Eine 52-jährige Ukrainerin muss sich derzeit vor dem Münchner Landgericht verantworten. Die Frau hatte vor einem Jahr einen 54-jährigen Dachauer, bei dem sie zwischenzeitlich gewohnt hatte, mit einem Küchenmesser erstochen. Zuletzt schilderten Zeugen eindrücklich die Szenerie am Tatort.
Dachau/München – Als Olena K. (52) an einem Februar-Abend vergangenen Jahres total ausrastet und herumschreit, ahnen die Nachbarn in einem Dachauer Mehrfamilienhaus noch nichts Böses. Doch dann rasen plötzlich Notarzt, Polizei und Sanitäter herbei. Eine Viertelstunde später ist ihr Nachbar Jürgen F. (54) tot. Olena K. hat ihn mit einem Küchenmesser erstochen. Am Montag schilderte der behandelnde Notarzt (52) im Prozess vor dem Landgericht München II die beklemmende Szenerie.
Als er in der kleinen Wohnung ankam, stand Jürgen F. noch in der Küche. Überall war Blut. „Er schnappte sehr nach Luft, sagte immer wieder ,Luft, Luft, keine Luft’“, erinnerte sich der Notarzt. Eine Minute später kollabierte Jürgen F.. Dem Mediziner gelang es nicht, ihn am Leben zu erhalten. Der 54-Jährige hatte zu viel Blut verloren. Der Notarzt stoppte zuerst mit meterlangen Gaze-Kompressen die Blutung, dann wurde reanimiert und intubiert.
Weil Olena K. eine Vene getroffen hatte, die nicht ersetzt werden kann, war im Kreislauf einfach nicht mehr ausreichend Blut, um den 54-Jährigen zu retten. Die angeklagte Ukrainerin, die vor vielen Jahren eine lockere Kurzzeit-Beziehung zu dem Deutschen geführt und jetzt dessen Gutmütigkeit mehr als strapaziert hatte, weinte beinahe bei der Schilderung des Mediziners. Aus ihrer Sicht hatte sie nur mit dem Messer herumgefuchtelt und dabei ihren besten Unterstützer verloren. Der war zu weich gewesen, sie aus der Wohnung zu werfen oder zu ängstlich, sie hart anzufassen. Einem Nachbarn, den er vom Gassigehen mit dem Hund kannte, hatte er einmal gesagt: „Ich habe mir den Teufel ins Haus geholt.“
An seinem Todestag wollte er mithilfe seiner Ex-Frau und seines Sohnes Olena K. endgültig vertreiben. Dabei kam es zu der verheerenden Attacke. Dass Jürgen F. nicht irgendwie ins Messer lief, sondern Opfer von Olenas wiederkehrenden Aggressionen wurde, sollen weitere Zeugen bestätigen. Der Prozess dauert an.