Vor zehn Jahren zerschellte eine Germanwings-Maschine in den Alpen. Jetzt werfen Handys der Opfer neue Fragen auf.
Le Vernet – Am 24. März 2015 stürzte ein Flugzeug der Lufthansa-Tochter Germanwings auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf in den französischen Alpen ab – 150 Menschen kamen ums Leben. Der Absturz hinterließ in vielen Familien eine schmerzliche Lücke, darunter auch bei Wolfgang und Brigitte Voß, deren Sohn Jens an Bord war. Als sie jedoch Jens‘ Handy zurückerhielten, tauchten viele Fragen auf.
Germanwings-Absturz – Laut französischen Behörden ein Suizid des Co-Piloten Andreas Lubitz
Der Germanwings-Flug 9525, der am 24. März 2015 von Barcelona nach Düsseldorf unterwegs war, endete tragisch im Trois-Evêchés-Massiv der französischen Alpen. Alle 150 Insassen starben. Die französische Flughafenbehörde BEA kam zu dem Schluss, dass Co-Pilot Andreas Lubitz das Flugzeug absichtlich abstürzen ließ, nachdem er den Piloten aus dem Cockpit ausgeschlossen hatte. Obwohl andere Untersuchungen Zweifel an der Suizid-Theorie aufwarfen, widerlegte ein Experte diese Vermutungen.
Nach Germanwings-Absturz: Verwunderung über Handy eines Opfers
Am Tag des Unglücks versuchten die Eltern, ihren Sohn zu erreichen. Sie hatten jedoch keinen Erfolg. Etwa 24 Stunden später erhielten sie die Nachricht: „Die Rufnummer ist jetzt wieder erreichbar“. Diese Mitteilung verwirrte das Paar, denn „es muss eingeschaltet gewesen sein, es muss funktioniert haben“, erklärt Vater Wolfgang in der ARD-Dokumentation „Der Germanwings-Absturz. Als sie das Handy Monate später erhielten, war die Enttäuschung groß. Es sei in Einzelteile zerlegt worden und es seien keine der Daten zu retten gewesen. „Wir hatten Hoffnung, damit auch ein paar Informationen über die letzten Tage unseres Sohnes zu bekommen“, erklärte Wolfgang Voß gegenüber der Bild.
Experte untersucht zerstörtes Handy aus Germanwings-Flugzeug: „Es wurde definitiv manipuliert“
Wie die Eltern in der Dokumentation berichteten, habe ein EDV-Experte im Auftrag der Bild das zerstörte Handy untersucht. Dieser sei der Meinung gewesen, dass „es definitiv manipuliert wurde“. Der NAND-Speicher, der als Festplatte fungiert, wäre entfernt worden, und die Daten seien gelöscht worden. Die Tatsache, dass das Gerät am Tag nach dem Absturz wieder erreichbar war, würde ebenfalls auf eine Manipulation hindeuten. Auch andere Angehörige berichteten laut Bild in Chat-Gruppen, dass ihre zurückgegebenen Geräte nicht mehr auslesbar gewesen seien.
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Handy gibt Rätsel auf: Das sagt ein Staatsanwalt
Staatsanwalt Christoph Kumpa äußerte in der ARD-Dokumentation die Vermutung, dass die Datenlöschung möglicherweise zum Schutz der Privatsphäre der Opfer erfolgte. Doch laut einer Mitteilung von Steffen Bilger, Parlamentarischer Staatssekretär, hätte die deutsche Bundesregierung keine eigenen Erkenntnisse über nachträgliche Manipulationen an elektronischen Datenträgern.
An Unglücksstelle des Germanwings-Absturzes: Denkmal erinnert an die Opfer
An der Absturzstelle erinnert heute ein goldenes Denkmal an die Opfer und soll bei der Trauerbewältigung helfen. Im nahegelegenen Dorf Le Vernet befindet sich auf dem Dorffriedhof ein Gemeinschaftsgrab, in dem nicht identifizierbare menschliche Überreste bestattet sind. Vor dem Grabstein mit den Namen der Opfer stehen Bilder, Kerzen und Gedenktafeln. Viele Angehörige, darunter auch die Eltern Voß, besuchen weiterhin das kleine Dorf in den Alpen. „Wir fühlen dort die Nähe“, sagte Wolfgang Voß in der Dokumentation. Auch für ihren Sohn steht eine Kerze mit seinem Foto vor dem Grab, daneben ein Stein mit der Inschrift „Jens Voß, geboren 16.8.1977“. (pk)