Nach seinem schweren Sturz vor zwei Jahren spricht der Ski-Star über seine Angst um Leben und Karriere und die lange, schmerzhafte Rückkehr in den Weltcup.
Wengen – Während der Skizirkus an diesem Wochenende (16.-18.01.) in Wengen die Lauberhorn-Rennen Halt macht, kehren die Erinnerungen unweigerlich zurück. Genau hier, auf einer der spektakulärsten und gefährlichsten Strecken des Weltcups, stürzte Aleksander Aamodt Kilde vor zwei Jahren schwer. Was für andere Athleten heute ein Rennen ist, bleibt für den Norweger ein Ort des Schmerzes und der Moment, in dem sich plötzlich nicht mehr alles um Sport drehte, sondern um das Überleben.
In einem Interview mit dem kicker schildert Kilde nun emotional, wie dramatisch die Stunden nach dem Sturz verliefen. Mehrfach verlor er das Bewusstsein, litt unter extremen Schmerzen und wusste zeitweise nicht, ob er diese Situation überstehen würde. „Ich dachte, ich sterbe“, sagte der frühere Gesamtweltcupsieger rückblickend. Worte, die zeigen, wie nah Angst und Realität beieinanderlagen.
Kilde mit Todesangst bei Sturz
Der Unfall hatte schwere Folgen: eine ausgekugelte Schulter, massive Bänderverletzungen und eine tiefe Schnittwunde am Unterschenkel, die später zu gefährlichen Komplikationen führte. Mehrere Operationen und eine langwierige medizinische Behandlung folgten. Zwischenzeitlich stand nicht fest, ob Kilde überhaupt wieder normal trainieren könnte – geschweige denn jemals in den Weltcup zurückkehren würde. Die Ungewissheit wog dabei fast schwerer als die körperlichen Schmerzen.
Trotz aller Rückschläge entschied sich Kilde für den langen Weg zurück. Monate der Reha, Zweifel, Rückschläge – und dennoch der feste Wille, es noch einmal zu versuchen. Als er Ende 2025 erstmals wieder im Weltcup an den Start ging, war das Ergebnis zweitrangig. Allein die Rückkehr in den Rennanzug, zurück in den Starthang, war für ihn ein emotionaler Meilenstein.
Dass Kilde ausgerechnet jetzt, zum erneuten Weltcup-Wochenende in Wengen, so offen über seine Erlebnisse spricht, verleiht dem Rennen eine besondere Tiefe. Das Lauberhorn ist für ihn kein Ort des Triumphs mehr, sondern ein Symbol für Verletzlichkeit und Stärke zugleich. Heuer lässt er das Rennen aus, die längste Strecke im Weltcup kommt für den Verlobten von Mikaela Shiffrin zu früh.
„Es verlangt Respekt. Es verlangt Vorbereitung. Und manchmal passieren die größten Siege lang vor dem Renntag [...]“, so der Norweger in einem Instagram Post. Während andere um Hundertstel kämpfen, erinnert Kildes Geschichte daran, wie schmal der Grat im Spitzensport sein kann – zwischen Höchstleistung und einem Moment, der alles verändert. (mah)