Neue Regeln für Strompreise ab 2025: Wer viel erneuerbare Energien nutzt, zahlt deutlich weniger

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Wer in der Nähe eines Windparks oder einer großen Solaranlage wohnt, wird künftig weniger für Strom ausgeben. Die genauen Unterschiede sind jetzt öffentlich.

München – Im Sommer hat die Bundesnetzagentur (BNetzA) einen neuen Plan für die Verteilung der Netzentgelte ab 1. Januar 2025 angekündigt. Demnach sollten Verbraucher in Regionen mit viel erneuerbaren Energien am Strommix-Anteil stärker entlastet werden als solche, die noch viel konventionellen Strom nutzen. Bis zum 15. Oktober hatten die Netzbetreiber Zeit, die BNetzA über ihre konkrete Situation vor Ort zu informieren. Hintergrund ist, dass bis dato die Netzbetreiber mit viel Erneuerbaren-Anteil höhere Netzentgelte von ihren Kunden fordern (müssen), da sie die Kosten für den Umbau des Stromsystems hin zur klimaneutralen Versorgung zahlen müssen. Das hat bisher falsche Anreize gesetzt, die nun geändert werden.

Oberfranken bereitet sich auf den ersten Windpark der BaySF BayernWind GmbH vor. Mit bis zu neun Windenergieanlagen könnte die Region einen bedeutenden Schritt in Richtung erneuerbare Energie machen.
Oberfranken bereitet sich auf den ersten Windpark der BaySF BayernWind GmbH vor. Mit bis zu neun Windenergieanlagen könnte die Region einen bedeutenden Schritt in Richtung erneuerbare Energie machen. © Robert Fischer/Bayerische Staatsforsten

Neue Netzentgelte: So könnten sich die Strompreise 2025 ändern

Die BNetzA hat am 18. Oktober nun alle neuen Netzentgelte der Betreiber in Deutschland ab 1. Januar 2025 bekanntgegeben. Für die 15 größten Netzbetreiber im Land ergeben sich folgende Änderungen:

Netzbetreiber Netzentgelt 2024 (ct/kWh) Netzentgelt 2025 (ct/kWh) Veränderung zum Vorjahr
Bayernwerk Netz GmbH 11,70 10,46 -11 Prozent
E.DIS Netz GmbH 13,95 11,16 -20 Prozent
Mitteldeutsche Netzgesellschaft Strom mbH 10,97 9,83 -10 Prozent
Schleswig-Holstein Netz AG 16,26 11,84 -27 Prozent
Avacon Netz GmbH 11,93 11,64 -2 Prozent
LEW Verteilnetz GmbH 11,34 8,28 -27 Prozent
N-ERGIE Netz GmbH 9,97 9,02 -10 Prozent
WEMAG Netz GmbH 15,84 9,81 -38 Prozent
EWE NETZ GmbH 9,60 8,30 -14 Prozent
TEN Thüringer Energienetze GmbH & Co. KG 12,31 10,18 -17 Prozent
Westfalen Weser Netz GmbH 13,05 12,17 -7 Prozent
Netze ODR GmbH 12,34 8,70 -29 Prozent
EAM Netz GmbH 11,00 10,19 -7 Prozent
ÜZ Mainfranken eG 12,48 7,35 -41 Prozent
naturenergie netze GmbH 11,92 11,99 +1 Prozent

Wie die BNetzA weiter erläutert, sind in den Preisen für 2025 bereits Kostensteigerungen, die die Netzbetreiber bereits angekündigt hatten, enthalten.

„Die Netzentgelte in Regionen mit starkem Zubau von Wind und Sonne sinken spürbar. Jetzt sind die Lieferanten am Zug, diese Vorteile auch an die Kunden weiterzugeben. Verbraucherinnen und Verbraucher können darauf achten, dass diese Vergünstigungen auch bei ihnen ankommen“, sagt Klaus Müller, Präsident der Bundesnetzagentur, bei der Bekanntgabe. In betroffenen Regionen – vor allem im Norden und Osten des Landes, aber auch in großen Teilen Bayerns – sollten die Strompreise für Kunden im neuen Jahr also sinken.

Gesamte Übersicht der neuen Netzentgelte

Auf der Internetseite der Bundesnetzagentur findet sich die gesamte Liste der neuen Netzentgelte.

Strompreise sinken auf Vorkrisen-Niveau: Gas bleibt teuer

Auch abgesehen von den Netzentgelten sind die Strompreise deutlich in den Keller gerutscht. Nach Daten des Vergleichsportals Verivox kostete die Kilowattstunde diese Woche im Bundesdurchschnitt bei den günstigsten Anbietern rund 24 Cent, inklusive Grundgebühr. Zum Vergleich: 2019, vor der Gas-Krise, kosteten vergleichbare Tarife 26,4 Cent.

Das gilt aber nur für Neukundenangebote, die Verbraucher und Verbraucherinnen regelmäßig prüfen sollten. Wer jetzt in einen günstigeren Vertrag wechselt, kann sich das Preisniveau in der Regel für mehrere Monate sichern. Damit sichert man sich gegen mögliche künftige Preisschwankungen ab. Gas liegt dagegen im Bundesschnitt relativ konstant bei 8,7 Cent die Kilowattstunde, deutlich über dem Vorkrisenniveau. Gas wird auch in der Zukunft deutlich steigen, was am CO₂-Preis liegt. Ab 2027 droht vielen Menschen ein Preisschock, da Deutschland dann in den europäischen Emissionshandel eintritt.

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