Pfarrverband Odelzhausen verzichtet bei Kirchensanierung auf viel Geld

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Rundum gelungene Sanierung: Die Pfarrkirche St. Benedikt in Odelzhausen im Jahr 2021 während der Sanierung. © Spenglerei Steinhard Freienried

Der Pfarrverband Odelzhausen und das Erzbischöfliche Ordinariat haben bei der Sanierung der Pfarrkirche St. Benedikt auf viel Geld verzichtet. Aus guten Gründen.

Odelzhausen – Die Pfarrkirche St. Benedikt in Odelzhausen mit ihrem 46,5 Meter hohen Turm ist ein markantes Baudenkmal. Doch das Gotteshaus bedurfte einer umfangreichen Sanierung. Dachstuhl und Dachtragwerk mussten repariert und gereinigt, das kupferne Dach erneuert, ein barrierefreier Zugang angelegt und Hausschwamm beseitigt werden. Die Außenfassade bekam einen neuen Anstrich. Weil sich der Turm mehr bewegte als zulässig, wenn die vier Glocken läuteten, musste eine Gegenpendelanlage eingebaut werden. Zu Guter Letzt galt es noch die Dohlen aus dem Kirchturm zu holen; in Absprache mit der Naturschutzbehörde, versteht sich. 2019 gingen die Arbeiten los, im August 2022 war alles fertig. St. Benedikt strahlte im Glanz der Sommersonne, der Pfarrverband und die Kurie des Erzbistums München und Freising um die Wette. Das Projekt war rundum gelungen.

Sanierung kostet rund 1,2 Millionen Euro

Die Vögel konnten wieder einziehen, die Kirchenstiftung des Pfarrverbands und die Erzbischöfliche Finanzkammer zusammenrechnen, was die Sanierung kostet. Rund 1,2 Millionen Euro kamen dabei heraus. Auf gut 184 000 Euro belief sich der Anteil der Kirchenstiftung, den Rest übernahm die Finanzkammer. Doch was ist mit Zuschüssen? Bei diesem Thema wird es richtig interessant.

Der Pfarrverband hatte bereits 2020 Gelder von der Gemeinde beantragt. Der Haupt- und Finanzausschuss bewilligte 24 659 Euro. Ende Juni dieses Jahres rief der Pfarrverband den Zuschuss ab. In der Gemeinderatssitzung am vergangenen Montag gab es das endgültige Okay der Räte, nur Manfred Weyerer (Bürgergemeinschaft Odelzhausen) stimmte dagegen. Im Zuge der Sitzung wurden Schreiben des Pfarrverbands sowie der Finanzkammer bekannt, die Erstaunliches offenbarten: Die Bauherren erklären darin, dass sie auf einen Zuschuss von satten 75 000 Euro verzichteten. Die Gründe sind „gut nachvollziehbar erklärt worden“, so Bürgermeister Markus Trinkl in der Gemeinderatssitzung. Und sie sind ein Musterbeispiel dafür, warum es in unserem Land in wirtschaftlicher und bürokratischer Hinsicht hakt.

Billigster Anbieter ist nicht der beste

Fördergelder für Bauprojekte wie St. Benedikt können etwa vom Bezirk Oberbayern oder von der Bayerischen Landesstiftung fließen. Um die vom Staat in Aussicht gestellten Gelder beantragen zu können, wäre eine Vergabe nach der Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen, kurz VOB, erforderlich gewesen, heißt es im Schreiben der Kirchenstiftung St. benedikt an die Gemeinde. Nur: „Bei Vergabe nach VOB ist kein Einfluss auf die Auswahl der zu beauftragenden Firmen möglich. Aus baufachlicher Sicht“, so der Verband weiter, wäre „die Vergabe an den billigsten Anbieter mit zu hohem Risiko verbunden, da besondere fachliche Kenntnisse bei der Baumaßnahme erforderlich sind. Außerdem bestand die Gefahr, dass der Bauablauf, beispielsweise bei Anbietern mit weiter Anfahrt, nicht gewährleistet werden kann.“

Die Verwaltungsleiterin der Kirchenstiftung Helga Mayr wird gegenüber der Heimatzeitung deutlicher: St. Benedikt sei ein denkmalgeschützer Bau. Es galt etwa sorgsam mit den Stuckdecken umzugehen, und das Installieren der Gegenpendelanlage sei diffizil gewesen. Bei den Firmen, die nach einer VOB-Ausschreibung den Zuschlag bekommen hätten, „wissen wir nicht, wie fit die sind, was die fachlich draufhaben“ oder ob das Zusammenspiel der Gewerke zeitlich gepasst hätte, so Mayr. Kurzum: „Die Gefahr war zu groß“, dass es zu Mängeln, Schäden und Verzögerungen kommt, die sich auf mehr als 75 000 Euro summieren. Abschreckendes Beispiel war nicht zuletzt das Hallenbad in Dachau, wo seit 2017 Arbeiter aus ganz Europa werkeln, jahrelang vieles misslang und das Projekt immer teurer wurde.

Dohlen wie diese bevölkern den Kirchturm von St. Benedikt.
Dohlen wie diese bevölkern den Kirchturm von St. Benedikt. © Falk/Archiv

Daher gingen Pfarrverband und Ordinariat einen anderen Weg. Sie wählten das Geregelte Vergabeverfahren (GVV). Danach war zwar eine Zuschussbeantragung nicht möglich, aber die Bauherren konnten mit Handwerkern aus der Nähe verhandeln. Als die Tinte unter den Werkverträgen trocken war, legten beispielsweise ein Schmiede- und ein Elektromeister aus Odelzhausen, ein Spengler aus Freienried im Landkreis Aichach-Friedberg oder ein Zimmerer aus München los. „Wir hatten ganz, ganz tolle Firmen“, so Mayr. Und es war möglich, bei den „Vergabegesprächen Preisnachlässe zu verhandeln, die auch gewährt wurden“. Das Preis-Leistungs-Verhältnis habe gestimmt, so die Verwaltungsleiterin. Das Ergebnis der Sanierung ist im Glonntal weithin sichtbar, die Dohlen wohnen jetzt in einem 1a-renovierten Altbau.

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