Eines der reichsten Länder der Welt schenkt Familien bis zu 3000 Euro pro Kind

Luxemburg startet einen sozialpolitischen Kraftakt: Die Regierung plant, einkommensschwache Familien künftig stärker zu unterstützen. Konkret geht es um gestaffelte Zuschüsse von bis zu 3000 Euro pro Kind und Jahr. 

Was nach einer spektakulären Summe klingt, ist Teil eines umfassenden Armutsbekämpfungsprogramms, das das Großherzogtum vor wenigen Tagen vorgestellt hat.

Millardenunterstützung: Luxemburg verabschiedet riesiges Sozialpaket

„Armut in all ihren Formen darf in einem Land wie Luxemburg keinen Platz haben“, sagte Familienminister Max Hahn laut der Luxemburger Tageszeitung „L’essentiel“ bei der Präsentation des nationalen Aktionsplans zur Prävention und Bekämpfung von Armut. 

Trotz einer der höchsten Durchschnittseinkommen Europas – laut Statistikamt Statec waren es 2024 rund 4867 Euro pro Haushaltsmitglied – lebt fast jeder fünfte Einwohner Luxemburgs in finanzieller Unsicherheit.

Die Regierung reagiert mit einem Sozialpaket, das sowohl Kindergeld als auch Zusatzleistungen umfasst. Neben der bereits beschlossenen Erhöhung des regulären Kindergelds um 45 Euro pro Monat (und 60 Euro für Kinder über 12) führt das Land eine neue, einkommensabhängige Unterstützung ein, gestaffelt nach Alter.

Laut „L’essentiel“ sollen einkommensschwache Familien ab 2027 erhalten:

• 400 Euro pro Jahr für Kinder zwischen vier und fünf Jahren
• 1000 Euro pro Jahr für Kinder zwischen sechs und elf Jahren
• 3000 Euro pro Jahr für Jugendliche und junge Erwachsene von zwölf bis 25 Jahren (wenn sie sich in schulischer Ausbildung befinden)

Weitere Bausteine ergänzen das Paket: Laut „RTL Today“ erhalten einkommensschwache Haushalte mit einem älteren Familienmitglied künftig zusätzlich bis zu 2400 Euro pro Jahr. Insgesamt umfasst der Armutsplan 106 Maßnahmen und ein Budget von rund einer Milliarde Euro.

Ein Land mit Rekordeinkommen – aber viel versteckter Armut

In Luxemburg gelten 18,1 Prozent der Menschen als arm – ein hoher Wert, der eng mit den außergewöhnlich hohen Lebenshaltungskosten zusammenhängt. Laut Euronews zählt das Land zu den teuersten in der EU, die Preise liegen im Schnitt rund 50 Prozent über dem europäischen Durchschnitt. 

Gleichzeitig sind die Einkommensunterschiede enorm: Die reichsten 20 Prozent verdienen laut Statec fast fünfmal so viel wie die ärmsten 20 Prozent. Die offizielle Armutsgrenze liegt in Luxemburg bei 2540 Euro pro Monat. 

Zum Vergleich: In Deutschland galten laut Statistischem Bundesamt im vergangenen Jahr rund 13,1 Millionen Menschen (15,5 Prozent) als armutsgefährdet. Armutsgefährdet ist in dieser Definition, wer über weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens verfügt. 

2024 lag der Schwellenwert für einen Alleinlebenden in Deutschland bei 1378 Euro netto im Monat, bei Haushalten mit zwei Erwachsenen und zwei Kindern unter 14 Jahren betrug er 2893 Euro. Ein Haushalt, der in Luxemburg als arm gilt, hätte in Deutschland also ein Einkommen deutlich über der Armutsgrenze.

Soziale Maßnahmen zur Abfederung hoher Energiepreise

Auch beim Kindergeld zeigt sich der Unterschied deutlich:
In Deutschland bekommen Eltern derzeit 255 Euro pro Kind und Monat, ab 2026 sollen es 259 Euro sein. In Luxemburg erhalten Familien schon jetzt 307,35 Euro monatlich, und je nach Alter des Kindes steigt der Betrag auf bis zu 365,34 Euro. 

Neben Geldleistungen plant die Luxemburger Regierung weitere Unterstützungsmaßnahmen. So hat das Familienministerium bereits soziale Maßnahmen zur Abfederung steigender Energiepreise angekündigt, um besonders gefährdete Haushalte vor zusätzlichen Belastungen zu schützen. Sie sollen verhindern, dass steigende Energiekosten noch mehr Menschen ans Existenzminimum drängen.