Chaos um die S-Bahn: Bürgermeisterin legt nach Brandbrief nach – auch in Wolfratshausen regt sich Ärger

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Die Bahn sorgt wieder für Kritik. © Hans Lippert

Die S7 bleibt unpünktlich, Bahnhöfe verfallen, Sanierungen verzögern sich. Pullach und Wolfratshausen erhöhen jetzt den Druck auf die Bahn.

Unpünktliche Züge, minutenlang geschlossene Schranken, zugige Bahnsteige und Stolperfallen beim Einstieg: Seit der Trennung der früheren S7-Äste in die Linien S7 und S5 ist die Situation entlang der Strecke für viele Fahrgäste zur Geduldsprobe geworden. Die Geduld der Gemeinde Pullach ist nun zu Ende. Nach einem Brandbrief an die Bayerische Eisenbahngesellschaft (wir berichteten) Anfang Dezember liegt inzwischen eine aus Sicht der Gemeinde unbefriedigende Antwort der Deutschen Bahn vor. Daher legt das Rathaus mit einem weiteren Schreiben an den DB-Konzernbevollmächtigten Heiko Büttner nach – mit scharfen Worten und konkreten Forderungen. Auch in Wolfratshausen treibt das Thema viele Menschen um. Bürgermeister Klaus Heilinglechner äußerte kürzlich im Interview mit unserer Zeitung deutliche Kritik. „Der Zustand der Bahn ist sicher nicht gut.“ Mit der Pullacher Bürgermeisterin Susanna Tausendfreund stehe er im Austausch. „Wir sind in Absprache und müssen beharrlich bleiben“, meinte Heilinglechner.

Es macht wenig Sinn, dass wir jetzt alle das Gleiche schreiben. Bei der Bahn landet das wahrscheinlich eh alles auf demselben Stapel.“  

Die Pünktlichkeit der S7 lässt weiterhin zu wünschen übrig. Zwei sogenannte Langsamfahrstellen bei Icking und Höllriegelskreuth bremsen die Züge aus. Wann sie beseitigt werden, ist offen. Pullach verlangt einen verbindlichen Zeitplan. Eigentlich sollte ein Streckenabschnitt bei Icking bereits im Oktober vergangenen Jahres saniert werden – die Arbeiten fielen jedoch aus. Konkrete Informationen, wann und wie es an dieser Stelle weitergehen soll, blieb die Bahn auf Anfrage unserer Zeitung schuldig.

Die Auswirkungen spüren Pendler jeden Tag: verpasste Anschlüsse, längere Fahrzeiten, Unsicherheit bei der Planung. „Die fortwährende Unzuverlässigkeit und Unpünktlichkeit sind für unsere Bürgerinnen und Bürger ein Zeichen der mehr als stiefmütterlichen Behandlung der S7“, heißt es aus dem Pullacher Rathaus. Heilinglechner berichtete von einer Beschwerde der Realschulrektorin. „Die erzählte mir, dass an vielen Tagen der Unterricht in der ersten Stunde nicht stattfinden kann, weil so viele Schüler fehlen.“

Maßnahmen am Wolfratshauser Bahnhof wünschen sich einige Pendler aus der Loisachstadt. Dass kein schattiger Wartebereich zur Verfügung steht, sorgte beispielsweise auf der Bürgerversammlung für Proteste. Seit über zwei Jahren sind auch die WC-Anlagen wie berichtet abgesperrt – „ich frage jede Woche an. Inzwischen kriege ich nicht einmal mehr eine Antwort“, sagte Heilinglechner dazu in der Bürgerversammlung. Auf Bahnhofsumbauten warten auch andere Gemeinden: Seit der Abkopplung der S7 von der Stammstrecke müssen viele Fahrgäste umsteigen – oft an schlecht geschützten, oberirdischen Bahnsteigen. Bei Verspätungen oder Zugausfällen stehen sie im Regen, im Wind oder wie derzeit bei Minusgraden in der Kälte. Dass die Bahn hier auf den Status quo verweist, stößt im Pullacher Rathaus auf Unverständnis. „Die dadurch entstehenden langen Wartezeiten sind für viele Fahrgäste unzumutbar“, heißt es.

Die Gemeinde macht klar: Mit der Antwort der Bahn mag sie sich nicht zufriedengeben. „Wir werden bei unserer Forderung nach kurzfristigen, verlässlichen und konkreten Maßnahmen nicht locker lassen“, kündigt Susanne Tausendfreund an. Klaus Heilinglechner selbst hat wie berichtet nicht vor, einen eigenen Brief ans Verkehrsunternehmen zu verfassen. „Es macht wenig Sinn, dass wir jetzt alle das Gleiche schreiben.“ Bei der Bahn „landet das wahrscheinlich eh alles auf demselben Stapel“.

Hin und wieder ist die Bahn für eine Überraschung gut – wenn auch in diesem Fall für eine eher unvorteilhafte: Bei der Podiumsdiskussion unserer Zeitung zur Bürgermeisterwahl in Geretsried glaubte keiner der fünf Bewerber daran, dass die Verlängerung der S7 bis nach Geretsried in den kommenden Jahrzehnten umgesetzt werde.