480 Millionen Euro für Microsoft: Bundestag will sich von US-Software lösen

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Die Kosten des Bundes für Produkte von Microsoft steigen rasant. Der Bundestag will die Abhängigkeit von US-Tech verringern – doch der Umstieg ist komplex.

München – Die Bundesregierung hat im Jahr 2025 nach eigenen Angaben rund 481,4 Millionen Euro für Softwarelizenzen des US-Konzerns Microsoft ausgegeben. Deutlich mehr als in den Jahren zuvor. Das bestätigte die Regierung auf eine parlamentarische Anfrage. 2023 lagen die Kosten demnach bei 274,1 Millionen Euro, 2024 bei 347,7 Millionen. Diese Lizenzkosten umfassen Produkte wie Bürosoftware, Cloud-Dienste und Betriebssysteme, die in der Bundesverwaltung weit verbreitet sind.

Microsoft Deutschland
Die hohen Ausgaben für Microsoft befeuern im Bundestag die Debatte über digitale Abhängigkeiten von US-Konzernen. (Archivbild) © Sven Hoppe/dpa

Innenpolitisch könnte das zum Problem werden: Kritiker warnen, dass hohe Ausgaben an US-Softwarelieferanten nicht nur teuer seien, sondern Deutschland in eine technologische Abhängigkeit von einzelnen Großkonzernen wie Microsoft, AWS oder Google drängen könnten. Laut Wirtschaftswoche betonen skeptische Stimmen die Risiken mangelnder „digitaler Souveränität“ – also die Fähigkeit eines Landes, seine IT-Infrastruktur unabhängig zu kontrollieren.

Warum der Bundestag die Abhängigkeit von US-Firmen reduzieren will

Vor diesem Hintergrund arbeitet der Deutsche Bundestag an einer umfassenden „Digitalstrategie“, die genau diese Abhängigkeit angehen soll. Eine fraktionsübergreifende Kommission prüft derzeit, wie das Parlament seine IT schrittweise von US-Software lösen und stattdessen verstärkt auf alternative, vorzugsweise europäische oder frei zugängliche Open-Source-Lösungen setzen kann, berichtet Table.Media.

Im Zentrum der Überlegungen stehen dabei nicht nur klassische Büroprogramme, sondern auch Cloud-Infrastruktur, Messenger-Dienste und interne Kommunikationsplattformen. Ein Beispiel für einen möglichen Richtungswechsel ist der Messenger „Wire“, der vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) als sicher zertifiziert wurde und demnächst im Bundestag eine größere Rolle spielen soll.

Befürworter der Strategie sehen darin mehr Resilienz und Sicherheit: Öffentliche Verwaltungen sollen weniger anfällig für politische Spannungen oder externe Zugriffsrisiken sein. Im Extremfall könnten Sanktionen oder technische Störungen bei einem US-Anbieter nicht unmittelbar die deutsche Verwaltung lahmlegen.

Microsoft 365 bleibt klarer Marktführer

Trotz dieser Ziele stehen die Pläne vor großen praktischen Hürden. Heute ist Microsoft in vielen Behörden und im Bundestag selbst tief verankert. Tausende Arbeitsplätze nutzen Microsoft 365. Die Umstellung auf neue Systeme würde umfangreiche Schulungen, Datenmigration und Anpassungen bestehender Fachverfahren erfordern.

Daher sprechen manche Experten von einer schrittweisen Transformation statt eines abrupten Cuts: Zunächst sollen hybride Lösungen geprüft werden, in denen europäische Cloud-Plattformen wie die SAP-Tochter „Delos“ eine „Brücke“ bilden könnten. Microsoft-Dienste sollen also nicht sofort ersetzt, sondern in ein souveräneres Umfeld eingebettet werden, berichtet heise online.

Nicht nur Deutschland: Auch Frankreich sucht nach digitalen Alternativen

Die Bundestagsinitiative ist Teil einer größeren europäischen Debatte. Zahlreiche Staaten und Institutionen hinterfragen ihre Abhängigkeit von US-Software und setzen – teilweise aus ähnlichen Gründen – auf freie Software oder nationale Lösungen. Frankreich und andere Behörden suchen etwa Alternativen zu Diensten wie Microsoft Teams oder Zoom. (Verwendete Quellen: Wirtschaftswoche, Table.Media, heise online, AP NEWS)

Информация на этой странице взята из источника: https://www.merkur.de/wirtschaft/480-millionen-fuer-microsoft-bundestag-will-sich-von-us-software-loesen-94161681.html