Ab Sommer 2024 gibt es am Bahnhof Haar wieder einen Warteraum samt Kiosk und Toilette. Die SPD aber erneuert ihre massive Kritik am Neubau.
Haar – Der neue Bahnhof Haar, ein Holzbau, ist neben dem in Zorneding ein Pilotprojekt der Deutschen Bahn, bei dem derartige Gebäude künftig in Modulbauweise, die große Mengen an CO2 einsparen, gebaut werden können. Das gesamte Haus ist, bis auf die Beton-Bodenplatte, aus Holz.
Schneller Baufortschritt
„Die Außenfassade ist aus Lärche, die wir mit rotem Holzschutz lasiert haben, das wird dann langsam grau“, sagte Zimmerer Maximilian Semmler, dessen Holzbau-Unternehmen das Gebäude in Haar wie auch in Zorneding errichtet hat. „Im Inneren haben wir alle tragenden Teile aus Fichte, hinzu kommt für den Innenausbau Birke. Sämtliches Holz kommt aus Niederbayern und der Oberpfalz.“. Insgesamt wurden für das Haus mit einer Nutzfläche von 110 Quadratmetern rund 40 Kubikmeter Holz verbaut und über 40 Tonnen CO2 gegenüber einem herkömmlichen Betonbau eingespart.
Großes Bullauge in Richtung der Gleise
Baubeginn war im April 2023, auf dem Dach sorgt eine kleine PV-Anlage für den Strom, ein großes Oberlicht sowie ein riesiges Bullauge in Richtung der Gleise vermitteln einen hellen, freundlichen Eindruck im Inneren, damit ist auch weniger künstliche Beleuchtung notwendig. „Das sind alles Faktoren, dass wir wirklich von einem grünen Bahnhof sprechen können. Nicht nur die Bauweise und die Materialen, auch die Art in Holzrahmenbauweise, die dafür sorgt, dass man das Haus jederzeit schnell erweitern, verkleinern oder ganz versetzen kann“, sagte Bernd Koch, Vorsitzender DB Station & Service. Rund 11 000 Reisende gibt es täglich am Bahnhof Haar, die ab Sommer wieder die Möglichkeit zum Warten, Einkaufen und Toilettengang haben. Insgesamt gibt man für den Neubau 1,5 Millionen Euro aus, finanziert von Bund und Land Bayern.
Bürgermeister Andreas Bukowski (CSU) lobt schnell Baufortschritt
Bürgermeister Andreas Bukowski (CSU) bedankte sich bei allen Beteiligten. „Baubeginn im April und jetzt schon Richtfest, das ist wirklich eindrucksvoll, ebenso das riesige Bullauge, das mich echt fasziniert.“ Der Bau habe eine längere Vorgeschichte gehabt und sei nicht ganz einfach gewesen, „einige im Gemeinderat hätten gerne eine ganz andere Lösung gehabt – ich denke, diese kompakte Lösung ist die bessere. Vor allem passt das Haus aus Holz, theoretisch wieder komplett zerlegbar, perfekt in unser Haarer Konzept der zirkularen Gebäude.“
SPD Haar erneuert ihre scharfe Kritik an dem Gebäude
Von der SPD Haar kam kein Gemeinderat zum Richtfes. Raul Würfl, Co-Vorsitzender der SPD, kritisierte den Bauin einer Pressemitteilung scharf: „Er blockiert mehr als er ermöglicht – kein Grund zum Feiern.“ Die Fraktion habe die Planung komplett abgelehnt. Das Gebäude füge sich nicht in ein Gesamtkonzept vor Ort ein, habe keinen größeren, funktionalen Nutzen und passe mit seiner Architektur nicht zum Bahnhofsplatz.
SPD klagt über „städtebaulichen Fremdkörper im Ortskern“
Der Neubau sei für die SPD ein „städtebaulicher Fremdkörper im Ortskern“, der vom Bürgermeister auch noch öffentlich begrüßt werde, obwohl der Gemeinderat den Entwurf mehrheitlich abgelehnt habe. „Wir sehen hier kein Freudenereignis, sondern ein Zeugnis falscher Entwicklungen und die Missachtung eines demokratisch getroffenen Beschlusses“, schreibt Katharina Dworzak für die SPD.