„Uns reicht's jetzt": Pullach schickt Brandbrief wegen S7-Misere

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Zehn Minuten muss man hier schon mal warten: Auch die langen Schrankenschließzeiten am Bahnübergang in Pullach will die Gemeinde nicht mehr hinnehmen. © SIGI JANTZ

Die Pünktlichkeit der S7 ist auf unter 50 Prozent gesunken. Pullachs Bürgermeisterin Susanna Tausendfreund fordert nun einen konkreten Maßnahmenplan.

Mit der Trennung von S-Bahnlinien S5 und S7 im Dezember 2024 sollte die S7 wieder pünktlicher werden. Doch die Mängelliste bleibt lang. „Es ist nicht besser geworden, sondern schlechter“, sagte gestern ein Sprecher des Fahrgastverbands Pro Bahn, der selbst die S7 regelmäßig nutzt. Allein in dieser Woche lief wenig nach Plan: Am Mittwoch endete die S7 von München kommend in Höllriegelskreuth, „es gab Probleme mit dem Stellwerk. Fahrgäste wurden ab dem einsetzenden Berufsverkehr am Nachmittag bis in den Abend via Schienenersatzverkehr bis Wolfratshausen gebracht.“

CSU-Politikerinnen wenden sich an Verkehrsministerium

Auch die Landtagsabgeordneten Kerstin Schreyer (CSU) und die CSU-Bürgermeisterkandidatin Christine Eisenmann haben das Thema auf ihre Agenda gesetzt. Sie befragten Vertreter des Verkehrsministeriums kürzlich im Landtag zu den Mängel bei der S7.

Schreyer berichtet in einer Pressemitteilung, dass sich die Pünktlichkeit nach dem Austausch der Schwellen wieder verbessern soll. Auch die Barrierefreiheit thematisierten die CSU-Politikerinnen: In Pullach gibt es wegen unterschiedlicher Bahnsteig- und Einstiegshöhen keine vollständige Barrierefreiheit. Fahrgästen mit Einschränkungen wird geraten, an der vordersten Tür beim Lokführer einzusteigen, wo eine Rampe bereitgestellt werden kann. Das Ministerium will die Informationslage dazu verbessern.

Zu den Umstiegsproblemen an der Donnersberger Brücke, wo Fahrgäste oft knapp die S7 verpassen, informiert Schreyer: Das Ministerium will prüfen lassen, ob Züge künftig etwas länger mit dem Schließen der Türen warten können.

Zu den Ursachen der Langsamfahrten teilt sie mit, dass die Ursache unklar ist, möglicherweise Signalstörungen. Der Punkt soll mit der Deutschen Bahn besprochen werden. Zur Bahnsteigverlängerung in Pullach: Erste Ergebnisse liegen vor, müssen aber noch weiter untersucht werden. Eine Machbarkeitsstudie wird für Frühjahr 2026 erwartet.

Am Donnerstag führte ein Defekt am Bahnübergang Höllriegelskreuth zu Verspätungen, ebenso am Freitag. „Wir beobachten ein Abgleiten der Qualität“, sagt der Sprecher: „Wer wie ich die S7 regelmäßig nutzt, erlebt, dass sie so unzuverlässig ist wie noch nie.“

Pendler und Gemeinde im S7-Frust

Doch das will die Gemeinde Pullach nicht länger hinnehmen. Unter dem Titel „Uns reicht‘s jetzt“ hat Bürgermeisterin Susanna Tausendfreund (Grüne) einen Brandbrief an die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) und an weitere Verantwortliche geschickt. Ihr Apell: „Die Lage ist gravierend, so kann es nicht weitergehen.“ Tägliche Zugausfälle, lange Wartezeiten und fehlende Lösungen der Bahn belasten Pendler, Schulen und Unternehmen massiv. Im Brief an die Deutsche Bahn AG, den MVV, Verkehrsminister Christian Bernreiter, Oberbürgermeister Dieter Reiter, Landrat Christoph Göbel und die Bürgermeister von Baierbrunn, Schäftlarn, Icking und Wolfratshausen schildert sie die Probleme.

Nach der Trennung habe die S7 zunächst eine Pünktlichkeitsquote von über 90 Prozent erreicht. Doch seit dem Sommer 2025 sei sie dramatisch eingebrochen – „auf rund 70 Prozent, zeitweise unter 50 Prozent. Die S7 zählt inzwischen zu den zehn unpünktlichsten S-Bahnen in Deutschland.“

Ihre Kritik: „Ursachen wie Eingleisigkeit und Bauzeiten sowie langwierige Reparaturen bleiben ungelöst.“ Die Schranken seien mitunter zehn Minuten durchgehend geschlossen, „was Verkehr, Rettungswege und Umwelt stark beeinträchtigt.“ Die Situation sei „unzumutbar“. Die Gemeinde fordert eine technische Überarbeitung.

Im Brandbrief benennt Tausendfreund auch die fehlende Barrierefreiheit: „Die neuen Zugtypen der Baureihe 424, die nun auf der S7 verkehren, haben zu teils erheblichen Niveauunterschieden geführt.“ Dabei wurden die Bahnhöfe Höllriegelskreuth und Pullach längst modernisiert, doch seit den sogenannten Hannover-Zügen müssten Fahrgäste 16 Zentimetern überwinden. „Barrierefreiheit ist kein Nice-to-have, sondern gesetzliche Verpflichtung“, es habe bereits Stürze gegeben.

Konsequenzen gefordert

Auch mangelhafte Informationssysteme führten zu einer „chronischen Verunsicherung und einem vollständigen Verlust des Vertrauens“. Verspätungen und Ausfälle werden gar nicht oder falsch angezeigt, Informationen seien widersprüchlich. Auch die Zustände am Münchner Hauptbahnhof kritisiert Susanna Tausendfreund: „Für ortsfremde Fahrgäste ist die S7 kaum auffindbar“, es fehlen Hinweise zu Gleis 36 am Starnberger Flügelbahnhof. Die Sauberkeit sei mangelhaft: „Dass diese Probleme trotz unserer direkten Hinweise weiterbestehen, ist nicht nachvollziehbar.“ Schon Ende November trafen sich die Bürgermeister der betroffenen Kommunen zum „Runden Tisch“ mit Vertretern der Deutschen Bahn AG und der S-Bahn München GmbH.

Schließlich bemängelt sie das schwierige Umsteigen, weil das nur an oberirdischen Bahnhöfen möglich ist. Das Warten im Freien und fehlende Barrierefreiheit seien vor allem für Ältere unzumutbar. Tausendfreund fordert im Namen des Gemeinderats einen Maßnahmenplan und eine Antwort bis 15. Dezember sowie ein Gespräch vor Ort, zeitnah und mit den betroffenen Gemeinden.

Информация на этой странице взята из источника: https://www.merkur.de/lokales/muenchen-lk/pullach-ort29321/uns-reicht-jetzt-pullach-schickt-brandbrief-wegen-s7-misere-94071025.html