Die neue Schlosswiesenbrücke über die Windach zwischen Greifenberg und Schondorf ist für Fußgänger und Fahrradfahrer freigegeben. Fast drei Jahre war die fußläufige Verbindung zwischen den Orten nicht möglich, weil sich die marode alte Brücke als nicht sanierungsfähig erwies und gesperrt werden musste.
Greifenberg – In einem feierlichen Akt mit Segnung durch Pater Reginald fand die Verkehrsübergabe statt, bei der Greifenbergs Bürgermeisterin Patricia Müller und ihr Schondorfer Kollege Alexander Herrmann zeitgleich Bänder auf der Brückenmitte durchschnitten. Gemeinderäte beider Orte klatschten, weil man sich wieder sicher zwischen dem Valloch in Greifenberg und der Moraschstraße in Schondorf bewegen könne. Sei es zur Arbeit oder Schule, zum Einkauf oder Spaziergang. Speziell für die Bewohner des Kreisseniorenheims Greifenberg sei der Weg nach Schondorf über das Windach-Brückerl ideal. Seit April 2021 war dieser Weg nicht mehr möglich.
Trockenen Fußes über die Windach: Weg für Dienerschaft
Müller: „Diese Brücke ist nicht nur eine physische Verbindung zwischen unseren Gemeinden, sondern auch ein Symbol für unsere Ausdauer und Entschlossenheit, Hindernisse zu überwinden.“ Und von denen gab es viele, nachdem sich Bürger über den Zustand des Belags der alten Brücke beklagt hatten. Die Prüfung ergab, dass das über einhundert Jahre alte Bauwerk komplett erneuert werden müsse. Eine Sanierung sei wegen der enormen Mängel nicht möglich. Das Gutachten zur Standsicherheit, Bodentragfähigkeit und Materialbeschaffenheit ergebe keine andere Möglichkeit als Rückbau der Brücke mit anschließendem Neubau.
Erste Probleme gab es bei der Klärung der Eigentumsverhältnisse, da keine Baugenehmigung gefunden wurde. Weder Freistaat noch Landkreis fühlten sich zuständig. Erst eine Recherche in der Greifenberger Chronik von 1905 ergab, dass die Brücke doch Eigentum der Gemeinde ist. Die Schlossfamilie derer von Perfall hatte damals den Bauwunsch geäußert, damit ihre Dienerschaft trockenen Fußes und ohne Umweg über eine Furt durch die Windach die Einkäufe aus Schondorf transportieren könne.
Wiedereröffnung der neuen Schlosswiesenbrücke: Naturschutz und Bürgerbegehren
Nach der geklärten Zuständigkeit der Gemeinde galt es, die Neubaumaßnahmen für einen so gering wie möglichen Eingriff in die umliegende Natur und Landschaft auszuloten: Die Brücke liegt im FFH-Schutzgebiet Windach. Damit das erhalten bleibt, mussten ein landschaftspflegerischer Begleitplan und eine biologische Relevanzprüfung erstellt werden. Grundstücksverhandlungen und Variantenplanungen nahmen weitere Zeit in Anspruch. Dazwischen grätschte noch ein Bürgerantrag auf mögliche Denkmaleigenschaft der alten Brücke, der aber abgelehnt wurde. Zudem beschränkte sich die Bauzeit wegen naturschutz- und wasserrechtlicher Belange auf Oktober bis Februar.
Im November 2023 war schließlich Baubeginn. Ende Februar wurde die alte Brücke per Lastenkran entfernt und die vorgefertigte neue eingehoben. Sie gründet hinter den wegen Naturschutz-Vorgaben erhaltenen Widerlagern auf Stahlbetonauflagerbalken. Die Brücke ist breiter, hat ein Stahlgeländer mit Sicherungsgitter sowie eine Wölbung, die für Rollatoren und Rollstühle kein Problem darstellt.
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Müller dankte Claudia Wenzel vom Bauamt der Verwaltungsgemeinschaft Schondorf. Sie habe alle Fäden zusammengehalten und den Greifenberger Gemeinderat professionell durch den Prozess geführt.