Bürgermeister Pardeller nach Kokain-Affäre im Exklusiv-Interview: „Das Thema spielt im Rathaus keine Rolle"

  1. Startseite
  2. Lokales
  3. München Landkreis
  4. Neubiberg

Kommentare

Nach sechs Wochen Auszeit zurück im Büro: Neubibergs Bürgermeister Thomas Pardeller, der mit seiner Kokain-Affäre bundesweit für Schlagzeilen sorgte. © Daniela Pfeil

Thomas Pardeller hat nach sechs Wochen Klinikaufenthalt die Amtsgeschäfte übernommen. Der CSU-Politiker will trotz der Affäre erneut kandidieren, wie er im Interview sagt.

Nach Kokain-Affäre und Klinik-Auszeit hat Neubibergs Bürgermeister Thomas Pardeller (CSU) diese Woche wieder die Amtsgeschäfte im Rathaus übernommen. Doch der Skandal hallt nach. Dem Münchner Merkur beantwortete der 37-Jährige schriftlich eine Reihe von Fragen, allerdings nicht alle.

Herr Pardeller, wie haben Sie die ersten Tage nach sechs Wochen Absenz empfunden, welcher Art waren die Reaktionen aus Ihrem direkten Umfeld und aus der Gemeinde insgesamt?

Ich bin den Neubibergerinnen und Neubibergern sehr dankbar, dass ich mir in den vergangenen Wochen die Zeit nehmen durfte, um meine privaten Belastungen aufzuarbeiten und, dass die Bürgerinnen und Bürger bereit waren, einen Fehler im Privatleben zu verzeihen. Ich bin in den ersten Tagen sehr herzlich und offen aufgenommen worden – sowohl in der Verwaltung als auch in der Bürgerschaft. Die Zusammenarbeit im Gemeinderat läuft ruhig, konstruktiv und konzentriert weiter, als wäre ich nie weg gewesen.

Immer wieder taucht in Schlagzeilen die Formulierung „Koks-Bürgermeister“ auf. Glauben Sie, dieses Label irgendwann abstreifen zu können?

Ich war bereits bei mehreren Terminen unterwegs: beim Wandern mit unseren Senioren, beim Baumpflanzen mit Jugendlichen und auch an der Universität der Bundeswehr. Überall habe ich Zuspruch erlebt – oder anders gesagt: Das Thema spielte dort praktisch keine Rolle. Die Menschen in Neubiberg wollen über Inhalte sprechen, über Fortschritte und über Projekte, die unsere Gemeinde voranbringen. Genau das tue ich jetzt wieder mit voller Energie.

Sie haben sich in einer Fachklinik professionelle Hilfe geholt, um private Belastungen aufzuarbeiten. Welche Erkenntnisse konnten Sie durch diese Selbstreflexion gewinnen?

Die Zeit in der Fachklinik für Psychosomatik war für mich sehr wertvoll. Ich habe dort die Möglichkeit genutzt, Abstand zu gewinnen, meine Strukturen zu stärken, Prioritäten klar zu setzen und Unterstützung anzunehmen. Mir ist in dieser Phase bewusst geworden, wie wichtig mentale Gesundheit ist – nicht nur für mich persönlich, sondern grundsätzlich für Menschen, die Verantwortung tragen. Offen damit umzugehen, ist heute kein Zeichen von Schwäche, sondern von Professionalität. In den vergangenen Wochen habe ich außerdem noch einmal sehr deutlich gespürt, wie wichtig gute Erholungsphasen sind. Ich habe in den letzten Jahren kaum Urlaub genommen – deshalb haben sich rund vierzig Tage Resturlaub angesammelt. Diese Zeit werde ich künftig bewusster und regelmäßiger nutzen.

Ihr Beruf als Bürgermeister ist stressig und wird es bleiben. Schließen Sie in Phasen starker Belastung eine Wiederholungsgefahr in puncto Kokainkonsum aus?

Ich gehe absolut gestärkt aus dieser Situation hervor und konnte die nötige Kraft sammeln, um nun meine volle Energie der Arbeit für unsere Gemeinde zu widmen. Mit Gemeinderat und Verwaltung haben wir in den letzten Jahren viel erreicht, wichtige Weichen gestellt und viele Projekte erfolgreich umgesetzt – vom Rathausneubau bis zur Wiederbelebung des ehemaligen DB-Stores. Dazu habe ich in der Funktion als Bürgermeister meinen Beitrag geleistet. Ich konzentriere mich jetzt auf die wichtigen Aufgaben von der Ortsentwicklung, über die Schaffung bezahlbaren Wohnraums bis hin zum Hochwasserschutz am Hachinger Bach. Die Bürger haben am 8. März die Wahl und werden ihre Entscheidung für unsere Gemeinde im besten Sinne treffen.

Sie wurden im Juni als Bürgermeisterkandidat nominiert, die im Oktober terminierte Aufstellungsversammlung fiel dann kurzfristig aus. Wie ist insofern der weitere Zeitplan zur Kandidatur für die Kommunalwahl?

Meine Aufstellung zum Kandidaten der CSU für das Amt des Bürgermeisters erfolgte bereits im Juni diesen Jahres – mit 100 Prozent der Stimmen. Ich freue mich sehr über den großartigen Rückhalt des Ortsverbandes – gemeinsam mit einem starken Team fühle ich mich also sehr gut für den Wahlkampf gewappnet und bin hochmotiviert, bei den Bürgern um die besten Ideen für die Zukunft unserer Heimatgemeinde zu werben.

Fühlen Sie sich fit für die Wahlkampfphase, in der die politische Konkurrenz möglicherweise nicht zimperlich mit Ihnen umgehen wird?

Ich freue mich auf einen fairen, sachlichen Wahlkampf und bin zuversichtlich, dass es auch den politischen Mitbewerbern insbesondere um Sachthemen und nicht um persönliche Angriffe geht. Im neuen Jahr werde ich täglich im Ort unterwegs und im Gespräch an der Haustüre sein und zuhören. Dort erzählen Menschen, was ihnen wirklich wichtig ist. Und genau diese Themen möchte ich mitnehmen für meine erfolgreiche Arbeit im Rathaus.

Drei Fragen, keine Antwort

Auf drei weitere Fragen ist Thomas Pardeller in diesem schriftlichen Interview nicht konkret eingegangen. Sie lauteten:

1. Kritiker sagen, Sie hätten Ihre Vorbildfunktion verletzt, die SPD sprach kurz nach der Kokain-Affäre vom 11. Oktober von „Doppelmoral“ und „Schamlosigkeit“ bei der CSU und fand, Sie seien als Bürgermeister „nicht mehr tragbar“. Wie gehen Sie mit diesen Vorwürfen um?

2. Wie verträgt sich Ihr bisheriger Umgang mit Drogen mit der insofern restriktiven Politik der CSU?

3. In Ihrer persönlichen Erklärung vom 1. Dezember schreiben Sie, „Rückhalt und Zuspruch aus der Bevölkerung“ seien „zusätzlicher Ansporn gewesen“, sich weiterhin für Neubiberg einzusetzen. Haben Sie trotzdem in irgendeinem Moment in den vergangenen Wochen daran gedacht, alles hinzuwerfen und zurückzutreten?

Stattdessen teilte der Neubiberger Bürgermeister abschließend dies mit: „Bitte haben Sie Verständnis, dass ich zu Themen, die das laufende Ermittlungsverfahren betreffen können, keine Angaben machen kann. Ich bin sehr zuversichtlich, dass das Verfahren zeitnah abgeschlossen werden kann.“