen die beliebten Schlossfeste, an die sich manche Tussenhausener noch erinnern können, wieder stattfinden lassen. Im Westflügel schwebt ihnen ein großer Veranstaltungssaal vor, in dem regionale Künstler auftreten könnten. Aktuell ist die 60 Meter lange Fläche allerdings noch mit Heu bedeckt. Um dieses zu entfernen, ist jede helfende Hand willkommen. Eine große Erleichterung bei den Arbeiten ist, dass der Strom wieder funktioniert. Dafür bedankt sich Ebner-Link ausdrücklich bei der Mindelheimer Firma Bauer.
Unterschiedliche Baustile prägen die Geschosse in Schloss Mattsies
Viele Besonderheiten zeigen sich den Besuchern im Inneren des Haupthauses, nachdem die baufällige, aber sehr imposante Außentreppe erklommen worden ist. Es gab bereits mehrere Anläufe, das Baudenkmal wieder herzurichten, was an den unterschiedlichen Baustilen der Geschosse auffällt. „Umso höher man hinaufsteigt, desto historischer wird das Gebäude“, fasst Ebner-Link zusammen.
Er und sein Geschäftspartner wollen es ihren Vorgängern aber nicht gleichtun. Einer von ihnen, ein Graf, sei bei dem Versuch, Schloss Mattsies – das etwa seit 1970 nicht mehr bewohnt wird – wieder in Stand zu setzten, sogar bankrottgegangen. „Wir bauen natürlich nicht so extensiv um, sondern wollen erhalten, was da ist“, so das Credo der beiden neuen „Schlossherren“.
Schloss wurde oft Opfer von Vandalismus
Bedauerlich sei, so Ebner-Link, dass das Schloss im Laufe der Jahre oft Opfer von Vandalismus wurde. Beispielsweise wurden so gut wie alle Türgriffe und Schilder entwendet. Erhalten sind aber trotzdem viele kleine Details, die manchmal erst auf den zweiten Blick erkennbar werden.
Die ersten beiden Etagen verfügen jeweils über rund 170 Quadratmeter. Dort ist eine öffentliche Nutzung angedacht. Welche genau, steht aber noch nicht fest. Bei den oberen Etagen sei dies aus brandschutztechnischen Gründen leider nicht möglich, sagt der Geschäftsmann.
Eine große Aufgabe stellt sich den Geschäftspartnern mit der erforderlichen Sanierung des Daches, das komplett neu eingedeckt werden muss. Hier wurde aktuell nur das Notwendigste ausgebessert. Ebner-Link rechnet damit, dass die vollumfänglichen Arbeiten in ein bis zwei Jahren stattfinden könnten. Allerdings hänge das auch vom Denkmalschutzamt – mit dem man bisher sehr gut zusammengearbeitet habe – und natürlich der Finanzierung ab.
Jede Hilfe ist willkommen
Dringender Handlungsbedarf besteht zudem im Ostflügel, der künftig komplett für die Öffentlichkeit geöffnet werden soll. Vorgesehen ist hier eine Nutzung im sozialen Bereich. Hier hofft Ebner-Link, dass das Gebäude noch vor dem Winter wenigstens abgestützt werden kann. Er und sein Geschäftspartner freuen sich über jede handwerkliche Hilfe, welche die beiden im Rahmen der Möglichkeiten versuchen zu vergüten. Aber auch Wissen über das Schloss und Erinnerungen an das Leben dort sind willkommen. Interessierte, die dabei helfen wollen, Schloss Mattsies aus seinem Dornröschenschlaf zu holen, können sich mit Ebner-Link in Verbindung setzen.
Auf die Frage, woher er bei so vielen Problemstellen wisse, wo begonnen werden muss, hat der neue Eigentümer eine einfach Antwort: „Das Schloss zeigt uns, wo es leidet. Es stellt sich nicht die Frage, wo wir anfangen wollen, sondern wo wir anfangen müssen“.
Mit dem Kurier-Newsletter täglich zum Feierabend und mit der neuen „Kurier“-App immer aktuell über die wichtigsten Geschichten informiert sein. Besuchen Sie den Wochen KURIER auch auf Facebook!