400 Millionen Dollar Ballsaal: Spender mit Milliarden-Verträgen stecken hinter gemeinnütziger Organisation

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Präsident Donald Trump zeigt am 22. Oktober 2025 Entwürfe für den Ballsaal des Weißen Hauses (Archivbild). © Salwan Georges/The Washington Post

Der geplante Ballsaal im Weißen Haus soll über private Spenden finanziert werden. Senatorin Warren fordert mehr Offenlegung und kritisiert die Konstruktion scharf. Eine Analyse.

Washington D.C. – Ein Bundesrichter wird voraussichtlich in Kürze darüber entscheiden, ob Präsident Donald Trumps geplantes 400-Millionen-Dollar-Ballsaalprojekt im Weißen Haus fortgesetzt werden darf. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob der Plan der Regierung, auf private Spenden zu setzen, es ihr erlaubt, die Zustimmung des Kongresses zu umgehen.

Trump hat argumentiert, dieser Ansatz erspare den Steuerzahlern die Kosten. Der Streit hat stattdessen einen Mangel an Transparenz hinsichtlich der Finanzierung des Projekts offengelegt. US-Bezirksrichter Richard Leon, demokratische Kongressabgeordnete und Kontrollorganisationen haben eine Konstruktion infrage gestellt. Bei dieser fließen Spenden von Unternehmen, die Geschäftsbeziehungen mit der Bundesregierung unterhalten, über eine gemeinnützige Zwischenorganisation. Diese dürfte Millionenbeträge an Gebühren einstreichen, um die bedeutendste Umgestaltung des Weißen Hauses seit Jahrzehnten zu finanzieren.

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Leon hat erklärt, er könnte noch in diesem Monat über die Klage des National Trust for Historic Preservation gegen das Projekt entscheiden. Während die Entscheidung näher rückt, haben Kontrollorganisationen die Spendensammlungsbemühungen der Regierung unter die Lupe genommen. Sie argumentieren, diese nutzten Lücken in den bundesstaatlichen Offenlegungsvorschriften aus, die der Kongress schließen sollte.

Spender mit Milliarden-Verträgen bei der Regierung

Trump und Vertreter des Weißen Hauses haben öffentlich etwa zwei Dutzend Unternehmen und rund ein Dutzend Einzelspender benannt. Diese haben nach eigenen Angaben bereits Hunderte Millionen Dollar für das Projekt beigesteuert, darunter Großkonzerne wie Amazon, Google und Palantir, die zusammen über Verträge in Milliardenhöhe mit der Regierung verfügen. (Amazon-Gründer Jeff Bezos ist Eigentümer der Washington Post.)

Die meisten Spender haben es gegenüber Reportern und Abgeordneten abgelehnt, anzugeben, wie viel sie gespendet haben und ob sie im Gegenzug für ihre Zuwendungen zusätzlichen Zugang zu Regierungsvertretern oder andere Vergünstigungen erwarten.

Citizens for Responsibility and Ethics in Washington (CREW) kam zu dem Schluss, dass mindestens 22 am Ballsaalprojekt beteiligte Unternehmen ihre Spenden in Lobbying-Berichten hätten offenlegen müssen. Sie haben dies aber nicht getan.

Senatorin Warren fordert Transparenz

„Die Öffentlichkeit verdient echte Transparenz darüber, wer spendet und wie viel gegeben wird, aber das ist nicht das, was wir sehen“, schrieb Matt Corley, leitender Ermittler von CREW, in einer E-Mail.

Diese Bedenken griff auch Senatorin Elizabeth Warren (Demokratin, Massachusetts) auf. Sie forderte den Trust for the National Mall – eine gemeinnützige Organisation, die die Spenden für das Ballsaalprojekt im Weißen Haus verwaltet – auf, ihre Rolle zu klären und die erhaltenen Spenden offenzulegen. In einem an Warren gerichteten und der Post vorliegenden Schreiben lehnte die Organisation es ab, Einzelheiten zu den Zuwendungen zu nennen. Sie erklärte jedoch, dass sie im Rahmen ihrer Verwaltungsgebühr zwischen 2 und 2,5 Prozent jeder Spende erhält. Das geplante 400-Millionen-Dollar-Projekt wäre das größte in der Geschichte der Organisation.

„Diese neuen Details wecken noch größere Bedenken, ob Donald Trumps goldverzierter Ballsaal zu einem Vehikel für Korruption geworden ist“, sagte Warren in einer Stellungnahme gegenüber der Post. „Die Amerikaner verdienen es zu erfahren, welche Milliarden-Konzerne Geld in Trumps Eitelkeitsprojekte schaufeln und welche Gefälligkeiten sie sich im Gegenzug erhoffen.“

Gemeinnützige Organisation verteidigt Verwaltungsgebühr

Julie Moore, Sprecherin des Trust for the National Mall, bezeichnete die Verwaltungsgebühr in einer E-Mail an die Post als gängige Praxis. Sie sagte, das Geld diene der Unterstützung „unserer wichtigen Arbeit und Mission mit dem National Park Service zur Restaurierung, Erhaltung und Bereicherung der National Mall und des President‘s Park“.

Die Organisation hat in der Vergangenheit Spendenkampagnen zur Restaurierung des Washington Monument und anderer Projekte geleitet. Sie wies in gemeinnützigen Berichten für 2024 Einnahmen von rund 13 Millionen Dollar und Ausgaben von 17 Millionen Dollar aus. Moore sagte, die Rolle der Organisation sei von Abgeordneten und in den Medien „falsch dargestellt“ worden. Sie fügte hinzu, die Organisation spiele „darüber hinaus keine Rolle bei der Einwerbung von Spenden oder bei der Planung oder dem Bau des Projekts“.

