Alex Blania will das Internet im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz revolutionieren – und das gemeinsam mit dem Kopf hinter ChatGPT.
München / Erlangen / San Francisco – Beim renommierten TIME-Magazin steht er in der Liste der „TIME100 AI 2025“, der 100 einflussreichsten Persönlichkeiten aus der KI-Branche im Jahr 2025 – neben weltbekannten Tech-Größen wie Mark Zuckerberg, Elon Musk und Jensen Huang, dem CEO von Nvidia. Doch wer ist der nahe Nürnberg geborene Alex Blania, der nun in den USA für Aufsehen sorgt?
„Tools for humanity“: Tech-Firma will echte Menschen ins KI-dominierte Netz (zurück-)holen
KI hat binnen kürzester Zeit die Welt erobert. Fast jeder nutzt sie inzwischen täglich, sei es aktiv mittels der App von ChatGPT oder passiv mittels Gemini, der Google-KI, die Nutzer bei der Websuche unterstützt. Zunehmend fluten auch von der Realität kaum mehr unterscheidbare KI-generierte Inhalte das Web: Bei Fotos, Videos, Texte war noch vor wenigen Monaten klar erkennbar, dass sie nicht echt sind. Heute sind sie dagegen fast realitätsgetreu – was es umso schwerer macht, sich nicht blenden zu lassen. Unser Gehirn hat doch eben erst gelernt, dass es KI-Inhalte sofort erkennt.
Eine weitere Gefahr: KI-Agenten, die sich als echte Menschen ausgeben, politisch Stimmung machen in sozialen Netzwerken, Identitätsdiebstahl unterstützen, Betrugsmaschen ausführen. An diesem Punkt setzt das Unternehmen „Tools for humanity“ (Kurz: TFH) an, ein laut Website „Technologieunternehmen, das im Zeitalter der KI für Menschen entwickelt“.
„Netzwerk echter Menschen“ – Datenschützer sehen Iris-Scan kritisch
Wichtigstes TFH-Projekt: „World", das „Netzwerk echter Menschen“. Ziel ist es, mithilfe von „World“ online zwischen KI und Menschen unterscheiden zu können. Voraussetzung dafür ist, dass die User bei der Anmeldung einen Scan ihrer Iris machen lassen, sich eine kostenlose „World ID“ holen. „Nutze World ID, um zu beweisen, dass du ein echter und unverwechselbarer Mensch bist (und kein Bot), um auf Dinge zuzugreifen, die nur für Menschen sein sollten, wie Konzertkarten, Videospiele, limitierte Merch-Drops und Dating-Apps“, schreibt das Unternehmen. Dafür muss man zu einem der mehr als 600 Standorte weltweit und seine Iris durch den Orb scannen lassen.
Gegründet wurde das Unternehmen von OpenAI-Chef Sam Altman – der Kopf hinter ChatGPT –, Max Novendstern und Alex Blania. Letzterer wurde in der Nähe von Nürnberg geboren, in Mimberg, einem Gemeindeteil von Burgthann im Landkreis Nürnberger Land. Blania studierte Physik und Wirtschaftsingenieurwesen an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU). Kürzlich erzählte er seiner Uni von seinem Studentenleben und nachfolgendem Werdegang als Alumni.
Heute pendelt der Franke zwischen San Francisco, seiner Heimat Mimberg und München, wo sein Unternehmen ein größeres Büro hat. „Obwohl ich hauptsächlich in San Francisco bin, bin ich immer noch recht oft in Deutschland“, so Blania im Gespräch mit der FAU.
„Tools for Humanity“ in Bayern geprüft – Tech-Firma kündigt Klage gegen Entscheidung an
Gibt es bei Blanias Unternehmen TFH also Sicherheit und Authentizität im Austausch für die biometrischen Daten? Wenig überraschend sahen Datenschützer die Praktik der Firma kritisch. Das Bundesinnenministerium warnte zunächst vor der Nutzung, das Bayerisches Landesamt für Datenschutzaufsicht (BayLDA) hat eine Basisprüfung des Projekts durchgeführt und schreibt Ende 2024 im offiziellen Bericht: „Im Ergebnis bleiben trotz der bereits eingeleiteten Verbesserungen noch Anpassungen erforderlich, um die Datenverarbeitung des Unternehmens in Einklang mit den geltenden Vorschriften zu bringen.“
Ein den „Regelungen der DSGVO entsprechendes Löschverfahren“ müsse bereitgestellt werden, dazu müsse das Unternehmen für bestimmte Verarbeitungsschritte ausdrückliche Einwilligungen der Nutzer einholen und „wird von Amts wegen die Löschung bestimmter, bisher ohne ausreichende Rechtsgrundlage erhobener Datensätze angeordnet“. „Tools for Humanity“ habe angekündigt, gegen die Entscheidung Klage einzureichen. Auch mit anderen europäischen Staaten gibt es Diskussionen, Spanien hat „World“ kurzerhand verboten.
Millionen Nutzer, Partnerschaften, ambitionierte Ziele: World will die Welt erobern
Für das World-Projekt, das unter anderen auch eine gleichnamige Kryptowährung beinhaltet, die an User ausgeschüttet wird, geht der Aufstieg derweil weiter. Inzwischen verzeichnet es etwas mehr 37 Millionen App-Nutzer weltweit. Etwas mehr als 17 Millionen von ihnen ließen sich per Iris-Scan verifizieren. Mit „Razer, einem Hersteller von Gaming-Zubehör, gibt es eine erste große Partnerschaft, um bei Online-Spielen Bots von echten Menschen zu unterscheiden. Das selbstbewusst formulierte Ziel von TFH: eine Milliarde Nutzer. (Quellen: Eigene Recherche, Tools for Humanity, World, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Bayerisches Landesamt für Datenschutzaufsicht), (fhz)