Er hat den Saal gerockt: Trauer um Taufkirchens ehemaligen Kulturamtsleiter

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Taufkirchens ehemaliger Kulturamtsleiter Michael Blume 2015 bei der Programmplanung im Büro gegenüber dem Rathaus. © Marc Schreib

Taufkirchens ehemaliger Kulturamtsleiter Michael Blume ist mit 64 Jahren gestorben. Viele Jahre war er in der Münchner Clubszene aktiv. In Taufkirchen hob er das Kulturprogramm auf ein neues Niveau.

Taufkirchen - Fast zehn Jahre lang hat Michael Blume das Kulturzentrum Taufkirchen geleitet. Er selbst hätte vielleicht ein passenderes Wort gewählt: Er hat den Saal gerockt. In den Blume-Jahren hat sich die Abonnentenzahl für Kulturveranstaltung verdoppelt, die Auswahl an Künstlern wuchs stark an, der Kultursaal und das Ambiente wurden ordentlich aufgewertet. Jetzt ist der gebürtige Rheinländer im Alter von 64 Jahren gestorben. Bereits vor eineinhalb Jahren musste er seine Arbeit in Taufkirchen wegen einer schweren Erkrankung beenden.

Event-Locations in München entwickelt

Bis zu seiner letzten beruflichen Aufgabe in Taufkirchen hat Michael Blume im Haifischbecken der Münchner Clubszene getaucht. Vor Jahrzehnten ließ er die Zenit-Halle sanieren, gründete das Kessel-Haus neu und entwickelte Event-Locations. Parallel war Blume im Umfeld des Münchner Hallenmoguls Wolfgang Nöth aktiv. Er war glücklich und erfolgreich in kleinen Clubs wie dem Atomic Café unterwegs, aber auch im Babylon, der Tonhalle und in seinem eigenen Club Incognito. Die größten Erfolge in seiner Karriere waren jedoch mit Abstand die Open Airs im Olympiastadion mit Herbert Grönemeyer und Robbie Williams, als dieser sich auf dem Karrierehöhepunkt befand.

Mit Grönemeyer im Knast

Mit Grönemeyer hatte er eine witzige Begegnung und sagte dazu gerne kurz und knapp: „Ich war mit ihm im Knast.“ Blume hatte in Aachen eine Tournee-Agentur Anfang der 1990er Jahre, und da gab es ein Spiel in der Jugendstrafanstalt Siegburg. Grönemeyer, Blume und ein paar weitere Fußball verrückte Jungs in einer Mannschaft spielten gegen die Knast-Auswahl. Die Jugendlichen habe aus den Zellen auf den Sportplatz geschaut. Blume: „Manchmal hast du eben das Glück, mit dem Künstler eine schöne Zeit zu verbringen.“

Mit Aerosmith und Cher unvergessliche Abende erlebt

So ging es ihm auch bei dem Auftritt von Aerosmith Anfang der 2000er Jahre. Man besuchte die damalige Edelbar Schumanns in der Maximilianstraße, wo die Band einen unvergesslichen Abend mit dem Gastgeber erlebte. Auch Cher kam in die Metropole, Blume empfing. Sie residierte im damaligen Hotel Mandarin und kam mit Limousine in den Olympiapark. Auf die wilde Zeit in München folgte dann eine sehr viel ruhigere in Taufkirchen. Trotzdem setzt sich Blume ehrgeizige Ziele, die er in dem Satz zusammenfasste: „Alle müssen sich hier wohlfühlen: die Gäste, die Künstler, die Mitarbeiter, einfach alle.“

Er krempelte das Kulturprogramm um

Mit 53 Jahren nahm Blume die Arbeit als Kulturamtsleiter im Ritter-Hilprand-Hof auf und gewann die Sympathie der Gäste. Relativ schnell merkten die regelmäßigen Taufkirchner Kulturgänger, dass nicht nur das Programm entstaubt werden sollte. Der ehemalige Event-Manager wollte auch das Standortimage aufpolieren. Ritter-Hilprand-Hof. Das klang ihm viel zu zopfig und veraltet. Kurze Zeit nach dem 25-jährigen Bestehen des Kulturgebäudes neben dem Rathaus wurde das gesamte Marketing auf das Kultur- und Kongresszentrum Taufkirchen umgestellt, der Ritter wurde eingemottet und nur zum Starkbieranstich noch für eine Rede hervorgeholt.

Stattdessen gab der Rheinländer die Losung aus, den „schlafenden Riesen“ zu wecken. Er warb mit Erfolg für Sanierung, neue Ton- und Lichttechnik, eine Theke. Die Künstler fühlten sich bei ihm wohl, die Garderobe und den Backstagebereich hatte er auf Vordermann gebracht. Kaffeeautomat, Knabberzeug, ein eigener Kühlschrank, der nicht leer sein durfte. Blume führte das und noch viel mehr ein. Das reine Verwalten lag ihm nicht. Seit seinem 20. Lebensjahr, das gestand er gegenüber dem Münchner Merkur ein, gilt für ihn: „Ich bin ein Workaholic und ein Nerd.“

Er kämpfte sich immer wieder zurück ins Leben

Vor fünf Jahren pries Michael Blume sein kulturelles Angebot noch mit den Worten an: „Das Beste kommt zum Schluss.“ Die beste Nachricht aber war, dass er sich erholt hatte. Fünf Monate musste der Kulturamtsleiter schon im Jahr 2019 im Krankenstand verbringen, einen Teil davon auf der Intensivstation. Ein Herzproblem war die Ursache für Lungenentzündungen, die nur schwer behandelbar waren. Trotzdem kommunizierte er vom Krankenbett aus mit dem Rathaus und kämpfte sich wieder zurück ins Leben. Aber die Coronazeit war für ihn als Mann, der für das Publikum da sein wollte, sehr schwierig. Seinen Ruhestand hätte er laut Konzertveranstalter und Freund Thomas Bohnet gerne in seiner zweiten Heimat, Roquetas de Mar, an der Costa de Almería in Spanien verbracht. Das jedoch war ihm nicht vergönnt.

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