Die Kinderbeichte ist umstritten. Allein schon die Situation, dass ein Kind „Nein“ sagen oder sich gar rechtfertigen muss, gehört verhindert, kommentiert Redakteurin Felicitas Bogner.
Hand aufs Herz: Für wen war die Beichte vor der Erstkommunion ein schönes Erlebnis? Wieso erinnert man sich noch so gut an diesen Tag? Weil es ein zwangloser Plausch über Themen war, die Achtjährige bewegen?
Ich jedenfalls erinnere mich an meine Kinderbeichte sehr genau, aber nur deshalb, weil es für mich extrem unangenehm war. Ich habe es als unnatürlich empfunden, meine Gefühle, Gedanken oder Geheimnisse einem mir weitestgehend fremden Mann anzuvertrauen. Ich habe nicht verstanden, wieso ich das machen sollte.
Wissenschaftlicher sagen klar: Das kindliche Gehirn ist nicht reif für die Beichte
Heute weiß ich, dass meine Reaktion normal war. Wie Dr. Elke Wagner und zahlreiche andere Ärzte und Wissenschaftler klar sagen: Das kindliche Gehirn ist für derartige Reflexionen nicht reif. Daher liegt es an unserer Generation, die Kleinen zu schützen.
Zwar versichern einige Geistliche, dass keiner zum Beichtgespräch gezwungen werde. Aber das reicht nicht. Allein schon die Situation, dass ein Kind „Nein“ sagen oder sich gar rechtfertigen muss, gehört verhindert. Das überfordert und ist einem Grundschüler nicht zuzumuten.
Kritische Punkte wegen der Missbrauchsfälle bleiben
Ich finde die Herangehensweise von Pfarrer Simon Tyrolt nicht schlecht. Nach dem Bußgottesdienst, der durchaus im katholischen Glauben seine Berechtigung hat, kann jeder, der möchte, zur Beichte. Wer nicht will, kann einfach nach der Messe gehen. Damit schafft Tyrolt ein niedrigschwelliges Angebot und lässt die Entscheidung wirklich frei. Wenn man denn schon an der Kinderbeichte festhalten will, dann ist das in Kombination mit einer transparenten Vorbereitung von Familie und Kind der einzig vertretbare Weg.
Kritische Punkte bleiben trotzdem. Denn viel schwerer wiegen die Missbrauchsfälle, zu denen es bei Beichtgesprächen bereits kam. Es liegt an der Kirche, sich ihrer Vergangenheit und den wissenschaftlichen Tatsachen zu stellen und neue Wege zu finden. Kindeswohl hat Priorität vor dem starren Festhalten an Sakramenten.