Es ist der Ungehorsam, der Goethes „Zauberlehrling“ in die Bredouille bringt. „Die Zauberlehrlinge“, die die Junge Bühne Landsberg auf die Bühne ruft, sind ebenso ungehorsam – aber auch mutig, selbstdenkend und selbstbewusst. Zumindest am Ende des Stückes: nach einem wilden Ritt durch Farben, Musik und humorvoller Leichtigkeit.
Landsberg – Goethe reichte für seine Ballade noch ein störrischer Lehrling, der gegen das strikte Zauberverbot seines Meisters aufbegehrte und mit „Walle walle!“ und Besenunterstützung das Meister-Heim unter Wasser setzte. Bei der Jungen Bühne Landsberg wird aus dem einen gleich eine ganze Schar „Zauberlehrlinge“: eine Mannschaft aus mehr oder weniger magisch begabten Nachwuchstalenten, die ihrer Meisterin, Hofzauberin Philovetemis, den letzten Nerv rauben – aber sie am Ende mit Witz und Mut retten.
„Die Zauberlehrlinge“ der Jungen Bühne Landsberg: Musiktheater mit lokaler Unterstützung
Den Anfang macht noch ganz Weltliches: Toni – eigentlich Regine, wie sich später herausstellt – wird gemobbt und von seinen Mitschülern in eine Truhe eingesperrt. Dort flattert ihm ein Zauberbuch vor die Nase – mit dem er die in Gegenstände verzauberten Lehrlinge Philovetemis‘ befreien kann. Das ist der Startschuss zu dem magischen Treiben des Stückes, in dem es um Zauberbanken, Königinnen, Schlangen und böse Magier geht. Aber vor allem um Selbstvertrauen, Mut, um Entschlossenheit und Freundschaft.
Das Stück hat die Leiterin der Jungen Bühne Landsberg, Theaterpädagogin Julia Andres, zusammen mit ihren Schülerinnen und Schülern erarbeitet. „Irgendwann kam dann die Idee, auch Musik dazu zu nehmen“, erzählt Andres bei der Premiere am Mittwoch. Und als diese Idee immer größer wurde, griff man zum benachbarten Strohhalm: der Städtischen Musikschule Landsberg und ihrer Leiterin Birgit Abe. „Sie hat dann kurzerhand ein kleines Ensemble zusammengestellt“, berichtet Andres. Ein Ensemble, das Abe auch mit hörbarem Erfolg weiterhin musikalisch angeleitet hat.
Die ‚Zauber-Band‘ spielt im Stück mit,ist aber zugleich auch Zuschauer: Die Musikerinnen und Musiker blicken aus dem Bühnen-Olymp aus goldenen Bilderrahmen auf die Zauberwerkstatt hinab und kommentieren das Treiben mit Blicken und Gesten. In der unteren Etage wallt es: Zauberlehrlinge, miese Banker, eine Köchin samt sprechendem Holzklotz und lebendigem Sack, Architekten und Magier, allesamt mit langen, an Andersens Meerhexe erinnernden Wollhaaren, tummeln sich in dem detailverliebten und bombastischen Bühnenbild. Selbst die Büchertitel sind gestaltet, Mäuse flitzen durch die Regale und in der königlichen Loge verfolgt Hochwohlgeboren das Geschehen. Kolben brodeln, die Garderobe führt ein eigenwilliges, vielhändiges Eigenleben und der mit dem schwarzen Vorhang verschmelzende Besen, als Zitat zu Goethe, kehrt fast wie von Geisterhand über den Boden – auch wenn es dessen geschwärztes Gesicht nicht unbedingt gebraucht hätte.
Die Schlangen Hanni und Nanni mit rappenden Marktfrauen bei der Jungen Bühne Landsberg
So wie das Bühnenbild und die atemberaubenden Kostüme von der Jungen Bühne selbst gemacht sind, ist auch die Musik selbst komponiert: samt Liedtexten, die das Ensemble mit Stimmen und Instrumenten gekonnt zum Klingen bringt. Da rappen die zwei Marktfrauen, kostümlich angelehnt an Schneeweißchen und Rosenrot, das Bilderrahmen-Orchester spielt eine angeschrägte „Kleine Nachtmusik“ oder die lispelnd zischenden Schlangen des bösen Zauberers Xenos seilen sich akrobatisch vom Bühnenhimmel ab – wobei deren Namen, Hanni und Nanni, der Gefahr gleich deutlich die Schärfe nehmen. Was die Reptilien allerdings nicht daran hindert, auf Befehl ihres Meisters der Zauberin Philovetemis bildlich, musikalisch und wörtlich das A zu stehlen. Bewundernswert, wie deren Darstellerin fast bis zum Ende ihren umfangreichen Text ohne jegliches A spricht.
Was die Junge Bühne Landsberg mit der Inszenierung der „Zauberlehrlinge“ präsentiert, ist ein Spektakel voller Farbe, Engagement, Klang und unbegrenzter Spiel- und Fabulierlust. Dass die Handlung nicht immer ganz griffig ist und etwas vor sich hin wabert, tritt da zurecht in den Hintergrund. Und dass nicht jedes der jungen Talente die Texte laut genug spricht oder deutlich genug singt, ist auch der Technik geschuldet, die mit einfachen Mitteln dennoch Magisches vollbringt.
Im Zauber-Tohuwabohu sticht die Detailverliebtheit auch in den humorigen Akzenten auf: Da sind die Köchin sowie die lernfaulen Lehrlinge Pit und Pat, die die Rollen der Närrinnen übernehmen. Der Architekt strahlt in Gold, ein eitler Fatzke, aber wunderschön anzusehen. Nicht zu vergessen das Dinner-for-One-Zitat: ein Tiger- alias Stoffbärenkopf samt Fell, der die Mitte des Zauberwerkstattbodens ziert und der gekonnt von allen Mimen umrundet und übersprungen wird.
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Das Stück „Die Zauberlehrlinge“, das die Junge Bühne euch am heutigen Freitagabend ein letztes Mal um 19 Uhr im Stadttheater Landsberg aufführt, macht Lust auf mehr. Und dieses Mehr soll auch Usus werden: Jedes Jahr ein eigenes Stück, verspricht Andres. Wir drücken die Daumen.
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