Während die Verhandlungen über einen Waffenstillstand laufen, vermeldet die Ukraine einen spektakulären Angriff auf Wladimir Putins Streitkräfte – in Russland. Ob Donald Trump das passt?
Belgorod – Es war eine Reaktion auf eine Entscheidung der damaligen US-Regierung von Joe Biden (Demokraten). Donald Trump, Bidens Nachfolger von der Republikanischen Partei, hatte sich Ende November 2024 gegen den Einsatz weitreichender amerikanischer Raketen durch die Ukraine gegen militärische Ziele in der Russischen Föderation ausgesprochen.
Trotz Ansage von Donald Trump: Ukraine greift im Krieg mit Himars-Raketen Russland an
„Ich lehne es vehement ab, Raketen Hunderte von Meilen nach Russland zu schicken. Warum tun wir das?“, sagte Trump damals in einem Interview mit dem Magazin Time: „Wir eskalieren diesen Krieg nur und machen ihn noch schlimmer.“ Damals ging es um die ATACMS-Mittelstreckenraketen mit einer Reichweite von bis zu 300 Kilometern.
Diese werden jedoch ebenfalls aus den Himars-Mehrfachraketenwerfern verschossen. Und mit genau dieser Waffe ließ Kiew die ukrainischen Streitkräfte nun erneut die Armee von Kreml-Chef Wladimir Putin auf russischem Boden angreifen. Und zwar während die Verhandlungen in Riad (Saudi-Arabien) zu einer Waffenruhe im Ukraine-Krieg stattfinden.
Waffen im Ukraine-Krieg: USA hatten Kiew mehr als 40 Himars geliefert
Laut Website des amerikanischen Außenministeriums hatten die USA unter Biden den ukrainischen Streitkräften „mehr als“ 40 High Mobility Artillery Rocket System, kurz Himars, geliefert. Die Biden-Administration hatte nach der Wahlniederlage gegen Trump im Dezember nochmal Munition für Raketenwerfer bereitgestellt. Trump hatte seinerzeit die umfangreichen Militärhilfen kritisiert. Zuletzt ließ der 78-jährige Republikaner den geheimdienstlichen Austausch mit den Ukrainern zwischenzeitlich stoppen, während aktuell noch durch Biden genehmigte Waffen übergeben werden. Was aber nicht mehr lange so sein wird. Ob ihm nun das passt, was Kiew am Montag vermeldete (24. März)?
Wie die Kyiv Post (KP) schreibt, teilten die ukrainischen Spezialeinsatzkräfte (SSO) am Montag auf Telegram mit: „Spezialeinsatzkräfte haben in Abstimmung mit der Hauptnachrichtendienstdirektion des Verteidigungsministeriums (HUR), Raketentruppen und Artillerie, zwei Ka-52-Kampfhubschrauber und zwei Mi-8-Transporthubschrauber ausgeschaltet.“ Der Angriff galt dem Bericht zufolge einem Stützpunkt in der russischen Grenzregion Belgorod, und dabei kamen demnach eben jene Himars-Mehrfachraketenwerfer zum Einsatz. Die Hubschrauber standen wohl auf dem Rollfeld und waren nicht in der Luft.
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Verhandlungen in Saudi-Arabien: Russland und Ukraine greifen sich während Gesprächen an
Das von den Spezialeinheiten veröffentlichte Video zeigt Drohnenaufnahmen von vier Raketenangriffen, denen Detonationen folgen. Zu sehen sind wohl zudem Hubschrauber, denen die Raketen galten. Ort und Zeitpunkt des Videomaterials lassen sich nicht unabhängig verifizieren. Und somit auch nicht die Distanz der eingesetzten Lenkwaffen. Zudem ist unklar, welche Raketen-Typen bei dieser Attacke gegen das Moskau-Regime mutmaßlich verwendet wurden. In der Vergangenheit hatten die Ukrainer ATACMS-Luftangriffe immer auch als solche gekennzeichnet, wohl um die Schlagkraft der Waffe zu untermauern. Diesmal fiel der Begriff ATACMS nicht.
Der Moment der Attacke ist jedenfalls brisant. Zwar hat zum Beispiel der deutsche Verteidigungsexperte Roderich Kiesewetter Zweifel daran, ob es Putin wirklich um einen Waffenstillstand geht. Aber die Verhandlungen auf Vermittlung der Amerikaner um eine Waffenruhe laufen zumindest. Nicht überliefert ist, ob die Ukrainer mit derlei aufsehenerregenden Bildern gegebenenfalls Druck auf die russische Seite ausüben wollen, die in den vergangenen Tagen ihrerseits Kiew und andere ukrainische Städte ein weiteres Mal mit Drohnen sowie mit Raketen überziehen ließ. Und bis Montagmittag war nicht überliefert, was Trump von derlei Himars-Angriffen in Russland hält. (pm)