Trumps Aggressionen gegen Grönland werfen ihren Schatten auf die Fußball-WM 2026. Ein CDU-Politiker bringt erstmals auch einen Boykott des Turniers ins Spiel.
Berlin – Die Fußball-WM 2026 in den USA, Kanada und Mexiko gerät zunehmend in den Schatten geopolitischer Spannungen. Während sich FIFA-Präsident Gianni Infantino bei der Gruppenauslosung demonstrativ bei US-Präsident Donald Trump anbiederte, eskaliert parallel der Konflikt um Grönland zwischen den USA und Dänemark. Trumps wiederholte Drohungen mit einem möglichen Militäreinsatz zur Übernahme der autonomen dänischen Insel bringen nun sogar einen deutschen WM-Boykott ins Gespräch.
„Eine Turnierabsage käme allenfalls als Ultima Ratio in Betracht, um Präsident Trump in der Grönlandfrage zur Vernunft zu bringen“, erklärte CDU-Politiker Jürgen Hardt im Gespräch mit der Bild-Zeitung. Hardt ist außenpolitischer Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag und somit kein politisches Leichtgewicht. Auch wenn Hardt betont, dass ein Boykott nur der letzte Ausweg wäre, ist er damit der erste Politiker aus dem Umkreis von Bundeskanzler Friedrich Merz, der eine Absage für die Fußball-WM 2026 öffentlich in den Raum stellt.
WM-Boykott wegen Grönland? „Hohen Stellenwert“ für Trump
Trump habe in der Vergangenheit klar gemacht, „welch hohen Stellenwert die WM für ihn hat“, argumentiert Hardt im Gespräch mit der Bild-Zeitung weiter. Ein Boykott des Turniers könnte ihn also empfindlich treffen. Dennoch zeigte sich Hardt, „zuversichtlich, dass wir in der Grönlandfrage innerhalb der NATO zu einem besseren gemeinsamen Sicherheitsverständnis gelangen.“
Trump hat in den vergangenen Wochen mehrfach betont, dass die USA Grönland aus Gründen der nationalen Sicherheit bräuchten. So soll unter anderem der von Trump geplante Raketenabwehrschirm „Golden Dome“ von Grönland aus agieren, um Schutz gegen russische Mittel- und Langstreckenraketen zu bieten. Beobachter vermuten jedoch auch ein Interesse an den zahlreichen Bodenschätzen und der Kontrolle über neue Seerouten in der Arktis als Trumps Motiv.
Der US-Präsident hatte auch bekräftigt, dass eine Stationierung weiterer US-Truppen auf Grönland im Rahmen der NATO nicht ausreichen würde. Er machte klar, dass es ihm um den langfristigen Besitz von Grönland geht. „Wir sprechen über Erwerb, nicht über eine Pacht“, sagte er. Dänemark und Grönland weisen Trumps Besitzansprüche seit Wochen mit Unterstützung zahlreicher europäischer Partner – darunter Deutschland – vehement zurück.
Trump droht Grönland: Deutscher WM-Boykott als mögliche Reaktion?
Dass es wegen des Streits um Grönland tatsächlich zu einem Boykott der Fußball-WM durch Deutschland kommt, ist jedoch äußerst unwahrscheinlich. Sport-Staatsministerin Christiane Schenderlein (CDU) äußerte sich mit Blick auf mögliche Konsequenzen im Kontext der Fußballweltmeisterschaft zurückhaltend. Zuständig seien „die dafür verantwortlichen Verbände, in diesem Fall DFB und FIFA“, erklärte sie gegenüber der Bild.
Turnierabsagen sind in der langen Geschichte des DFB jedoch bislang kein Thema gewesen. Auch bei der Fußball-WM 2022 in Katar entschied sich Deutschland – ebenso wie alle anderen Verbände – trotz massiver Kritik an den Menschenrechtsbedingungen im Land gegen echte Konsequenzen und nahm wie geplant an dem Turnier teil. Ebenso stimmte der DFB für die Vergabe der Fußball-WM 2034 an Saudi-Arabien – ein Land, das als noch repressiver gilt als Katar und dessen Premierminister Mohammed bin Salman im Jahr 2019 die Ermordung des Journalisten Jamal Khashoggi angeordnet hatte.
Eine Absage gab es hingegen bei den Olympischen Spielen 1980 in Moskau. Damals schloss sich die BRD dem von den USA angeführten Boykott der Spiele wegen des Einmarsches russischer Truppen in Afghanistan an. Sollte Donald Trump sich bis zum Sommer nicht doch noch für ein militärisches Vorgehen gegen Grönland entscheiden, dürfte das der vorerst letzte Boykott einer Sport-Großveranstaltung durch Deutschland bleiben. (Quellen: Bild, dpa, afp, eigene Recherchen) (fdu)