Eine Empfehlung der belgischen Stadt Gent führt zu Verwunderung. Schnell schaltet sich eine Behörde ein und widerspricht. Die Stadt reagiert umgehend.
Gent – Weihnachtsbäume, die während der Feiertage festliche Stimmung ins Wohnzimmer gebracht haben, werden meist im Januar – traditionellerweise nach dem Dreikönigstag – abgeschmückt und anschließend entsorgt. Die Stadt Gent in der nordbelgischen Region Flandern hatte kürzlich eine andere Idee: „Essen Sie Ihren Weihnachtsbaum“, lautete die ungewöhnliche Aufforderung nach den Feiertagen.
Prompt reagierte die belgische Lebensmittelsicherheitsbehörde AFSCA: Es bestehe „keine Garantie für einen sicheren Verzehr von Weihnachtsbäumen weder durch Menschen noch durch Tiere“, erklärte die Behörde am Dienstag. Angesichts des wahrscheinlichen Einsatzes von Pestiziden beim Anbau warnte die Behörde: „Essen Sie Ihren Weihnachtsbaum nicht.“
Verzehr eines Weihnachtsbaums kann „tödliche Folgen haben“: Behörde warnt spricht Warnung aus
Das Ziel der Initiative war es, eine Empfehlung zum Recycling der Bäume zu geben. Die Stadt Gent ist bekannt für ihr ökologisches Engagement: So gilt sie als „Veggie-Hauptstadt“ und große Teile der Innenstadt sind aus Umweltgründen verkehrsberuhigt. Auf ihrer Website verwies die Stadt auf Skandinavien, wo es seit langem verbreitet ist, Fichtennadeln zur Aromatisierung von Butter zu verwenden. Dafür sollten die Nadeln geschält, blanchiert und getrocknet werden.
Die AFSCA zeigte sich von dieser Idee wenig begeistert. „Weihnachtsbäume sind nicht dazu bestimmt, in die Nahrungskette zu gelangen“, hieß es in einer Erklärung der Behörde. Es gebe zahlreiche Gründe, „die Wiederverwendung von Weihnachtsbäumen in der Nahrungskette weder zu fördern noch zu unterstützen“. Neben der Behandlung mit Pestiziden nannte die Behörde auch die schwer feststellbare Verwendung von Flammschutzmitteln bei Weihnachtsbäumen. Dies könne „sogar tödliche Folgen haben“, warnte die Behörde.
Stadt Gent rudert zurück, aber empfiehlt weiterhin Fichtennadel-Rezept
Die Genter Stadtverwaltung hat auf die Warnung reagiert und ihre Website entsprechend überarbeitet. Nun lautet die Überschrift nicht mehr „Essen Sie Ihren Weihnachtsbaum“, sondern „Skandinavier essen ihre Weihnachtsbäume“. Auf der Seite wird außerdem vor dem Verzehr der giftigen Eibe sowie von Bäumen, die mit Brandschutzmittel und Pestiziden behandelt wurden, gewarnt. Daraufhin heißt es: „Die Lebensmittelbehörde rät davon ab, Nadeln von hier gewachsenen Weihnachtsbäumen zu essen.“
Das muntere Rezept für eine „köstliche Fichtennadelbutter“ ist weiterhin auf der Seite zu finden. Und mehr noch: Über einen dort platzierten Link gelangt man auf eine Website, die weitere Rezepte aufführt, zum Beispiel „Crostini mit Fichtennadel-Ricotta und gerösteten Feigen“. Auch hierzulande ist häufiger von Rezepten zu lesen, in denen etwa Fichtennadeln verarbeitet werden.
Wer allerdings kein Risiko eingehen will, sollte bei seinem Weihnachtsbaum auf ein Bio-Siegel oder andere Zertifizierungen achten. Alternativ können Nadeln von Wildtannen im Wald gesammelt werden. Aber auch dort ist Vorsicht geboten: Nur Fichten, Tannen und Douglasien sind essbar.
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Gespritzte Weihnachtsbäume: Auch für die Tierwelt ist der Verzehr schädlich
Immer wieder wird im Netz auch auf die Verwendung von Tannenbäumen als Tierfutter hingewiesen. So setzen einige Zoos Tannenbäume als Futter sowie als Kratzbaum und Spielzeug für ihre Tiere ein. Dabei handelt es sich in der Regel um nicht verkaufte Bäume, da Rückstände des Schmucks wie Lametta und Kerzenwachs schädlich für die Tiere sein könnten.
Der Tierschutzverein „Aktion Tier“ rät – wie auch die belgische Behörde –, hingegen davon ab, konventionelle Weihnachtsbäume auf diese Art zu verwenden. Denn ein Großteil der verkauften Tannen stammen aus Monokulturen – diese werden in der Regel großzügig gespritzt. Der Verein verweist auf die chemische Behandlung der Bäume mit giftigen Substanzen wie das Herbizid Glyphosat. Rückstände dieser Stoffe seien auch nach dem Fällen noch nachweisbar. Daher seien nur ökologisch zertifizierte Bäume zur Tierfütterung und -unterhaltung geeignet. (afp/smk)