Die Reform des deutschen Gesundheitswesen ist teuer. Etliche Krankenkassen sind klamm. Versicherte müssen erneut mit steigenden Beitragssätzen rechnen. So teuer wird es jetzt.
München – Das wäre ein echter Schock für viele Versicherten der Gesetzlichen Krankenkassen (GKV). Immer mehr Versicherungen erhöhen laut einem Bericht der Bild außerplanmäßig während des laufenden Jahres ihre Beiträge. Der Grund: In der Gesetzlichen Krankenversicherung klafft ein Milliardenloch von geschätzt bis sieben Milliarden auf. So zumindest sind die Schätzungen des Spitzenverbandes der GKV. Gesundheitsminister Karl Lauterbach hatte sich bereits im vergangenen Jahr für eine Anpassung der Beitragssätze für 2024 ausgesprochen.
Die rund 70 Millionen Bürgerinnen und Bürger, die in der GKV versichert sind, dürften daher an einer deutlichen Erhöhung ihrer Kassenbeiträge nicht herumkommen. Denn die Reform des Systems, steigende Preise für Medikamente, der technische Fortschritt moderner Untersuchungsmethoden und die Digitalisierung, aber auch die Krankenhausreform, mit geschätzten Kosten von etwa 25 Milliarden Euro, wird durch Beitragsgelder finanziert.
Versicherungsbeiträge der GKV steigen: Geld reicht nicht - Kosten von bis zu 39 Euro monatlich
Der Gesundheitsminister will Leistungskürzungen für die GKV-Versicherten zwar verhindern, auch die Zusatzbeiträge sollen laut Minister nur begrenzt steigen, doch offenbar reicht das Geld immer noch nicht für die Strukturreform des Medizinbetriebs. Auch die Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze in der GKV hat an der Situation nichts verändert. Seit 2024 liegt der Höchstbetrag bei 5175 Euro pro Monat in Ost und West. 2023 waren es 4987,50 Euro. Die Konsequenz, wenn das Geld nicht reicht: Die Beitragssätze steigen. Die Last tragen die Versicherten.
Laut einer Recherche des Deutschen Finanz-Service-Institut im Auftrag von Bild erhöhen sich die Beitragssätze Gesetzlicher Krankenkassen bis zu 33 Euro monatlich. In kleineren Versicherungen, die nur regional für Versicherte geöffnet sind, wird es für betroffene Versicherte bis zu knapp 39 Euro im Monat teurer.
Erhöhung der Beitragssätze ausgewählter Krankenkassen:
- IKK classic: + 0,49 auf 16,79 Prozent
- KKH Kaufmännische Krankenkasse: + 1,3 auf 17,88 Prozent
- VIACTIV Krankenkasse: + 0,39 auf 16,59 Prozent
- Knappschaft: + 0,5 auf 17,3 Prozent
Quelle: Bild.de
Bei der Knappschaft sind immerhin rund 1,5 Millionen Menschen versichert, die IKK classic hat mehr als drei Millionen Menschen unter Vertrag, für die es künftig teurer wird. Wer unzufrieden sei, könne seine Kasse aber leicht wechseln, raten die Verbraucherschützerinnen und Verbraucherschützer von Stiftung Warentest.
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Versicherungen erhöhen Beitragssätze: Versicherte haben ein Sonderkündigungsrecht ihrer Kasse
Mit einem Wechsel der Krankenkasse könnten Versicherte je nach Höhe des Einkommens mehrere Hundert Euro im Jahr sparen, so Stiftung Warentest. Erhöht eine Versicherung ihre Beiträge, haben Versicherte ein Sonderkündigungsrecht, von dem sie dann Gebrauch machen können. Es müssen allerdings einige Fristen dabei beachtet werden. Am Ende muss in jedem Fall der Arbeitgeber bzw. die Arbeitgeberin über den Kassenwechsel informieren werden.
Krankenkassen müssen nicht aktiv informieren
Die gesetzlichen Krankenkassen müssen ihre Versicherten nicht über eine Erhöhung ihrer Beitragssätze mit einem gesonderten Schreiben informieren. Die Kassen sind laut Verbraucherzentrale von der Informationspflicht seit Mitte 2023 befreit. Versicherte erfahren aber beispielsweise über die Internetseite ihrer Kasse, spätestens einen Monat vor der Erhöhung, über den neuen Beitragssatz. Auch in den Mitgliederzeitschriften der Kassen werden derartige Informationen angekündigt.
Quelle: Verbraucherzentale
Wer seine Kasse wechseln will, kann sich auf der Seite gesetzlichekrankenkassen.de umschauen, um eine günstigere Alternative zu finden. Verbraucherinnen und Verbraucher sollten allerdings beachten, dass bereits jetzt die Erhöhung des GKV-Zusatzbeitrags in 2025 kurz bevor steht. Damit könnte sich das Beitragsgefüge der Kassen für Versicherte nochmals erneut verschieben. Der Zusatzbeitrag ist 2024 von zuvor 1,6 Prozent auf 1,7 Prozent gestiegen. Der Wert wird jedes Jahr neu festgelegt und jeweils zum 1. November bekannt gegeben. (sthe)