Er erfand das Sams, dessen Wunschpunkte und freche Sprüche Generationen von Kindern begeistern. Paul Maar ist 88 Jahre alt, eine lebende Legende der deutschen Kinderliteratur und eine Institution des Kinderbuchs. Doch jenseits von Fantasie und Wunschpunkten beschäftigt ihn heute vor allem eine Realität, die weitaus schwerer wiegt: das langsame Verschwinden der Frau, mit der er seit über 60 Jahren sein Leben teilt.
Paul Maars Leben ist gezeichnet von der Krankheit seiner Frau
Mit seinen 88 Jahren ist Maar immer noch aktiv: Täglich sitzt er am Computer und schreibt weiter – trotz mancher altersbedingter Beschwerden. „Mir geht es eigentlich unverändert halbschlecht“, sagt er gegenüber „Bild“. Schreiben ist für ihn nicht nur Beruf, sondern Halt in einem Alltag, der zunehmend von Sorge geprägt ist.
Denn Paul Maars Ehefrau Nele (Jahrgang 1938), die er als Jugendliche kennenlernte und 1960 heiratete, ist schwer an Alzheimer erkrankt. Sie erkennt ihn kaum noch, liegt meist im Bett, kann nicht mehr aufstehen. „Wenn ich ihr über den Arm streichle, reagiert sie nicht. Da könnte neben ihr auch ein Staubsauger oder ein Besen stehen, das wäre genau das Gleiche“, berichtet Maar eindrücklich. Die Frau, in die er sich als Schüler verliebte, habe „mit diesem Häufchen Elend, das im Bett liegt und mich nicht erkennt, überhaupt nichts mehr zu tun“.
Auch Paul Maars Vater erkrankte an Demenz
Über 60 Jahre Ehe haben Maar und Nele gemeinsam hinter sich – drei Kinder, zahlreiche Erinnerungen, Reisen, Gespräche. Doch die Alzheimer‑Krankheit hat all das Stück für Stück aus der Gegenwart gerissen. Für Maar bedeutet das nicht nur Schmerz, sondern auch ständige Selbstüberprüfung: Er hat Angst, selbst von Demenz betroffen zu sein, weil sein Vater in späteren Jahren ebenfalls dement wurde.
Trotzdem lässt er sich von der Traurigkeit nicht lähmen: Er arbeitet weiter, schreibt täglich und meistert den Alltag mit seiner Kreativität. Gemeinsam mit seiner Tochter und seinem Enkel veröffentlichte er jüngst ein Bilderbuch, das Kindern auf liebevolle Weise das Thema Demenz näherbringt – ein Zeichen, wie er mit Schmerzen und Verantwortung umgeht.