Der FC Liverpool hat in den letzten zwölf Spielen neun Niederlagen hinnehmen müssen. Neun! Jetzt liegt der Verein auf einem beispiellosen zwölften Platz in der Premier League. Allein in den letzten drei Monaten hat Liverpool vier Heimspiele verloren: gegen Man Utd (1:2), Crystal Palace (0:3 im Ligapokal), Nottingham Forest (0:3) und am Mittwochabend passierte nun das: Die fassungslosen Fans an der Anfield Road sahen die erste Heimniederlage in der Champions League: 1:4 (!) gegen PSV Eindhoven. Das war eine Katastrophe von monumentalem Ausmaß.
Wieso die Heimpleitenserie für Liverpool so eine Katastrophe ist
Um all das besser verstehen zu können, will ich die Festung Anfield erklären. Eine der letzten wahren Kathedralen des Weltfußballs. Mein erstes Spiel als kleines Kind sah ich dort Anfang der 70er Jahre, als ich die herausragende Mannschaft von Bill Shankly beobachtete. In den gesamten 70ern – vom 01. Januar 1970 bis zum 31. Dezemberg 1979 – bestritt der Liverpool Football Club 285 Spiele in allen Wettbewerben (Liga, FA Cup, Europapokal und Ligapokal) und verlor nur zwölf Spiele.
Selbst in den gesamten 60ern waren es nur 28 Spiele in allen Wettbewerben. Daher ist es für Liverpool eine absolute Katastrophe und beispiellos, jetzt vier Heimniederlagen in der Festung Anfield kassiert zu haben.
Wie kann es sein, dass Liverpool auf einmal so abschmiert?
Jürgen Klopp hat in neun Spielzeiten nur elf Heimspiele in der Premier League verloren, und sechs dieser Niederlagen fanden während der Corona-Pandemie statt, da war das Stadion leer.
In der gesamten 133-jährigen Geschichte des FC Liverpool haben wir 22 Europapokalspiele gegen deutsche Mannschaften in Anfield bestritten, und die Bilanz lautet 19 Heimsiege, 3 Unentschieden, keine einzige Niederlage – das ist die Macht von Anfield. Der FC Bayern hat vier Mal hier gespielt und nie ein Tor geschossen.
Also: Was ist jetzt der Grund für diese katastrophalen Ergebnisse? Wie kann ein Verein, der in der vergangenen Saison die Premier League gewonnen hat und in einem Rekordtransfersommer fast 450 Millionen Pfund ausgegeben hat, auf einmal so abschmieren?
Liverpool holte immer nur wenige Spieler dazu, diesmal machte es der Verein anders
Ich habe bereits im August hier bei FOCUS online geschrieben, dass es riskant war, sechs neue Spieler auf einmal zu verpflichten, und ich meinte, dass ich als lebenslanger Fan des FC Liverpool weiß, wie der Verein normalerweise arbeitet.
Ich erinnerte daran, dass in den glorreichen Jahren des LFC in den 60ern, 70ern und 80ern und dann auch unter Jürgen Klopp von 2015 bis 2024 eines der Geheimnisse des Erfolgs darin bestand, jede Saison nur ein oder zwei neue Spieler zu verpflichten. Dies sorgte für Kontinuität und Stabilität, und die neuen Spieler hatten Zeit, „die Arbeitsweise des FC Liverpool” zu lernen.
Liverpool hat einfach eingerissen, was Jürgen Klopp hier aufgebaut hat
Neue Spieler wurden immer langsam und schrittweise in die Mannschaft integriert. Selbst unter Jürgen Klopp, der 2016 den herausragenden Linksverteidiger Andy Robertson für nur acht Millionen Pfund vom Zweitligisten Hull City holte, dauerte es gut sechs Monate, bis Robertson seinen ersten Stammplatz in der Mannschaft bekam. Aber in dieser Anfangsphase lernte er die Spielweise von Liverpool kennen.
Außerdem hat die Verpflichtung von sechs neuen Spielern im Sommer 2025 meiner Meinung nach den großartigen Teamgeist gestört, den Jürgen Klopp und sein damaliges Trainerteam um Peter Kravietz und Pep Lijnders über neun Jahre hinweg aufgebaut hatten. Kein Team der Welt kann ohne einen guten und starken Teamgeist etwas gewinnen.
Arne Slot zieht vier Stars mit, die keine Leistung bringen
Ich glaube auch, dass Arne Slot bestimmten Spielern zu sehr vertraut hat, die in dieser Saison einfach nicht ihre Leistung bringen. Vor allem Stürmer Mo Salah, der argentinische Mittelfeldspieler Alexis MacAllister, der französische Nationalverteidiger Ibrahima Konaté und der neue Linksverteidiger und ungarische Nationalspieler Milos Kerkez.
Diese Spieler hätten meiner Meinung nach und auch nach Meinung vieler Liverpool-Fans, mit denen ich regelmäßig spreche, schon vor Wochen aus der Mannschaft genommen werden müssen.
Das Vertrauen in Spieler, die regelmäßig unterdurchschnittliche Leistungen zeigen, und die bloße Hoffnung, dass sie zu ihrer alten Form zurückfinden, ist ein großer Fehler von Arne Slot und wird ihn letztendlich, wenn er nicht sofort korrigiert wird, seinen Job als Trainer des FC Liverpool kosten.
Die Aura der Unbesiegbarkeit ist komplett verschwunden
Diese Niederlagenserie hat natürlich das Selbstvertrauen vieler, wenn nicht sogar aller Spieler massiv beeinträchtigt. Anstatt wie bisher mit der Siegeserwartung in die Spiele zu gehen, gibt es nun massive Zweifel, die anderen Teams sind nun zuversichtlicher, dass sie gegen Liverpool ein gutes Ergebnis erzielen können. Die Aura der Unbesiegbarkeit, die in der letzten Saison noch vorhanden war, ist vollständig verschwunden.
Heute gibt es von vielen Seiten massive Forderungen nach der Entlassung von Trainer Arne Slot, doch die Führungsriege des FC Liverpool ist dafür bekannt, dass sie Trainern Zeit gibt, eine Mannschaft aufzubauen, was durch die Tatsache belegt wird, dass der LFC in seiner 133-jährigen Geschichte nur 23 Trainer hatte.
Sollte sich die negative Entwicklung jedoch fortsetzen und Liverpool weiterhin Fußballspiele verlieren, wird der Trainer zweifellos entlassen, da der mächtige FC Liverpool sogar um den Klassenerhalt kämpfen könnte.
Für einen Verein, der 1962 aufgestiegen ist und in diesen 63 Jahren niemals schlechter als auf Platz 8 gelandet ist, wäre das kaum vorstellbar.