Strom aus Marokko: Reiches Wirtschaftsministerium unterstützt „Sila Atlantik“

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Das Großprojekt „Sila Atlantik“ könnte Strom im großen Stil von Marokko nach Deutschland leiten. Politik und Wirtschaft treiben die Realisierung voran.

Berlin/Rabat – Aktuell noch eine Vision, könnte das Mega-Projekt „Sila Atlantik“ im Falle einer Realisierung ein Meilenstein für die Stromversorgung in Deutschland werden: Dazu soll ein fast 5000 Kilometer langes Unterseekabel verlegt werden, das Strom aus Marokko entlang der Küsten Portugals, Frankreichs, Belgiens und der Niederlande bis nach Deutschland transportiert. Energie-Expertinnen und -Experten versprechen sich viel von dem Mammut-Projekt.

Eine riesige Solaranlage in Ouarzazate © IMAGO / Depositphotos und IMAGO / Xinhua

Und wie nun bekannt wurde, bekommt das Projekt auch vom Bundeswirtschaftsministerium unter Katherina Reiche (CDU) Unterstützung. Und auch die Deutsche Bahn meldete sich als einer der ersten großen potenziellen Abnehmer des Stroms aus Marokko.

Interesse an „Sila Atlantik“ wächst in Politik und Wirtschaft

Das Interesse am marokkanischen Strom, der Deutschland über das längste Stromkabel der Welt erreichen soll, wächst auf politischer und wirtschaftlicher Ebene. Aktuell macht Bundeswirtschaftsministerium für das Großprojekt bei der marokkanischen Regierung stark. In einem Schreiben von Wirtschaftsstaatssekretär Frank Wetzel an Marokkos Investitionsminister Karim Zidane heißt es, Deutschland begrüße das Vorhaben, wie das Handelsblatt unter Berufung auf das Schreiben berichtet.

Wetzel betont im Schreiben „die Ambitionen und das Potenzial“ des Projekts, verweist aber auch auf die seit 2012 bestehende marokkanisch-deutsche Energie-Partnerschaft. Deutschland sei sehr an einem weiteren Austausch über das Projekt interessiert, schreibt er. Und auch in Kreisen der Projekt-Urheber herrscht Zuversicht. Die Initiative befände sich bereits „in sehr konstruktiven Gesprächen mit der marokkanischen Regierung“, betonte einer der Gründer des Projekts „Sila Atlantik“, conEnergy-Geschäftsführer Roman Dudenhausen, gegenüber dem Handelsblatt.

„Sila Atlantik“ würde marokkanischen Strom 4800 Kilometer weit nach Deutschland befördern

Die Größenordnung des Projekts hat es in sich: Insgesamt sollen 15 Gigawatt Wind- und Solarkraftanlagen installiert werden, die jährlich bis zu 26 Terawattstunden Strom erzeugen, berichtete das Onlinemagazin Life Verde im Herbst (6. Oktober). Damit würde „Sila Atlantik“ fast fünf Prozent des gesamtdeutschen Strombedarfs erzeugen. Ein Wert, der die immer wieder von Dunkelflauten geprägte deutsche Menge verfügbaren Stroms stabilisieren könnte. Darin scheinen sich die Projektinitiatoren, sowie die deutsche Politik und Wirtschaft einig.

Und auch die Deutsche Bahn hat sich bereits als einer der ersten möglichen Großkunden des marokkanischen Stroms ins Spiel gebracht. In einem Schreiben der DB Energie GmbH an den Staatssekretär heißt es, große Mengen von Solar- und Windstrom aus Marokko wären „eine reizvolle Lieferoption“.

Die Deutsche Bahn ist der größte Stromverbraucher in Deutschland. Nach Angaben des Unternehmens stammen heute etwa 70 Prozent des Stroms, den die Bahn nutzt, aus erneuerbaren Quellen, berichtet das Handelsblatt. Ziel der DB ist es, 2038 ausschließlich mit grünem Strom zu fahren. „Sila Atlantik“ könnte einen entsprechenden Beitrag auf dem Weg dahin leisten.

Für „Sila Atlantik“ wären Investitionen im Bereich von 30 bis 40 Milliarden Euro nötig

Auch wenn bereits die Vorgängerregierung aus FDP, SPD und Grünen „Sila Atlantik“ als „sehr interessantes“ Projekt einstufte, mahnte das Bundeswirtschaftsministerium im Herbst zur Vorsicht: Zu jenem Zeitpunkt sei es für eine abschließende Bewertung noch zu früh gewesen, zumal mit dem riesenhaften Projekt auch immense Kosten verbunden wären: Investitionen im Bereich von 30 bis 40 Milliarden Euro, wie Life Verde berichtete. 

Auch müssen verschiedene europäische Anrainerstaaten dem Projekt zustimmen, da das Kabel eben die Seegebiete der iberischen Halbinsel, Frankreichs, Belgiens und der Niederlande kreuzt. Experten warnen auch vor engen Lieferketten bei Seekabeln und Windturbinen, weshalb die Projektverantwortlichen sogar den Aufbau eigener Fertigungsanlagen in Marokko planen. 

Doch die weit fortgeschrittenen Planungen der 15 Gigawatt starken Windkraft- und Solar-Anlagen geben Hoffnung. Ebenso wie die Tatsache, dass sich Energie aus Windkraft- und Solaranlagen in Marokko weitaus konstanter erzeugen lässt als in Deutschland, und damit hier im Umkehrschluss auch die Systemkosten senken würde. Ein weiterer Ansatz des Projekts ist, die für die Unterseeleitungen notwendigen Kabel in Deutschland herzustellen: „Wir sehen darin eine Chance und werben für den Bau einer Kabelfabrik in Deutschland“, sagte Projektinitiator Dudenhausen dem Handelsblatt weiter. Aktuell würden Gespräche darüber mit Unternehmen und politischen Akteuren geführt, so Dudenhausen weiter. (Quellen: Handelsblatt, Life Verde) (fh)

Информация на этой странице взята из источника: https://www.merkur.de/wirtschaft/strom-aus-marokko-wirtschaftsministerium-unterstuetzt-sila-atlantik-94161487.html