Moore sagte nicht, ob sich mindestens zwei Vorstandsmitglieder für befangen erklärt haben. Diese hatten zum Zeitpunkt der Projektbesprechung aktive Interessen bei der Trump-Regierung.

Weißes Haus schweigt zu eingenommener Summe

Das Weiße Haus lehnte es ab, die bislang für das Projekt eingeworbene Summe zu nennen oder Fragen dazu zu beantworten, ob und wie Spender davon profitieren könnten. Trump hatte im Oktober Spender zu einem festlichen Abendessen im East Room des Weißen Hauses empfangen.

„Präsident Trump spendet großzügig seine Zeit und Ressourcen für den Bau eines wunderschönen Ballsaals im Weißen Haus – ein Projekt, von dem frühere Präsidenten nur geträumt haben“, sagte der Sprecher des Weißen Hauses, Davis Ingle, in einer Stellungnahme. „Seit der Ankündigung dieses historischen Plans wird das Weiße Haus mit Anrufen von großzügigen Amerikanern und amerikanischen Unternehmen überhäuft, die einen Beitrag leisten möchten.“

Nur ein einziges Unternehmen – die auf Organtherapie spezialisierte Firma Vantive US Healthcare – legte seine Spende für den Ballsaal im Rahmen halbjährlicher Lobbying-Berichte offen. Es gab an, am 13. Oktober 2,5 Millionen Dollar an den Trust for the National Mall gespendet zu haben. Über die Meldung berichtete zuerst Bloomberg Government.

Lobbying-Verbindungen zur Trump-Regierung

Vantive lehnte es ab, Fragen zu beantworten, warum das Unternehmen die Spende geleistet hat oder welche Lobbying-Prioritäten es verfolgt. Es verwies auf die Meldung. Das Unternehmen gab in seinen Unterlagen an, 2025 mehr als 2 Millionen Dollar ausgegeben zu haben, um bei der Trump-Regierung für Medicare-Abrechnungen, Organunterstützungsgeräte und andere Themen zu lobbyieren. Diese Summe umfasste 340.000 Dollar für Ballard Partners, eine Firma, die Pam Bondi und Susie Wiles beschäftigte, bevor diese der Trump-Regierung als Generalstaatsanwältin beziehungsweise als Stabschefin des Weißen Hauses beitraten. Weder Bondi noch Wiles gaben an, für Vantive lobbyiert zu haben.

Die Regierung hat argumentiert, das Weiße Haus habe die rechtliche Befugnis, Geschenke über das Innenministerium anzunehmen. Der Kongress habe den Präsidenten ermächtigt, Änderungen am Gelände des Weißen Hauses vorzunehmen, indem er einen kleinen jährlichen Fonds für Renovierungen bereitgestellt habe. Anwälte des National Trust for Historic Preservation, der vom Kongress mit dem Schutz historischer Gebäude beauftragt ist, haben dagegen eingewandt, dass diese Bestimmungen kein Projekt dieses Ausmaßes genehmigen. Der Ballsaal erfordere eine ausdrückliche Genehmigung und Finanzierung durch den Kongress.

„Anstatt zuzugeben, dass keine Genehmigung existiert, erfinden die Beklagten eine Rube-Goldberg-Maschine“, um das Vorgehen zu rechtfertigen, argumentierten die Anwälte des National Trust in Gerichtsunterlagen im vergangenen Monat. Sie verwendeten dabei den Ausdruck für eine übermäßig komplizierte Vorrichtung, die für eine einfache Aufgabe konzipiert ist.

Richter sieht mögliche Umgehung der Kongressaufsicht

Leon wurde von Präsident George W. Bush ernannt. Er schien dieser Kritik bei einer Anhörung am 22. Januar zuzustimmen, indem er die Finanzierungsinitiative der Trump-Regierung wiederholt als „Rube-Goldberg-Maschine“ bezeichnete. Er erklärte, der Bauplan fungiere als Umgehung der Kongressaufsicht.

Anwälte des Justizministeriums haben diese Darstellung zurückgewiesen. Sie argumentieren, der Finanzierungsansatz der Regierung sei legal und stehe im Einklang mit früheren Projekten auf dem Gelände des Weißen Hauses.

„Dies ist keine Umgehung des Haushaltsverfahrens – es ist ein Finanzierungsmechanismus, den der Kongress wissentlich genehmigt hat und von dem er seit Langem weiß, dass er zur Unterstützung von Projekten auf dem Gelände des Weißen Hauses zur Verfügung steht“, schrieben die Anwälte des Justizministeriums in einem Schriftsatz vom 2. Februar.

Justizministerium warnt vor Sicherheitsrisiko

Die Anwälte des Justizministeriums stellten zudem jede Unterbrechung als potenzielles Sicherheitsrisiko dar. Sie erklärten, sie würden sofort Berufung einlegen, sollte Leon das Projekt aussetzen.

Leon sagte, er erwarte unabhängig von seiner Entscheidung, dass der Fall vor das Berufungsgericht für den D.C. Circuit und möglicherweise sogar vor den Supreme Court gehe.

Zum Autor

Aaron Schaffer ist Researcher im Ressort Politik & Regierung der Post.

Dieser Artikel war zuerst am 9. Februar 2026 in englischer Sprache bei der „Washingtonpost.com“ erschienen – im Zuge einer Kooperation steht er nun in Übersetzung auch den Lesern der IPPEN.MEDIA-Portale zur Verfügung.