Kommt der Jahrhundertsturm aus den USA nach Deutschland? Die Wahrheit über den Zwei-Wochen-Mythos

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Ein extremer US-Wintersturm sorgt für Sorgen bis nach Europa. Viele fürchten eine Wiederholung in Deutschland. Was ist dran? Eine Wetter-Kolumne von Dominik Jung.

München – Immer wieder taucht bei extremem Wetter in den USA die Behauptung auf, Europa bekomme das Gleiche etwa zwei Wochen später. Dieser Gedanke ist verständlich, denn die Atmosphäre bewegt sich großräumig von West nach Ost. Tatsächlich ziehen viele Wetterlagen über den Nordatlantik weiter, doch daraus eine feste Verzögerung abzuleiten, ist meteorologisch falsch. Wetter ist kein Zugfahrplan. Während einzelne Drucksysteme oder Strömungsmuster weiterwandern, verändern sie sich ständig. Tiefs können sich abschwächen, neu bilden oder ganz blockiert werden.

Massive Kältewelle erreicht den Norden und Osten der USA. Kann diese Kälte in einigen Tagen auch Deutschland bzw. Europa erreichen? © METEORED/www.daswetter.com

Der aktuelle Jahrhundertsturm in den USA ist stark an regionale Faktoren gebunden, insbesondere an den massiven Kaltluftausbruch aus Kanada und die Feuchtezufuhr aus dem Golf von Mexiko. Diese spezielle Kombination existiert über dem Atlantik in dieser Form nicht. Deshalb kann man nicht davon sprechen, dass der Sturm einfach nach Europa weiterzieht.

Mythos Zwei-Wochen-Regel – woher diese Idee kommt

Ganz ohne Zusammenhang ist die Lage dennoch nicht. Großräumige Zirkulationsmuster wie ein gestörter Polarwirbel oder blockierende Hochdruckgebiete können sowohl Nordamerika als auch Europa betreffen. Wenn der Polarwirbel instabil ist, steigt auch bei uns die Wahrscheinlichkeit für Kältephasen oder winterliche Episoden. Das bedeutet jedoch nicht, dass derselbe Sturm kommt, sondern dass die Grundvoraussetzungen für extremes Winterwetter erhöht sind. Bis zu 25 Zentimeter Neuschnee sind in einigen Regionen Deutschlands aktuell sogar wahrscheinlich (25. Januar).

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In Europa spielen zusätzlich der Atlantik, die Wassertemperaturen und die Lage des Jetstreams eine entscheidende Rolle. Diese Faktoren wirken oft wie ein Puffer und verhindern, dass extreme US-Szenarien eins zu eins übertragen werden. Möglich sind Kälterückfälle oder Schnee, aber nicht automatisch ein Jahrhundertsturm.

Droht Deutschland ein ähnliches Extremereignis?

Aktuell gibt es keine belastbaren Hinweise darauf, dass ein Sturm vergleichbarer Dimension Deutschland direkt bevorsteht. Die Wettermodelle zeigen zwar eine erhöhte Dynamik, aber keine exakte Kopie der US-Lage. Wichtig ist die Unterscheidung zwischen Wetter und Witterung. Während einzelne Wintertage durchaus sehr kalt oder stürmisch werden können, fehlt bislang das Zusammenspiel aller Extreme gleichzeitig.

Der US-Sturm ist ein Jahrhundertereignis aufgrund seiner Größe, Gleichzeitigkeit und Wirkung. Für Deutschland gilt: aufmerksam bleiben, aber keine Panik. Der Mythos der Zwei-Wochen-Regel hält sich hartnäckig, doch er vereinfacht ein hochkomplexes System. Extreme in den USA sind ein Warnsignal, aber kein direkter Vorbote eines identischen Ereignisses bei uns.