Aus Wein werde Gold: Die Kapelle auf dem Vestbühl wurde aus Steinen der mittelalterlichen Burg Eschenlohe erbaut

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Die Nikolauskapelle auf dem Vestbühl wurde im 17. Jahrhundert mit den Steinen der mittelalterlichen Burg Eschenlohe erbaut. Die lebensgroße Kreuzigungsgruppe stammt aus dem 19. Jahhundert. © Günter Bitala

Von der Ortsmitte aus Richtung Süden, kommt man nach etwa 15 Minuten zum Vestbühl. Der Weg hinauf, entlang eines Feldkreuzweges ist ein bisserl steil, aber auch für ungeübte Wanderer gut zu gehen. Oben auf einem Plateau stand die mittelalterliche Burg Eschenlohe; heute sind dort eine Kreuzigungsgruppe und die Kapelle St. Nikolaus zu finden. Die Burg war Stammsitz der Grafen von Eschenlohe.

Eschenlohe - Von welchem Geschlecht sie ursprünglich abstammten, darüber gibt keine Quelle Auskunft. Vermutlich waren sie mit den Grafen von Andechs verwandt – da gibt es eine Reihe von Verbindungen.

Erst zu Beginn des 13. Jahrhunderts durften sich die ‚Herren‘ von Eschenlohe ‚Grafen‘ nennen. Sie waren einflußreich und wohlhabend. Ihnen gehörte die Grafschaft Partenkirchen, Güter rund um den Staffelsee, im Inntal und in Südtirol. Als Lehen war die Burg Eschenlohe im Ultental (Südtirol) in ihrer Obhut.

Im 12. und 13. Jahrhundert wurden die Eschenloher in vielen Urkunden erwähnt. Kaufverträge mussten sie beglaubigen, Streitigkeiten als Zeugen schlichten. Berchtold II. und Heinrich von Eschenlohe taten sich dabei besonders hervor; lediglich Graf Albrecht von Tirol war zu dieser Zeit auf mehr Urkunden vertreten.

Der letzte seiner Familie

Graf Berchtold III. war der letzte seiner Familie, weil er nämlich – so die Erzählung – anstatt dem Eheweibe, lieber saftigem Braten und edlen Tropfen zusprach.

So kam es, dass er seinen rießigen Besitz 1294 an den Bischof von Augsbrug verkaufen musste. 1332 ging ein Teil des ehemaligen Besitzes der Eschenloher an Kaiser Ludwig der Bayer über.

Den anderen Teil – die Grafschaften Partenkirchen und Mittenwald – übernahm Bischof Enicho von Freising. So kommt es, dass Eschenlohe heute genau auf der Grenze der Diözesen Augsburg und München-Freising liegt.

Herrlicher Blick aufs Murnauer Moos

Die ehemalige Burg Eschenlohe zerfiel. Die Steine der Ruine nutzte Abt Ottmar von Ettal im Jahr 1628 um damit die heutige Kapelle auf dem Vestbühl zu bauen.

Der Mönch weihte das Gotteshaus dem Heiligen Nikolaus. Aus Sicherheitsgründen ist das Kircherl öffentlich nicht zugänglich, aber durch ein Seitenfenster läßt sich die geschnitzte Nikolaus-Skulptur von dem Weilheimer Kistler Bartholomäus Steinle gut sehen.

Die Figur ist wahrscheinlich zwischen 1620 und 1628 entstanden und stellt die Nikolausgeschichte mit den drei goldenen Kugeln dar. Eine Besonderheit der Kirche ist eine geschnitzte Kassettendecke mit Rosetten und einem Heiligen Geist. Diese Kassettendecke stammt aus der späten Renaissance oder dem Frühbarock.

Die zwölfte Station, des auf den Berg führenden Kreuzweges, bildet eine lebensgroße Kreuzigungsgruppe (1885) an der Nordseite der Nikolauskirche. Ein Bankerl lädt zur Rast ein. Von dort aus belohnt ein herrlicher Blick auf das Dorf Eschenlohe und das Murnauer Moos für die Mühen des Aufstiegs.

Pfarrer Franz-Xaver Fischer kaufte 1887 die Terrakotta-Figuren der Ölbergszene am Beginn des Aufstiegs zum Vestbühl. Gleich daneben geht es in einen Stollen, durch den man unter dem Berg durchgehen kann.

Weinvorrat bis in den Tod

Noch einmal zurück zu den Grafen von Eschenlohe. Von Berchtold III. gibt es eine nette Geschichte: Im Kaufvertrag mit ‚Augsburg‘ ließ sich der gräfliche Trunkenbold eine jährliche Lieferung von fünf Fuder bestem Südtiroler Rotwein zusichern.

Obwohl der alte Graf sich sichtlich bemühte, den süffigen Roten weg zu trinken, schaffte er es zeitlebens nicht, den Keller zu leeren. Der Legende nach muss er deswegen nach dem Tod als Geist in das Gewölbe seiner ehemalien Burg steigen, um den Weinvorrat innerhalb einer Nacht zu vertrinken; erst dann wäre seine Seele erlöst.

Findet der Alte jedoch einen trinkfesten Freund, der ihm bei dem Saufgelage beisteht, verwandelt sich der Inhalt der letzten Kanne in pure Goldstücke. Diese dürfe der Saufkumpan dann behalten. Seit dem 14. Jahrhundert ist kein Träger des Namens Eschenlohe auf bayerischem Gebiet mehr nachweisbar.

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