Seit Oktober 2023 ist die Toilette am Wolfratshauser Bahnhof geschlossen. Nun wenden sich Vereine und Verbände an die Deutsche Bahn.
Wolfratshausen – Seit Oktober 2023 ist das WC am Wolfratshauser S-Bahnhof wie mehrfach berichtet geschlossen. Eine Aussicht auf Wiederöffnung oder eine andere Lösung zeichnet sich trotz vieler Bemühungen vonseiten der Stadt und des Bürgermeisters Klaus Heilinglechner nicht ab. Eine ganze Reihe von Vereinen und Gruppierungen unter Federführung von Seniorenreferentin Dr. Ulrike Krischke und Ines Lobenstein von der Caritas wendet sich nun mit einem Brief an die obersten Zuständigen – die Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn AG, Evelyn Palla, den Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder, Bundesinnenminister Alexander Dobrindt, Ministerpräsident Markus Söder, die Vorsitzende von „Bayern barrierefrei“, Ulrike Scharf, sowie den Behindertenbeauftragten der bayerischen Staatsregierung, Holger Kiesel.
Ulrike Krischke hat unserer Zeitung das Schreiben zur Verfügung gestellt. Der Bürgermeister und seine beiden Vorgänger, die Parteien im Stadtrat, Jugend,- Senioren,- Behinderten- und Umweltverbände bis zur Loisachtaler Bauernbühne haben es unterzeichnet. „Wir Bürgerinnen und Bürger wenden uns an Sie mit der dringenden Bitte, eine nachhaltige Lösung für die Toilettensituation am Bahnhof schnellstmöglich in die Wege zu leiten“, heißt es zu Beginn. Der Zugang zu Toiletten sei keine Bagatelle, sondern ein Menschenrecht. Der Bahnhof der S7 in Wolfratshausen sei einer der wichtigsten Verkehrsknotenpunkte im Landkreis, erklären die beiden Initiatorinnen Krischke und Lobenstein. Täglich würden hier rund 6200 Fahrgäste ankommen. Hinzu kämen die vielen Nutzer des ÖPNV, die mit den Regionalbussen den Bahnhof erreichten oder von hier aus in den Landkreis starteten.
Für sie alle gebe es seit der Schließung der Gastronomie auf dem Bahnhofsgelände kein stilles Örtchen mehr. Auch in den Zügen der S-Bahn finde man keine sanitären Einrichtungen. Krischke: „Die Reisenden haben also keine Möglichkeit, ihre Notdurft zu verrichten.“ Das bedeute, dass der Großteil der Menschen, die den Bahnhof erreichten, je nach Reiseziel bis zu zwei Stunden unterwegs sein könnten ohne WC. Das sei vor allem für Familien mit Kindern, für Senioren und für Menschen mit körperlichen Einschränkungen ein Problem. Zum Teil sei die Not so groß, dass Fahrgäste sich (nach eigener Aussage) in angrenzenden Gärten erleichterten, weil sie es nicht mehr aushielten.
„International als Menschenrecht anerkannt“: Brandbrief zum Bahnhofs-WC
Die Verfasserinnen des Briefs appellieren an die Adressaten: „Wie Sie wissen, wird der Zugang zu Toiletten international als Menschenrecht anerkannt. Es geht um Menschenwürde und Gesundheit. Auch wenn es in Deutschland keine bundesweit einheitliche gesetzliche Pflicht gibt, Zugang zu Toiletten zu gewährleisten, sehen wir in Wolfratshausen den dringenden Bedarf für eine barrierefreie und zu (fast) allen Tageszeiten erreichbare Toilette am Bahnhof“. Die DB sei in der Pflicht, sich hierfür einzusetzen, insbesondere da das Bahnhofsgebäude ja bereits über Toiletten verfüge.
Der Stadt seien leider die Hände gebunden, da das Grundstück der Bahn AG gehöre, der Stadtrat darauf also nicht einfach etwas planen könne. Wegen der Veränderungssperren im näheren Umfeld, ausgelöst durch die S-Bahn-Verlängerungsplanungen, sei es der Stadt auch dort kurzfristig nicht möglich, eine feste sanitäre Einrichtung zu installieren. Das Angebot von Bürgermeister Heilinglechner, die Stadt könnte die Toiletten von der DB pachten, habe leider keine Zustimmung gefunden.
Krischke und Lobenstein erwarten von Palla und ihrem Stellvertreter, dass diese die (Wieder-)Eröffnung des WCs am Bahnhof in Wolfratshausen unverzüglich prüfen lassen und in die Wege leiten. Von den genannten Politikern erwarten sie Unterstützung dabei. Für ein gemeinsames Gespräch stehen sie zur Verfügung.