Das Wachstum bringt Probleme: Der Flughafen Karlsruhe/Baden-Baden kämpft mit Personalmangel und überlasteten Sicherheitskontrollen – zum Leidwesen vieler Reisenden.
Rheinmünster – Am Flughafen Karlsruhe/Baden-Baden haben am vergangenen Wochenende und am vergangenen Dienstag wieder Hunderte Passagiere ihre Flüge verpasst. Am Samstag (2. August) konnten 94 Menschen nicht rechtzeitig abgefertigt werden, am Dienstag (5. August) waren es weitere 25 Personen, teilte das Regierungspräsidium Stuttgart gegenüber dem SWR mit.
Am Samstag habe es unerwartete Krankmeldungen von Luftsicherheitskontrollkräften gegeben, erklärte die Behörde. Passagiere, die erst kurz vor Abflug den Flughafen erreichten, hätten so nicht mehr rechtzeitig abgefertigt werden können. Am Dienstag seien die Kontrollen hingegen voll besetzt gewesen – hier gehe das Regierungspräsidium davon aus, „dass sich die Passagiere zu spät an den Kontrollstellen eingefunden haben“.
Enormes Wachstum bringt Flughafen an Kapazitätsgrenzen
Hinter den Problemen steht ein bundesweit atypisches Wachstum des Baden Airparks. Nach Berechnungen des Regierungspräsidiums Stuttgart sei die Grenze der in angemessener Zeit kontrollierbaren Fluggäste erreicht beziehungsweise teils überschritten. In diesem Jahr sind 27 Prozent mehr Flüge als 2024 geplant, die Zahl der Passagiere könnte um 25,5 Prozent auf knapp 2,3 Millionen steigen. Auch der Flughafen Stuttgart verzeichnet mehr Fluggäste.
„Um mit diesem Zuwachs fertig zu werden, wäre eine Entzerrung des Flugplans am Baden-Airpark wünschenswert“, heißt es in einer Antwort des Verkehrsministeriums auf einen CDU-Antrag. Der Betreiber schätzt, dass bisher etwa 700 Flugreisende in diesem Jahr von Verzögerungen bei den Sicherheitskontrollen betroffen waren und den Flug nicht antreten konnten. Das wären 0,14 Prozent der abfliegenden Fluggäste. Insgesamt haben rund 1.600 von 500.000 abfliegenden Reisenden im ersten Halbjahr ihren Flug nicht angetreten – das habe überwiegend daran gelegen, dass die Menschen zu spät oder gar nicht zum Flughafen gekommen seien.
Fachkräftemangel erschwert Personalplanung an Sicherheitskontrollen
Zudem herrsche – wie in vielen anderen Bereichen auch – Fachkräftemangel, sodass es für den Dienstleister schwierig sei, einen ausreichenden Personalstamm zu schaffen und zu halten. Laut Regierungspräsidium erschwerten die bundesweit einheitlich hohen Durchfallquoten dies zusätzlich. Eric Blechschmidt, Bereichsleiter Aviation beim Flughafen Karlsruhe/Baden-Baden, bezeichnete die Engpässe gegenüber dem SWR als echtes Ärgernis. Zuständig für das Personal an den Kontrollen sei ausschließlich das Regierungspräsidium Stuttgart, man habe leider sehr wenig Einflussmöglichkeiten.
Das Ministerium empfiehlt Reisenden dringend, mindestens 90 bis 120 Minuten vor Ende des Boardings an der Sicherheitskontrolle zu sein. „Je nach Situation im Einzelfall sollte dieser Puffer noch großzügiger ausfallen“, heißt es. Gerade wenn sich das Personal kurzfristig krankmelde, könne ein Ausfall nicht immer ausgeglichen werden.
Zur Verbesserung der Situation habe der zuständige Dienstleister auch Kontrollpersonal von anderen Flughäfen eingesetzt. An besonders flugreichen Tagen werde eine Reserve eingeplant, um etwaige Krankheitsfälle ausgleichen zu können. Parallel unterstütze das Regierungspräsidium die Firma dabei, dauerhaft mehr Personal einzustellen. Unsere Redaktion berichtete außerdem vor kurzem bereits darüber, dass ein junger Pilot mit einer Ansage vor der Landung am Flughafen Stuttgart zum Social-Media-Hit wurde. (df/dpa/swr)