NATO-Länder starten eine Mission auf Grönland mit militärischem Personal – auch um Trump zu besänftigen. Ein Land zieht nicht mit.
München – Donald Trump will Grönland, alles andere sei „inakzeptabel“. Das machte der US-Präsident rund um den ergebnislosen Gipfel mit Vertretern aus Dänemark und Grönland in den USA klar. Die Reaktionen auf die immer lauter werdenden Machtansprüche Trumps folgen dennoch. Etliche NATO-Länder entsenden Militär nach Grönland. Nur eins verweigert sich.
Unter anderem hat Frankreich erste Soldaten entsandt, auch aus Schweden sind schon Truppen angekommen. Weitere Länder wie Norwegen, Finnland, die Niederlande oder Großbritannien beteiligen sich ebenfalls. Und auch Deutschland schickt 13 Bundeswehrsoldaten zur Erkundungsmission auf die flächenmäßig größte Insel der Welt. Italien hingegen will nicht mitziehen.
NATO-Länder schicken Soldaten nach Grönland – Italien-Minister hält Mission für „Witz“
Aus Rom kommen viel mehr kritische Töne gegenüber der Mission der NATO-Länder. „Was machen hundert, zweihundert oder dreihundert Soldaten jeglicher Nationalität in Grönland?“, zitiert der Corriere Italiens Verteidigungsminister Guido Crosetto, der offenbar auch deutliche Worte der Kritik für die Truppenbewegungen fand: „Das klingt wie der Anfang eines Witzes.“
Als Scherz legen die beteiligten NATO-Länder die Mission indes wohl kaum aus. Vielmehr gehe es wohl darum, die von Trump geäußerten Sicherheitsbedenken – Grönland hat eine strategisch wichtige Lage und steht auch im Blickfeld Russlands und Chinas – zu entkräften. Deutschlands Verteidigungsminister Boris Pistorius begründete die Mission auch damit, Trump sein Hauptargument für die Ansprüche auf Grönland zu nehmen, „indem wir sagen: wir sichern dieses Territorium, deine Sicherheitsbedenken, die teilen wir nicht nur, sondern wir setzen uns dafür ein, ihnen gemeinsam zu begegnen“. Zuvor war bereits ein möglicher horrender US-Kaufpreis für Grönland durchgesickert.
Italien verweigert sich NATO-Mission auf Grönland – Meloni-Regierung hat andere Strategie
Entgegen der NATO-Partner verfolgt die Regierung von Giorgia Meloni in Rom eine andere Strategie in der Grönland-Krise. Italien verfolge einen „rationalen Ansatz“, äußerte Verteidigungsminister Crosetto. Man habe die NATO um Koordination gebeten, man hoffe auf Vereinigung anstatt Spaltung zwischen den USA und den europäischen NATO-Ländern.
Dabei machen die Italiener auch klar, dass sie sich des Ernstes der Lage bewusst sind. Daher soll nun ein Strategiepapier zum italienischen Engagement in der Arktis vorgestellt werden. „Italien ist zwar kein Arktisstaat, erkennt aber an, dass die Stabilität der Region direkte Auswirkungen auf die europäische Sicherheit und das Atlantische Bündnis hat“, zitiert der Corriere aus dem Papier.
Grönland-Krise spitzt sich zu: Italien hat eigene Arktis-Pläne
Weiter will sich Italien auch dem „Schutz der Souveränität“ Grönlands widmen, auch mit Hinblick auf mögliche Bedrohungen aus Russland oder China. Allerdings nicht militärisch vor Ort, sondern mit „Expertise“ in Bereichen wie dem Schutz kritischer Infrastruktur oder verstärkter Zusammenarbeit bei „Satellitensystemen zur maritimen Überwachung und Kontrolle arktischer Schifffahrtsrouten“.
Welche Auswirkungen die NATO-Mission haben wird, war indes zunächst nicht abzusehen. Ein Experte warnte allerdings bereits vor den Folgen der „heiklen“ Truppenentsendung nach Grönland. (Quellen: Corriere, dpa, eigene Recherche) (han)