Taschengeld ist für die schönen Dinge im Kinderleben gedacht: den Kinoeintritt, die bunte Tüte am Kiosk oder ein neues Spielzeug. Dafür stehen Kindern im Schnitt 57 Euro pro Monat zur Verfügung, wie der aktuelle Taschengeldreport von Bling zeigt. Ihr Ausgabeverhalten ähnelt dabei dem der Erwachsenen – und auch in Sachen Geschlecht und Region lassen sich beim Taschengeld ähnliche Trends erkennen wie beim Einkommen.
Taschengeld stärker gestiegen als Inflation
Laut Report liegt das durchschnittliche Taschengeld derzeit bei 57 Euro im Monat für Kinder zwischen sieben bis 18 Jahren. In die Berechnung fließen allerdings sämtliche Geldeingänge der Kinder- und Jugendkonten ein: nicht nur das eigentliche Taschengeld, sondern teilweise auch Budgets für Kleidung und Kosmetik oder Geldgeschenke von Verwandten.
Die 57 Euro entsprechen einem Plus von sechs Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Damit ist das Taschengeld stärker gestiegen als die Inflation. Für den Report wertete der Finanzdienstleister Bling anonymisierte Daten von mehr als 150.000 Konten aus. Über die Bling-App können Eltern Konten, Taschengelder und Prepaid-Karten ihrer Kinder verwalten.
Die „Gender Pocketmoney Gap“: Jungen bekommen zwei Euro mehr
Auffällig ist, dass sich schon beim Taschengeld eine Art Gender Pay Gap zeigt: Jungen bekommen im Schnitt 58 Euro und damit zwei Euro mehr als Mädchen. Anissa Brinkhoff, Finanzexpertin bei Bling, führt diese „Gender Pocketmoney Gap“ auf tief verankerte Rollenbilder bei Eltern zurück.
Diese Lücke zwischen den Beträgen für Jungen und Mädchen kann bundesweit beobachtet werden. In nur drei Bundesländern gibt es keinen Geschlechtsunterschied beim Taschengeld: Bremen, Hessen und Thüringen – wobei die Unterschiede sich im niedrigstelligen Cent-Bereich bewegen wie fünf bis neun Cent.
Bling-Gründer Nils Feigenwinter betont: „Taschengeld ist weit mehr als ein Lerninstrument – es ist ein Spiegel gesellschaftlicher Wirklichkeit.“
Im Osten müssen Kinder mit weniger Geld zurecht kommen
Auch das Ost-West-Gefälle zeigt: Kinder und Jugendliche im Osten erhalten im Durchschnitt acht Prozent, also etwa 4,20 Euro weniger Taschengeld als Gleichaltrige im Westen. Über 60 Euro Taschengeld gibt es in Berlin, Hamburg, Bayern und Hessen. Deutlich weniger bekommen Kinder und Jugendliche in den neuen Bundesländern, wie die Karte zeigt. Schlusslicht mit nur 50,20 Euro pro Monat ist Thüringen.
Das meiste Taschengeld bekommen Kinder in Großstädten: Unangefochtene Taschengeld-Hochburg ist mit 77,08 Euro München. Und auch Kinder in Frankfurt (74,54 Euro), Berlin (69,64 Euro), Stuttgart (60,70 Euro) und Düsseldorf (69,58 Euro) bekommen überdurchschnittlich hohe Beträge. Auffällig: Gerade in Städten mit hohen Lebenshaltungskosten fällt das Taschengeld besonders großzügig aus.
Wie und wann Kinder ihr Geld ausgeben
Am meisten Geld geben Kinder und Jugendliche – unabhängig vom Geschlecht – in Supermärkten aus. Mädchen shoppen außerdem gern bei dm, Rossmann, H&M, New Yorker und auf der Plattform Shein. Jungen investieren ihr Taschengeld besonders häufig in Gaming, etwa im App Store sowie auf Playstation, Steam, Roblox oder für den E-Scooter-Dienst Voi.
Der durchschnittliche Taschengeldeinkauf kostet rund neun Euro und findet sechsmal pro Monat statt. Die Monatsausgaben liegen bei durchschnittlich 54 Euro.
lm Juli und Dezember schnellen die Ausgaben um 20 bis 30 Prozent nach oben. Der Grund: Ferien und Feiertage. "In diesen Monaten fließt mehr Geld in typische Saisonkäufe: Snacks und Aktivitäten im Sommer, kleine Geschenke zu Weihnachten", erklären die Studienautoren.
So viel Taschengeld empfehlen Experten
Viele Eltern fragen sich, welcher Betrag für welches Alter angemessen ist. Das Deutsche Jugendinstitut empfiehlt für Grundschulkinder ein wöchentliches Taschengeld zwischen einem und vier Euro. Für Jugendliche raten die Experten zu einem monatlichen Betrag, beginnend bei 20 bis 30 Euro und gestaffelt nach Alter.